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Produktionskosten und Betriebsmittel

Kostenfalle schnappt zu: Bauern zahlen für alles Rekordpreise

Feldarbeit.
am Mittwoch, 15.09.2021 - 08:00 (Jetzt kommentieren)

Eine gewaltige Kostenlawine überrollt die Bauern. Sie müssen viel Geld ausgeben, um die Produktion am Laufen zu halten.

Betriebsmittelpreise.

Die Kostenexplosion macht die landwirtschaftliche Produktion immer teurer. Bereits im Frühjahr 2021 waren die Produktionskosten auf ein neues Allzeithoch gestiegen. Das heißt: So viel Geld mussten die Bauern nie zuvor ausgeben, um ihre Betriebe am Laufen zu halten. Dabei spielt es kaum keine Rolle, ob man Ackerbauer oder Tierhalter ist: Fast sämtliche Kostenarten stiegen auf neue Rekordwerte.

Nun zeigen die aktuellen Daten des Statischen Bundesamtes (Destatis) für Juli einen noch steileren Anstieg. Gegenüber dem Vorjahr machten die Produktionskosten einen riesigen Sprung von 9,3 Prozent. Das heißt im Klartext: Eine gewaltige Kostenlawine lässt den Bauern von den Erlösen kaum etwas übrig. Viele Landwirte dürfte das in große wirtschaftliche Schwierigkeiten bringen.

Ganz besonders betroffen sind derzeit die Schweinehalter und die Milchbauern. Denn: Ihre Erlöse sind auch ohne die extrem hohen Kosten schon schlecht. Sie reichen oft nicht einmal zur Deckung der laufenden betrieblichen Aufwendungen. An Investitionen in neue Ställe und für mehr Tierwohl oder auch in neue Maschinen, ist überhaupt nicht zu denken.

Aber auch Ackerbauen müssen bei ihren Ausgaben tief in die Tasche greifen: Für Dünger, Treibstoff, Pflanzenschutz, Energie und Landmaschinen werden Rekordpreise verlangt. So bleibt auch von den hohen Getreidepreisen kaum etwas übrig. Das Fazit ist: Die Kosten fressen die Erlöse.

Futter, Dünger, Saatgut - Kein Ende der Teuerung in Sicht

Energie.

Fast alle Betriebsmittel sind von der starken Teuerung betroffen: An erster Stelle zu nennen sind jedoch alle Treibstoffe, wie Diesel und Benzin. Hinzu kommen die übrigen Energie-Produkte, wie Heizöl, Erdgas und Strom.

Ebenfalls stark verteuert haben sich Futtermittel sowie Dünger und Saat- und Pflanzgut. Hier sind die Kosten für Landwirte bereits im ersten Halbjahr steil nach oben gegangen und in der zweiten Jahreshälfte setzt sich der Preisanstieg unvermindert fort – zeigen die Daten von Destatis. So waren Treibstoffe im Juli 26,9 Prozent teuer als ein Jahr zuvor und für Heizstoffe wurden 15,9 Prozent höhere Preise verlangt. Auch Strom hat sich für die Landwirte weiter verteuert.

Das ist aber leider nicht alles: Während die Preise für Pflanzenschutz im Juli „nur“ um 3 Prozent gestiegen sind, meldet Destatis bei Düngemitteln einen Preissprung von 16,2 Prozent. Doch auch das dürfte noch nicht das Ende der Kostenexplosion sein.

Für die wichtigsten Mineraldünger gehen die Preise nämlich weiter steil nach oben. Wer im September Dünger kaufen wollte, musste noch viel mehr Geld ausgeben als Destatis für den Juli ausweist: So verlangten die Großhändler an den deutschen Importhäfen für Kalkammonsalpeter (KAS) im September 60 Prozent höhere Preise als im Jahr zuvor – und für Diammonphosphat (DAP) mussten die Einkäufer fast 90 Prozent mehr auf den Tisch blättern. 

Hohe Kosten für Futter, Instandhaltung, Maschinen und Bauten

Preise für Bauten.

Ein Kostentreiber für Tierhalter sind die Preise für Futtermittel. Hier sorgen die stark gestiegenen Preise für Getreide und Ölsaaten natürlich auf der anderen Seite für explodierende Futterkosten. Bei den derzeitigen schlechten Preisen für Milch- und Schweinefleisch ist das besonders bitter. Bereits im April hatte der Preisauftrieb für Einzelfuttermittel bei 21 Prozent gelegen.

Nun meldet Destatis für Juli eine Teuerung bei Futtergetreide von 24,4 Prozent und bei Ölschroten von 22,4 Prozent. Deutlich gestiegen sind außerdem die Kosten für die Instandhaltung und für den Kauf von Maschinen und Geräten. Hier lag der Aufschlag zum Vorjahr zwischen 2 und mehr als 4 Prozent.

Und nicht zu vergessen: Auch das Bauen und die Instandhaltung von Bauten und Anlagen hat sich drastisch verteuert. Hier wirken sowohl die steigenden Energiepreise als auch die deutlich höheren Preise für Baustoffe und Holz preistreibend. Destatis meldet einen Preisanstieg für landwirtschaftliche Bauten gegenüber dem vorigen Jahr von sage und schreibe 6,8 Prozent und für die Instandhaltung von Bauten einen gewaltigen Aufschlag von 7,4 Prozent.

Da fragen sich viele Landwirte, wie sie ihre Ställe und Anlagen überhaupt noch instand halten sollen – und an Neubauten – etwa für mehr Tierwohl oder moderene Laufställe, ist gleich gar nicht zu denken.   

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