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Landwirtschaft und Strukturwandel

Landwirtschaftszählung: Das Höfesterben geht weiter

Luftaufnahme einer Kulturlandschaft
am Donnerstag, 21.01.2021 - 12:49 (Jetzt kommentieren)

Die Zahl der landwirtlichen Betriebe in Deutschland schrumpft weiter. Das Tempo des Rückgangs nimmt jedoch ab, sagt das Statistische Bundesamt.

Daten zur Landwirtschaftszählung 2020

Immer mehr Landwirte müssen immer größere Anteile ihres Einkommens mit außerlandwirtschaftlichen Tätigkeiten erwirtschaften. Das heißt auch: Der Nebenerwerb wird immer wichtiger. Auch der Anteil der ökologisch bewirtschafteten Fläche nimmt zu – nämlich auf 9,6 Prozent.

Die Zahl der Landwirtschaftsbetriebe hat in Deutschland in den letzten 10 Jahren um 35.600 abgenommen. Das heißt, pro Jahr haben durchschnittlich 3.560 Betriebe die Hoftore für immer dicht gemacht. Das zeigen die aktuellen Ergebnisse der Landwirtschaftszählung von 2020. Danach wirtschafteten in Deutschland im Jahr 2020 noch 263.500 Betriebe. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche blieb mit 16,6 Millionen Hektar hingegen nahezu konstant.

Die durchschnittliche Größe der Betriebe lag 2020 bei 63 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche. Das waren 7 Hektar mehr als vor zehn Jahren, als ein Betrieb durchschnittlich 56 Hektar bewirtschaftete.

Die Zahlen wurden heute (21.1.) auf der Pressekonferenz „Landwirtschaft im Wandel – erste Ergebnisse der Landwirtschaftszählung 2020“ der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder in Wiesbaden vorgestellt.

Da die Erhebungszeiträume und Erhebungsstichtage der Landwirtschaftszählung 2020 am 1. März 2020 oder davor lagen, bilden die Ergebnisse dieser Erhebung keine Auswirkungen der Corona-Pandemie ab.

Die meisten Höfe unter 100 Hektar - Betriebe im Osten werden kleiner

ackerbau.

„Damit sind die Betriebe so groß wie noch nie“, sagte Christoph Unger, Vizepräsident des Statistischen Bundesamtes. „Entgegen dem Bundestrend geht die durchschnittliche Betriebsgröße in Ostdeutschland jedoch leicht zurück, unter anderem deshalb, weil neue beziehungsweise ausgegründete Betriebe eher geringere Betriebsgrößen aufweisen.“

Nach wie vor bewirtschaftet der überwiegende Anteil der landwirtschaftlichen Betriebe (86 Prozent) eine Fläche von höchstens 100 Hektar. Gegenüber 2010 nahm deren Zahl um knapp 40.100 auf etwa 225.400 Betriebe ab.

Die Zahl der Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von mehr als 100 Hektar stieg seit 2010 um etwa 4.500 auf rund 38.100 Betriebe an. Damit bewirtschaften 14 Prozent aller Betriebe 62 Prozent der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche in Deutschland.

Nach Einschätzung des Statistischen Bundesamtes nimmt die Geschwindigkeit des Strukturwandels aber ab: Im Zeitraum 2016 bis 2020 betrugen der jährliche Rückgang der Zahl der Betriebe 3.000 und die Flächenzunahme pro Betrieb 0,6 Hektar. Von 2010 bis 2016 schrumpfte die Zahl der Betriebe noch um jährlich 4.000 und das Flächenwachstum lag bei 0,8 Hektar.

Immer mehr nicht-landwirtschaftliche Zusatzeinkommen nötig

windkraft.

Im Zeitraum März 2019 bis Februar 2020 waren in Deutschland 936.900 Arbeitskräfte in der Landwirtschaft tätig. Gegenüber 2010 ist das eine Abnahme um 13 Prozent. Knapp die Hälfte, nämlich 436.100 Personen, waren Familienarbeitskräfte in Einzelunternehmen.

Weiterhin arbeiteten 229.300 ständig angestellte Arbeitskräfte und 271.500 Saisonarbeitskräfte in den landwirtschaftlichen Betrieben. Von diesen Arbeitskräften werden zunehmend auch andere Tätigkeiten ausgeführt, mit denen die Betriebe neben der landwirtschaftlichen Primärproduktion zusätzliches Einkommen generieren.

Im Jahr 2020 gaben rund 111.700 Betriebe (42 %) an, Umsätze aus zusätzlichen, auf dem Hof betriebenen Aktivitäten zu erwirtschaften. Im Jahr 2010 waren das nur 31 %. Bei mehr als einem Fünftel dieser Betriebe (21 %) trugen die Umsätze aus den zusätzlichen Einkommensquellen bereits die Hälfte oder mehr zum Gesamtumsatz des jeweiligen Betriebes bei, im Jahr 2010 traf dies erst auf 13 % der Betriebe zu.

Am häufigsten gewannen die landwirtschaftlichen Betriebe mit Einkommensalternativen ihr Zusatzeinkommen aus Arbeiten in der Forstwirtschaft (34 %) sowie in diesem Zusammenhang aus der Be- und Verarbeitung von Holz mit 13 %, gefolgt von der Erzeugung erneuerbarer Energie (31 %).

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