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Kosten-Explosion für Landwirte: Diesel, Heizöl und Dünger viel teurer

diesel tanken.
am Donnerstag, 07.01.2021 - 10:00 (1 Kommentar)

Die Preise für Diesel, Heizöl und andere Betriebsmittel gehen im neuen Jahr durch die Decke. Das hat (mindestens) drei Gründe

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Erstens: Die neue CO2-Steuer – die im Prinzip alles verteuert, wofür man Energie verbraucht. Zweitens: Der Wiederanstieg der in der Krise gesenkten Mehrweststeuer und Drittens: Der starke Anstieg der globalen Rohölpreise seit November um mehr als 40 Prozent.

Letzteres ist zwar auch ein Indiz für die erhoffte Erholung der globalen Wirtschaft – und damit der Nachfrage. Sicher ist dieser Aufschwung aber angesichts der zahlreichen Lockdowns und der ugewissen Folgen für die Wirtschaft – und Beschäftigung – noch lange nicht.

Die unmittelbaren Folgen der CO2-Steuer und des deutlichen teureren Rohöls können Landwirte jedenfalls jetzt schon beim Einkauf von Diesel und Heizöl - aber auch bei Erdgas - auf ihren Rechnungen ablesen.

Gleiches dürfte für den Einkauf von Mineraldünger gelten. Aus den USA und von den globalen Terminmärkten wird Anfang Januar jedenfalls ein Preisanstieg bei fast allen Mineraldüngern gemeldet. Das dürfte sich in Deutschland und in Europa so ähnlich wiederholen.

Auf der anderen Seite gibt es bei den Strompreisen jedoch nicht die versprochene Entlastung. Der Grund: Die EEG-Umlage sinkt nur marginal – doch die Netzkosten und die Einkaufspreise an der Strombörse steigen dafür steil an.

Diesel kostet 20 Cent mehr als im November

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Die Dieselpreise liegen in der ersten Januarwoche im Schnitt bei 1,23 Euro je Liter, berichtet der Branchendienst Benzienpreis-aktuell.de. Das sind immerhin 11 Cent mehr als im Dezember und sogar über 20 Cent mehr als im November 2020. Für eine 150-Liter-Tankladung macht das einen Preisunterschied von 32 Euro gegenüber November und noch von 17 Euro gegenüber Dezember.

Ursache für den Preisanstieg sind neben der "CO2-Preis" genannte Steuererhöhung für Benzin, Diesel, Erdgas und Heizöl - auch die Rücksetzung der Mehrwertsteuer auf 19 Prozent sowie der steile Anstieg der Rohölpreise am Weltmarkt. Die massive Verteuerung von Rohöl dürfte mittelfristig zudem für weiter steigende Energie- und Treibstoffpreise sorgen, denn die Mineralölindustrie wird die höheren Einkaufpreise schnell auf ihre Abnehmer – also auf Verbraucher und Landwirte – umlegen.  

Und langfristig geht es mit den Diesel- und Energiepreisen noch steiler nach oben – denn gestartet ist der CO2-Preis mit 25 Euro. Doch die Steuer soll jährlich angehoben werden und um im 2025 schon bei 55 Euro pro Tonne liegen - also mehr als doppelt so hoch sein wie jetzt.

Dabei muss man wissen, dass der Anteil von Steuern und Abgaben an den Dieselpreisen – auch ohne CO2-Steuer – bereits bei  knapp 70 Prozent lag – und ab 2021 etwa 75 Prozent betragen wird. Und in den kommden Jahren steigt die Steuerlast mit den CO2-Preisen weiter an.

Heizöl verteuert sich deutlich – und steigt mit den Ölpreisen weiter

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Deutlich teurer ist im Januar auch Heizöl – für Landwirte und Verbraucher. Der Branchendienst Tecson nennt für die erste Januarwoche einen Preis von knapp 58 Cent je 100 Liter. Gegenüber Dezember ist das Preisanstieg von etwa 7 bis 8 Cent – und gegenüber November 2020 hat sich Heizöl um 19 Cent verteuert.

Für den Einkäufer bedeutet das bei der Befüllung eines 3000-Liter-Tanks Heizöl einen Preisunterschied von 210 Euro gegenüber Dezember und satten 600 Euro gegenüber November.

Neben den steigenden Steuern treiben aber auch die höheren Rohölpreise die Kosten für Energie und Heizöl nach oben. Seit Ende Oktober hat sich das US-Leichtöl WTI um mehr als 40 Prozent bzw. 15 USD auf zuletzt gut 50 USD je Barrel verteuert – das Nordseeöl Brent kostet fast 54 USD je Barrel.

Die Analysten von Goldman Sachs halten derzeit für 2021 sogar ein Preisniveau von 65 USD je Barrel für möglich.

