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Lockdown, LEH und Agrarpreise

Lebensmittel-Preise steigen – Bauern kriegen trotzdem weniger Geld

Mann und Frau beim Einkauf in einem Hofladen
am Dienstag, 15.12.2020 - 08:00 (Jetzt kommentieren)

Lebensmittel werden im LEH teurer - auch Fleisch. Für viele Agrarpreise geht es aber steil nach unten - vor allem für Fleisch, Eier und Kartoffeln. Gleichzeitig steigen die Getreidepreise und auch für Milch bekommen die Bauern etwas mehr Geld. Welchen Einfluss der zweite Lockdown auf die Preise sowohl für Landwirte als auch im LEH hat, ist noch nicht zu erkennen. Beim ersten Lockdown sind Preise im LEH jedenfalls weit nach oben geschossen - während es für die Bauern meist steil nach unten ging.

Verbraucherpreise für Nahrungsmittel und Erzeugerpreise in der Landwirtschaft klaffen auseinander

Im Einzelhandel haben sich Nahrungsmittel im November verteuert. Die landwirtschaftlichen Erzeugerpreise sind hingegen für tierische Produkte – außer für Milch – den vierten Monat in Folge gefallen. Die Erzeugerpreise für einige pflanzliche Produkte – insbesondere für Getreide und Gemüse sind indessen gestiegen.

Unterm Strich steht für die Preise landwirtschaftlicher Produkte zwar ein leichtes Plus zum Vormonat. Dennoch ist das Preisniveau nicht allzu weit vom jüngsten 4-Jahrestief entfernt. Auf der anderen Seite sind die Verbraucherpreise auf den höchsten Stand seit Juni gestiegen.

Ab der Jahresmitte waren die Verbraucherpreise für Nahrungsmittel zunächst etwas zurückgegangen – nachdem sie zum ersten Lockdown weit nach oben geschossen waren und im Mai und im Juni sogar auf den höchsten Stand vielen Jahren geklettert waren. Die landwirtschaftlichen Erzeugerpreise waren zu diesem Zeitpunkt (Juni) – im Schnitt – sowohl für pflanzliche Produkte als auch für tierische Erzeugnisse noch wesentlich höher als jetzt, auch wenn es bereits steil nach unten ging.

Auch jetzt klafft die Schere zwischen den wieder steigenden Nahrungsmittelpreisen im Einzelhandel und den sehr niedrigen landwirtschaftlichen Erzeugerpreisen weit auseinander. Das gilt insbesondere für Fleisch, wo die Erzeugerpreise weiter gefallen sind, während sich Fleisch im Einzelhandel im November nochmals verteuerte. Aber auch für Kartoffeln, Eier und Braugerste bekommen die Bauern erheblich weniger Geld und auch die zuletzt wieder etwas höheren Milchpreise sind noch lange nicht kostendeckend. 

Fleischpreise sind nur für die Bauern gefallen – im LEH wird es teurer

Absturz der Erzeugerpreise für Schweinefleisch und Anstieg der Verbraucherpreise

Der Absturz der Erzeugerpreise für Schweinefleisch ist bis Oktober nur auf der Erzeugerseite zu sehen. So haben die Landwirte für ihre Schweine zu diesem Termin 30,9 Prozent weniger Geld bekommen als im Jahr zuvor und 7,1 Prozent weniger als im Vormonat.

Ursache ist die coronabedingt stark reduzierte Schlachtung auf vielen Schlachthöfen und der riesige Angebotsstau, der mächtig auf die Schweinepreise drückt. Ende November wurden in Deutschland pro Woche fast 150.000 Schweine weniger geschlachtet als im Jahr zuvor. Und als wenn das nicht schon genug wäre kommt natürlich der Exportstopp nach China wegen ASP als massive Preisbelastung noch hinzu. Dagegen waren die Preise für Schlachtrinder insgesamt nur gut 1 Prozent niedriger als im Vorjahr – für Schlachtkühe gab es allerdings gut 4 Prozent weniger.

Neue Absatz- und Preisprobleme –könnte es allerdings mit dem zweiten Lockdown zum Jahreswechsel geben – auch wenn die Nachfrage aus dem LEH hoch ist. Die erneute Schließung von Restaurants, Schulen und Kantinen dürfte dem Fleischabsatz insgesamt mächtig schaden, das werden die Tierhalter wohl ganz besonders zu spüren bekommen – ebenso wie Milchbauern und Kartoffelerzeuger. – Ebenfalls deutlich wenig Geld als im vorigen Jahr bekamen die Hähnchen-Halter – hier lag der Abschlag immerhin bei 10 Prozent und zum Vormonat bei 1 Prozent.

