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Landwirtschaftliche Einkommen

Wie erfolgreich wirtschaften Landwirte im Nebenerwerb? – Die Fakten!

Traktor auf kleien Feldern.
am Dienstag, 23.03.2021 - 13:39 (1 Kommentar)

Die Hälfte der Bauern arbeitet im Nebenerwerb. Sind sie wirtschaftlich erfolgreich – oder schreiben sie rote Zahlen? - Lesen sie, was Sache ist!

Bauer udn Kühe.

In Deutschland arbeitet die Hälfte der Landwirte im Nebenerwerb. Diese Höfe erwirtschaften mehr als die Hälfte ihres Einkommens mit nicht-landwirtschaftlicher Tätigkeit. Doch wie erfolgreich sind die Nebenerwerbler als Bauern? Können sie agronomisch und ökonomisch mit den Haupterwerbsbetrieben mithalten? Und womit verdienen sie – abgesehen von den außerlandwirtschaftlichen Einnahmen – als Landwirte ihr Geld?

Dabei geht es einerseits um die agronomischen Eckdaten wie Erträge, Tierleistungen und auch Tierbesatz. Entscheidend sind jedoch die betriebswirtschaftlichen Ergebnisse: Also Umsatzerlöse, Kosten, Gewinn und – Subventionen. Möglich wird eine solche Analyse durch das Testbetriebsnetz des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL). Dort stehen diese Daten über eine langen Zeitraum zur Verfügung. Und sie ermöglichen einen detaillierten Blick in die Bücher der Nebenerwerbsbauern.

Dabei erweist sich diese Betriebsform über die Jahre offenbar als ausgesprochen anpassungsfähig – vor allem auch wegen des hohen Einkommensanteils, der aus nichtlandwirtschaftlicher Tätigkeit stammt. Fakt ist: Die Nebenerwerbslandwirtschaft behauptet einen festen Platz innerhalb der bestehenden Betriebsstrukturen.

Ein erster oberflächlicher erster Blick auf die betriebswirtschaftlichen Daten zeigt: Die Produktivität und vor allem die Umsatzerlöse sowie die landwirtschaftlichen Einkommen je Flächeneinheit sind aber wesentlich geringer – vor allem in der Tierproduktion. Gleichzeitig ist der Anteil der Subventionen am Einkommen weitaus höher als bei den Haupterwerbsbetrieben – und als bei allen anderen Betriebsformen.

Agrarpolitik beschleunigt Ausstieg aus der Tierhaltung

Viehbesatz.

Was sofort auffällt ist, dass Nebenerwerbslandwirte deutlich weniger Tiere halten, als Haupterwerbsbetriebe. Das heißt: Der Tierbesatz je Flächeneinheit ist erheblich geringer. Außerdem hat die Zahl der von Nebenerwerbsbauern gehaltenen Tiere in den letzten 10 Jahren geradezu dramatisch abgenommen.

Das hat mit Sicherheit agrarpolitische Gründe: Denn wer will als  Nebenerwerbslandwirt, vor dem Hintergrund der immer weiter verschärften Düngeverordnung, und immer höherer Tierwohlauflagen, noch in neue Ställe und Güllebehälter oder auch in die Zupacht von Flächen zur Ausbringung von Gülle investieren.

In Zahlen: Während die Nebenerwerbsbauern vor 10 Jahren noch knapp 80 Vieheinheiten je 100 Hektar gehalten haben, waren es 2019/20 nur noch 58 VE je 100 Hektar. Das ist eine Reduzierung um 27 Prozent und zeigt sich bei welchen Betrieben die Agrarpolitik am meisten Schaden anrichtet – nämlich gerade bei den kleinen Höfen.

Bei den Höfen im Haupterwerb blieb die Zahl der Tiere je Flächeneinheit hingegen trotz der steigenden Auflagen fast stabil - bei zuletzt rund 136 VE je 100 Hektar. Das zeigt gleichzeitig, dass der Anteil der Tiere im Nebenerwerb je Flächeneinheit nicht einmal halb so hoch ist wie bei den Bauern im Haupterwerb.

Auch ein Blick auf die Milchleistung, als wichtiges Kriterium der Produktivität, zeigt: Trotz einer moderaten Zunahme der Leistung um 5 Prozent auf zuletzt 6.180 kg je Kuh – mit den Haupterwerbsbetrieben kann man nicht mithalten! Dort ist die Pro-Kuh-Leistung im gleichen Zeitraum erheblich schneller, nämlich um 13 Prozent gewachsen, auf rund 8.300 Kg. Der Leistungsvorsprung gegenüber den Nebenerwerbsbetreiben liegt damit bei über einem Drittel.

Noch erheblich größer ist der Abstand beispielsweise in der Schweineproduktion: Etwa bei den lebendgeborenen Ferkeln je Sau – Hier hat sich die Produktivität im Nebenerwerb seit etwa 2017 sogar deutlich verschlechtert.  

Nebenerwerb: im Ackerbau gut aufgestellt – Tierhaltung schwach

Umsatzerlöse.