Hintergrund ist eine fortgesetzte Angebotsverknappung des globalen Rohölangebotes durch die großen Produzenten: Diese Woche steigen die Rohölpreise unter anderem auch wegen eines weiteren Kompromisses zwischen Saudi-Arabien und Russland bei der Födermenge. Der Kompromiss soll eine Erhöhung der russischen Produktion von 500.000 Barrel pro Tag (bpd) im Januar im Februar ermöglichen.

Zuvor hatte die OPEC allerdings eine Produktionskürzung von 7,7 Millionen bpd für den Zeitraum August bis Dezember 2020 vereinbart (und umgesetzt). Das hatte zu einer deutlichen Angebotsverknappung am Weltmarkt und zu steigenden Preisen geführt. Hinzu kam der starke Rückgang der iranischen Ölproduktion aufgrund von US-Sanktionen und der Rückgang der venezolanischen Ölproduktion aufgrund von US-Sanktionen und innerstaatlichen Turbulenzen.

Strompreise gehen nicht zurück – anders als versprochen

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Eigentlich sollten Verbraucher und Landwirte mit der Einführung der Energiepreise bei den Stromkosten entlastet werden. Doch das hat offenbar nicht funktioniert. Die Strompreise bleiben wohl weiter auf Rekordniveau. Die Bundesregierung hat die EEG-Umlage für das Jahr 2021 zwar bei 6,5 Cent pro Kilowattstunde (kWh) gedeckelt.

Gleichzeitig steigen jedoch die anderen Abgaben und Umlagen – insbesondere die Stromnetzgebühren und erreichen ein neues Rekordhoch. Netzentgelte machen rund ein Viertel des Strompreises aus. Innerhalb der letzten zehn Jahre sind diese Gebühren um insgesamt 30 Prozent angestiegen. Das hat eine Analyse des Vergleichsportals Verivox ergeben.

„Die Mehrheit der Stromanbieter sieht trotz gedeckelter EEG-Umlage derzeit offenbar keinen Spielraum für günstigere Preise“, sagt Thorsten Storck Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox. „Wir rechnen für das Jahr mit stagnierenden Strompreisen auf hohem Niveau.“

Die von der Bundesregierung beschlossene Deckelung der EEG-Umlage, die derzeit für rund ein Viertel des Strompreises verantwortlich ist, senkt den durchschnittlichen Strompreis nur um rund 1 Prozent. Stromkunden in Gebieten mit stark steigenden Netzentgelten müssen sogar mit Preiserhöhungen rechnen“, sagt Storck.

Düngerpreise steigen ebenfalls – P-Dünger sehr viel teurer

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Doch auch die Düngerpreise werden mit den Energiepreise weiter steigen – denn Energie ist der mit Abstand wichtigste Kostenfaktor bei der Herstellung von Mineraldüngern. In Deutschland wird der Preis zusätzlich durch die neue CO2-Steuer nach oben getrieben, die die Herstellung zusätzlich verteuert.

Aus den USA kamen diese Woche Berichte über einen kräftigen Anstieg der Großhandelspreise bei fast allen Mineraldüngerarten – der auch ohne CO2-Steuer schon ziemlich kräftig ausfiel. Vor allem drei Düngemittel verteuerten sich in Übersee besonders kräftig, berichte der Branchendienst DNT – nämlich um jeweils 7 Prozent in nur 4 Wochen.

Betroffen ist der Phosphordünger Monoammonium-Phosphat (MAP), außerfdem Kalidünger und der in den USA sehr viel verwendete flüssige Stickstoffdünger Anhydrid. Die übrigen Düngemittel haben sich im Vergleich zum Vormonat deutlich weniger stark verteuert. Bei DAP lag der Aufschlag bei knapp 3 Prozent, bei Harnstoff bei 1 Prozent und bei UAN bei knapp 2 Prozent.

An den deutschen Handelsplätzen waren die Preise für Mineraldünger zum Jahresbeginn noch relativ stabil – im Vergleich zum Dezember. Dazu dürfte allerdings auch der sehr feste Euro beigetragen haben – der den Import verbilligt. So lagen die Preisangebote für Harnstoff an den deutschen Importhäfen in der ersten Januarwoche bei etwa 284 Euro je Tonne und damit auf dem gleichen Niveau wie im Dezember, jedoch 15 Euro höher als im November.

Für den bei deutschen Landwirten besonders beliebten Kalkammonsalpeter (KAS), wurden Anfang Januar 188 Euro gefordert – ebensoviel wie im Dezember, jedoch 6 Euro mehr als im November. Am stärksten war der Preisaufschlag bei  Phosphordünger. Für DAP lagen die Preisforderungen an den deutschen Importhäfen bei 372 Euro und damit 15 Euro höher als im Dezember und sogar 38 Euro höher als im November. Für Kornkali wurden 232 Euro je Tonne verlangt - ein leichtes Plus von 2 Euro.

Kommentar

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