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Investieren im Ausland

Landwirtschaft in der Ukraine: Das ist zu beachten

am Donnerstag, 30.06.2016 - 13:00 (Jetzt kommentieren)

Die Ukraine bietet bekanntlich sehr gute natürliche Vorraussetzugen für Ackerbau im großen Stil. Das zieht immer wieder ausländische Investoren an. Welche Chancen und Risiken sich dabei ergeben, davon berichtet der agrarmanager in seiner Juni-Ausgabe.

Etwa 50 Landwirte allein aus Deutschland haben vor allem in der Zentral- und Westukraine Betriebe erworben. Damit eine solche Investition kein riskantes Unterfangen wird hat der agrarmanager erklärt, worauf zu achten ist:

1. Engagement

Der entscheidende Faktor beim Erfolg eines erworbenen Betriebes in der Ukraine ist das Engagement:

  • Eine dauerhafte Präsenz vor Ort, gepaart mit entsprechender Praxiserfahrung sind wichtig für einen dauerhaften Erfolg.
  • Präsenz vor ort wird oft durch aus Deutschland stammende Agronomen als Angestellte an der Betriebsstätte verwirklicht.
  • Hier muss es sich um vertrauenswürdige Personen mit Geschäftsführungskompetenz handeln.
  • Aufgrund der unterschiedlichen Mentalität ist die Betriebsführung zumindest in den ersten Jahren durch westeuropäische Agronomen ein Muss.

2. Pachtvertrag

  • Bis dato dürfen in der Ukraine keine Agrarflächen erworben werden. Deshalb müssen diese von den Betrieben gepachtet werden.
  • Der übliche Weg ist es, einen bestehenden Betrieb zu erwerben, der bereits über bestehende Pachtverträge verfügt. 
  • Bei einem Betriebserwerb sind neben der agrartechnischen und finanziellen Durchsicht die Pachtverträge und deren Eintrag ins staatliche Register genauestens zu prüfen. Sind die Verträge nicht im Zentralregister eingetragen, sind sie schwebend unwirksam!
  • Pachtzinsen werden üblicherweise im Pachtvertrag in Prozent eines inflationsindizierten Einheitswertes bemessen. Je nach Region sind dies derzeit pro Jahr 30 bis 60 €/ha.
  • Die durchschnittliche Grundstücksgröße beträgt 3 bis 4 ha, sodass ein Betrieb von 1.000 ha mit 250 bis 300 Verpächtern zu tun hat!
  • Häufig wird die Pacht immer noch mit Weizen oder anderen Ernteerträgen bezahlt.

3. Erträge

  • Die Erträge sind auch 25 Jahre nach dem Zerfall der Sowjetunion aufgrund des geringen Investitionsvolumens vergleichsweise gering. Im vorigen Jahr lag der Durchschnitt bei Winterweizen bei 43,7 dt/ha.
  • Zahlreiche erfolgreiche Betriebe zeigen, dass in der Ukraine grundsätzlich dieselben Ernteerträge wie in Westeuropa erzielt werden könnten.
  • Die klimatischen Bedingungen beinhalten höhere Risiken. Experten schätzen die Produktion bis zum Jahr 2020 von derzeit 63 Millionen Tonnen Getreide auf 80 Millionen Tonnen pro Jahr.
  • In der Produktion von Sonnenblumensamen ist die Ukraine mit ungefähr 20% bereits führend in der Weltproduktion.

4. Finanzierung

Das Hauptproblem für landwirtschaftliche Betriebe in der Ukraine ist die Finanzierung.

  • Da landwirtschaftliche Flächen bis dato nicht veräußert werden dürfen, können diese Flächen nicht als Sicherheit für Kredite dienen. Dies verhindert langfristige Investitionen in die Ackerflächen selbst - zum Beispiel Investitionen in Bewässerungssysteme.
  • Die Zinsen für Kredite bei ukrainischen Banken sind recht hoch: Sie betragen für Darlehen in Fremdwährung 7 bis 10 % p.a. und bei Krediten in Landeswährung sogar 22 bis 25 %.
  • Darüber hinaus ist Unternehmen, ohne Einkommen in Fremdwährung, also beispielsweise durch den Export von Getreide, der Zugang zu Fremdwährungskrediten bei lokalen Banken weitestgehend versperrt.

Ukraine in Zahlen

  • Das Land verfügt insgesamt über 43 Millionen Hektar Fläche, welche für die Landwirtschaft verwendet werden könnte. Momentan werden 32 Millionen Hektar landwirtschaftlich genutzt.
  • Die Agrarflächen der Ukraine wurden Anfang der 90er-Jahre weitestgehend durch Verteilung auf die Kolchosmitarbeiter privatisiert, welche diese entweder selbst bewirtschaften oder verpachten.
  • Im Staatseigentum befinden sich noch etwas 10 % der gesamten Agrarfläche des Landes.
  • Die Ukraine könnte theoretisch zur Nummer Eins der Wetexporteure von Getreide werden.
  • Landwirtschaftliche Betriebe in der Ukraine sind steuerbefreit.
     

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