Im Ackerbau sind die Unterschiede wesentlich kleiner – und man sieht gleich, wo der Schwerpunkt der meisten Nebenerwerbsbetriebe liegt: So haben die Nebenerwerbsbauern im 10-Jahresmittel rund 71 dt Weizen je Hektar geerntet  – bei den Bauern im Haupterwerb waren es 74 dt. Ähnlich gut wie bei den Höfen im Haupterwerb sind die Erträge der Nebenerwerbler auch bei Zuckerüben – deutlich schlechter jedoch bei Kartoffeln.

Insgesamt schlägt sich die schlechtere Produktivität aber in deutlich geringeren Umsatzerlösen der Nebenerwerbs-Landwirte nieder: So liegen die Umsatzerlöse in der gesamten pflanzlichen Erzeugung bei 626 Euro je Hektar – Das sind rund 20 Prozent weniger als im Haupterwerb mit 780 Euro.

Weitaus größer ist die Differenz aber in dem für die Höfe im Haupterwerb wichtigste Einnahmequelle: Der Tierproduktion. Hier erwirtschaften die Nebenerwerbler im 10-Jahresmittel 863 Euro je Hektar – und das mit stark fallender Tendenz. Im Wirtschaftsjahr 2019/20 lagen die Umsatzerlöse aus der Tierproduktion nämlich nur noch bei 763 Euro.

Die Höfe im Haupterwerb kommen hingegen im 10-Jahresmittel auf Umsatzerlöse aus der Tierhaltung von 2070 Euro und lagen im Wirtschaftsjahr 2019/20 mit 2350 sogar noch etwas höher. Der Umsatzerlös-Rückstand der Nebenerwerbsbauern im tierischen Bereich ist also riesengroß und beträgt im 10-Jahresmittel 60 Prozent. Im vorigen Wirtschaftsjahr ist die Umsatz-Lücke sogar auf gewaltige 70 Prozent angewachsen.

Hinzu kommt: Höfe im Nebenerwerb erwirtschaften knapp die Hälfte ihrer Gesamterlöse aus der Tierproduktion – bei Haupterwerbsbetrieben sind es 60 Prozent.

Einkommen halb so hoch wie im Haupterwerb – hohe Subventionen

Einkommen.

Der große Rückstand bei den Umsatzerlösen, schlägt sich natürlich unmittelbar im landwirtschaftlichen Einkommen der Nebenerwerbsbauern nieder – also dem Gewinn einschließlich Personalaufwand. Dabei sind ihre Kosten ebenfalls erheblich geringer: So lag der Materialaufwand (Kosten) für alle Produktionszweige im Mittel der letzten 10 Jahre bei den Nebenerwerbsbauern nur bei 1027 Euro je Hektar. Das war gerade einmal halb so viel wie bei den Betrieben im Haupterwerb – nämlich 1.890 Euro je Hektar.

Einschließlich Lohnkosten und sonstigen Aufwendungen für Versicherungen, Pacht und Instandhaltung, summieren sich die Gesamtkosten auf 2.175 Euro je Hektar für die Bauern im Nebenerwerb und auf 3400 Euro für die Betriebe im Haupterwerb: Das sind für den Nebenerwerbler Minderkosten von fast 40 Prozent – in der Tierproduktion sogar von 60 Prozent.

Doch am Ende nutzen die geringeren Kosten den Nebenerwerbsbauern wenig. Denn: Die landwirtschaftlichen Einkommen je Arbeitskraft sind im 10-Jahresmittel mit 15.000 Euro nicht einmal halb so hoch wie bei den Kollegen im Haupterwerb mit 33.100 Euro. Ähnlich groß sind die Unterschiede auch beim Betriebs-Ergebnis und beim Gewinn.

Und es gibt noch eine Sache, die die wirtschaftlichen Unterschiede deutlich macht: Ohne landwirtschaftlichen Subventionen – also Direktzahlungen und andere Zuschüsse - würde es sicher auch für viele Haupterwerbsbetriebe eng. Für sie machen die staatlichen Zuschüsse zwischen 40 und 50 Prozent des Einkommens (Gewinn + Personalkosten) aus.

Bei den Nebenerwerbslandwirten waren die betrieblichen Einkommen – nach Abzug aller Kosten – in den letzten 10 Jahre etwa so hoch wie die Subventionen. In den letzten beiden Jahren lagen die Mittelzuflüsse aus Subventionen sogar über dem nominellen betrieblichen Einkommen (Gewinn + Personal).

Das heißt auch: Sollte es künftig zu größeren agrarpolitischen Veränderungen bei den Kriterien der Vergabe von Subventionen kommen, würde dies riesige Einkommensverluste für die Nebenerwerbslandwirte bedeuten – und möglicherweise ein gewaltiges Höfesterben auslösen. Das gilt ganz besonders für Regionen wie etwa Baden-Württemberg oder Teile Bayerns, wo bereits zwei Drittel der Betriebe im Nebenerwerb wirtschaften.

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