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Pflanzenschutz und Düngung

Landwirte kaufen erneut weniger Pflanzenschutzmittel

Pflanzenschutzmittel werden ausgebracht
am Dienstag, 27.04.2021 - 12:05 (1 Kommentar)

Die Nachfrage nach Pflanzenschutzmitteln ist in Deutschland 2020 erneut gesunken – zum sechsten Mal in Folge. Bei Mineraldünger war ein leichtes Plus zu beobachten.

Dr. Manfred Hudetz

Der deutsche Pflanzenschutzmarkt schrumpft von Jahr zu Jahr. Wie der Industrieverband Agrar (IVA) heute in Frankfurt bekannt gab, sank der Inlandsumsatz der Branche 2020 um 3,9 Prozent auf 1,146 Mrd. Euro. Das war der sechste Rückgang in Folge.

Für IVA-Präsident Dr. Manfred Hudetz stehen Landwirtschaft und Agrochemie vor entscheidenden Weichenstellungen durch die Farm-to-Fork-Strategie der Europäischen Kommission. Die Strategie sieht vor, dass die Nutzung und das Risiko von Pflanzenschutzmitteln bis 2030 um 50 % und von Düngemitteln um 20 % reduziert werden. Hudetz betonte, die agrochemische Industrie wollen diesen Prozess aktiv mitgestalten.

Weniger Fungizide und Insektizide eingesetzt

Der deutsche Pflanzenschutzmarkt

Auch im Geschäft mit Pflanzenschutzmittel wirkte sich die Corona-Pandemie aus: Im ersten Quartal 2020 hamsterten Landwirte und Handel die Ware, weil sie Versorgungsengpässe befürchteten. Letztlich konnten Lieferengpässe aber vermieden werden. Insgesamt schloss das Jahr für die deutsche chemische Industrie mit einem leichten Umsatzrückgang.

Der Herbizidumsatz blieb stabil. Dabei glichen ein höherer Bedarf im Mais und im Raps den Rückgang bei Getreide und Zuckerrüben in etwa aus, jeweils bedingt durch veränderte Anbauflächen.

Der Fungizidumsatz schrumpfte um 5,5 Prozent. Besonders stark betroffen war der Markt für Getreidefungizide. Bei den Insektiziden war ein Einbruch um 16,4 Prozent auf 112 Mio. Euro zu verzeichnen. Allein der Markt für Rapsinsektizide schrumpfte im Frühjahr 2020 um 20 Prozent.

Deutlich gestiegen ist der Umsatz mit Pflanzenschutzmitteln für Haus und Garten: Privatanwender kauften für 60,4 Mio. Euro chemischen Pflanzenschutz, was einem Plus von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr entsprach.

Absatz 2019 auf dem niedrigsten Stand seit 25 Jahren

Zahlen über die abgesetzte Menge an Pflanzenschutzmitteln ermittelt in Deutschland das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Die Absatzstatistik liegt allerdings erst bis 2019 vor. Nach BVL-Angaben fiel der Absatz von Pflanzenschutzmitteln 2019 mit 27.496 Tonnen bereinigt um Sondereffekte auf den niedrigsten Wert seit 25 Jahren. Von der Gesamtmenge waren etwas über 10 Prozent Mittel, die auch für den Einsatz im Ökolandbau zugelassen sind.

IVA-Präsident Hudetz geht davon aus, dass die Tonnage künftig insgesamt weiter zurückgehen wird.

Markt für Mineraldünger stabilisiert sich

Düngemittelmarkt

Der Absatz von Mineraldüngern verzeichnete im Düngejahr 2019/20 einen leichten Zuwachs. Die Saison verlief für die im IVA organisierten Hersteller besser als zunächst erwartet. Der Absatz von Stickstoffdünger legte nach einem starken Einbruch im Vorjahr um 2,2 Prozent auf 1,372 Mio. t zu. Dabei zeigte sich ein Trend weg von Harnstoff hin zu nitratbasierten und schwefelhaltigen Produkten.

Für den Leiter des IVA-Fachbereichs Pflanzenernährung, Marco Fleischmann, spiegelt sich darin das Bemühen der Landwirtschaft wider, unter verschärften Umweltauflagen möglichst effizient und verlustarm zu düngen. „Die deutsche Landwirtschaft ist damit den Zielen der Farm-to-Fork-Strategie zur Düngung bereits voraus“, stellte Fleischmann fest.

Bei den Phosphatdüngern dreht sich der Abwärtstrend der letzten Jahre: Der Verkauf nahm 2019/20 um 23 Prozent zu. Beliebt waren vor allem NP- sowie NPK-Düngemittel. Fleischmann zufolge ist der hohe Zuwachs 2019/20 aber auf vorgezogene Einkäufe zurückzuführen.

Kommentar

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