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Betriebsmittel

Landwirtschaft: Kosten gehen durch die Decke

Gewinnsteigerung in der Landwirtschaft
am Dienstag, 18.12.2018 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

In der Landwirtschaft explodieren die Produktionskosten.

Im Herbst 2018 waren Betriebsmittel in der deutschen Landwirtschaft so teuer wie zuletzt vor sechs Jahren. Zugleich fiel die Kostenexplosion stärker aus, als der Anstieg der Erzeugerpreise beziehungsweise dieser wurde durch die sehr stark steigenden Produktionskosten mehr als aufgefressen.

Am schlimmsten hat es die Tierhalter getroffen. Anders als im Ackerbau sind dort nämlich bei steigenden Kosten die Erzeugerpreise gefallen. Das zeigen jedenfalls die aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes. Diese erfassen die Entwicklung der landwirtschaftlichen Kosten und Erlöse bis Oktober 2018.

Kostentreiber Energie, Futter, Bauten

BM Preise

Ein Grund für die Explosion der Produktionskosten ist die globale Energiepreisrallye vom Frühjahr bis zum Herbst. Die sehr hohen Preise für Rohöl und Gas trieben auch die Kosten für die Herstellung und den Einkauf der wichtigsten landwirtschaftlichen Betriebsmittel nach oben.

In der Folge stiegen die Kosten für die landwirtschaftliche Produktion ungewöhnlich stark. Hinzu kamen die extrem hohen Preise für Futtermittel als Folge von Dürre und Futterknappheit. Kräftig zu Buche schlagen außerdem die hohen und weiter steigenden Preise für Immobilien, Bauten, Fahrzeuge und Maschinen.

Viele Landwirte haben nach dem extremen Dürrejahr 2018 und zum Teil dramatischen Produktionsausfällen erhebliche Liquiditätsprobleme. Sie dürften sich in existenziellen Schwierigkeiten befinden. Wegen der kleinen Erntemengen und dem hohen Bedarf an Viehfutter kommen vielen Betrieben die hohen Getreidepreise nur in beschränktem Umfang zu Gute. Sie haben einfach zu wenig Getreide zum Verkaufen.

Produktionskosten auf 6-Jahreshoch

BM Preise zum Vorjahr

Im Oktober waren die Betriebsmittelpreise in der Landwirtschaft etwa 6,6 Prozent höher als im Jahr zuvor. Damit befanden sich die Produktionskosten nach den Erhebungen des Statistischen Bundesamtes auf dem höchsten Stand seit knapp sechs Jahren.

Besonders stark haben sich Energie, Treibstoff und Heizmittel verteuert. In Folge der Dürre sind die Einkaufpreise für Futtermittel allerdings noch stärker gestiegen. Gegenüber dem Vorjahr waren die Kosten für Energie und Schmierstoffe knapp 11,6 Prozent höher, Treibstoff hat sich um 18,6 Prozent verteuert. Für Einzelfuttermittel mussten Tierhalter 25,2 Prozent mehr Geld ausgeben und für Mischfutter betrug der Preisaufschlag 12,3 Prozent.

Kräftige Preiserhöhungen waren zudem für Düngemittel und Saatgut zu verzeichnen. Deutlich gestiegen sind außerdem die Kosten für Instandhaltung und für Bauten (Investitionen) sowie für Maschinen und Fahrzeuge. Lediglich die Preise für Pflanzenschutz waren nahezu unverändert.

Bis zum Jahresende dürfte vor sich die Kostenexplosion wohl weiter fortsetzen. Viele kostentreibende Faktoren werden nälich erst allmählich marktwirksam. Ab November sind die Preise für Rohöl und Erdgas am Weltmarkt jedoch wieder kräftig um etwa ein Drittel gefallen. Dies könnte sich dann im neuen Jahr allmählich kostendämpfend auswirken, vorausgesetzt dieser Trend setzt sich fort.

Höhere Preise im Ackerbau, Verluste für Tierhalter

EZP zum Vorjahr

Höher als im vorigen Jahr waren im Oktober auch die landwirtschaftlichen Erzeugerpreise mit durchschnittlich 3,1 Prozent. Die Kosten sind mit 6,6 Prozent allerdings doppelt so kräftig gestiegen. Zudem ist der Markt zweigeteilt. Die Preise für tierische Produkte sind nämlich 7,2 Prozent niedriger als im vorigen Jahr.

Dagegen bewegen sich die Preise für pflanzliche Erzeugnisse im Mittel 20,5 Prozent über dem Vorjahreswert.  Am stärksten war der Preisanstieg bei Kartoffeln. Hier waren die Erzeugerpreise nach den Daten von Destatis doppelt so hoch wie im vorigen Jahr. Die Getreidepreise bewegten sich knapp 25 Prozent über der Vorjahresmarke.

Darunter verzeichneten Futtergerste mit knapp 36 Prozent und Weizen mit knapp 24 Prozent die höchsten Preisaufschläge. Für Raps waren die Erlöse hingegen nur so hoch wie im vorigen Jahr und für Zuckerrüben bekamen die Landwirte sogar 10 Prozent weniger.

Dramatische Mindererlöse verbuchten die Landwirte bei fast allen tierischen Erzeugnissen. So waren die Preise für  Milch im Oktober 4 Prozent niedriger als im Jahr zuvor, bei Schweinen betrug der Abschlag sogar 8,2 Prozent und bei Bullen 3,6 Prozent.

Für Schlachtkühe wurden wegen der hohen Schlachtzahlen sogar 8,9 Prozent niedrigere Preise gezahlt. Mehr Geld gab es lediglich für Geflügel mit einem Plus von 4,4 Prozent. Das zeigt, dass die Tierhalter noch erheblich stärker unter Druck stehen als die Pflanzenbauer.

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