Ganz anders war die Entwicklung der Verbraucherpreise für Fleisch. Diese steigen seit Oktober wieder an und sind zudem deutlich – nämlich 4 Prozent – höher als im vorigen Jahr.

Milchpreise steigen wieder – auch im LEH wird es teurer

Anstieg der Erzeugerpreise für Milch seit Jahresmitte 2020

Etwas anders verlief die Entwicklung bei Milch. Hier steigen die Erzeugerpreise seit ihrem Absturz im Juni kontinuierlich an und befinden sich mittlerweile wieder auf dem Vor-Corona-Niveau vom April – das waren im deutschen Mittel etwa 34 Cent je kg. Für Milch mit natürlichem Fettgehalt. Das Niveau des vorigen Jahres wird aber dennoch verfehlt.

Auf der Verbraucherseite waren die Preise für Milch und Milchprodukte im ersten Lockdown im Mai und im Juni sehr weit nach oben geschossen. Glaubt man den Daten des Statistischen Bundesamtes, hatten die Preise für Milchprodukte im Einzelhandel sogar neue Höchstwerte erreicht – danach ging es bis Oktober jedoch wieder nach unten.

Im November mussten die Verbraucher beim Einkauf von Milchprodukten jedoch wieder mehr Geld auf den Tisch blättern als im Oktober. Gleichzeitig kosteten Milchprodukte in den Supermärkten ähnlich viel wie vor einem Jahr. Das die Verbraucherpreise auch im zweiten Lockdown weiter steigen, ist durchaus möglich. Allerdings funktionieren die Lieferketten besser als zum Beginn der Pandemie als es auch logistische Probleme gab.

Hinzu kommt, dass die erneute Schließung der Restaurants auch den Absatz von Milchprodukten beinträchtigen dürfte – sodass von dieser Handelsebene erneuter Preisdruck aufkommen könnte.

Getreidepreise sind gestiegen - Brotpreise aber auch

Anstieg Erzeugerpreise für Getreide seit Juli 2020

Deutlich mehr Geld als im Vormonat haben im Oktober die Getreidebauern bekommen – hier lag der Preisanstieg zum Vormonat bei 9,3 Prozent und auch gegenüber dem vorigen Jahr wurde Getreide 5 Prozent besser bezahlt. Allerdings profitierten vor allem die Landwirte die Weizen verkaufen konnten – hier lag das Preisniveau 12 Prozent höher als vor einem Jahr.

Auch für Körnermais ließ sich ein Mehrerlös von 10 Prozent zu verbuchen.  Für Futtergerste waren die Preise noch 6 Prozent höher als vor Jahresfrist – während man sowohl für Roggen als auch Braugerste sogar weniger Geld bekam.

Dabei hat der Lockdown und die Schließung der Restaurants (sinkende Bierkonsum) den Braugerstenpreis um fast 5 Prozent unter den Vorjahreswert gedrückt – auch wenn es mit den Preisen zuletzt schon wieder etwas nach oben ging. Der neuerliche Lockdown zum Jahreswechsel könnte diese Entwicklung aber wieder stoppen – ist zu befürchten.

Im Einzelhandel sind die Brotpreise nach dem ersten Lockdown im Juni zunächst wieder deutlich gefallen – steigen im November jedoch erneut an.

Kartoffelpreise halbiert – Ausblick bleibt düster

Kartoffeln auf einem Kartoffelacker

Ähnlich schlimm wie die Schweinebauern hat es die Kartoffelerzeuger getroffen. Bereits der erste Lockdown führte zu gewaltigen Absatzverlusten beim Kartoffelanbau und von Verarbeitungskartoffeln zur Pommes Frites Herstellung. Dieser Einbruch konnte auch in den folgenden Wochen nicht wieder aufgeholt werden nicht wieder.

Hinzu kam eine ziemlich große neue Ernte, von der die Verarbeitungsware erneut nicht vollständig gebraucht wurde, obwohl auf allen Handelsstufen noch Überhänge aus der alten Ernte vorhanden waren. Das Statistische Bundesamt meldet für den Monat Oktober Erzeugerpreise für Kartoffeln die 45 Prozent niedriger sind als im Jahr zuvor und auch gegenüber dem Vormonat nochmals um fast 7 Prozent gefallen sind.

Ende November bekamen die Kartoffelbauern für fest vorwiegend kochende Speisekartoffeln gerade einmal 10,80 je dt – ein Minus von rund 50 Prozent zum Vorjahr. Verarbeitungskartoffeln werden am Terminmarkt für den April 2021 gerade ein einmal mit 6,20 Euro je dt notiert und der Juni notiert bei 9,0 Euro. Das sieht nicht nach einer schnellen Preiserholung aus.

Positiv: Hohe Erlöse für Obst und Gemüse

Kohlrabi, Rote Bete und Möhren in einer Hand

Wenigstens die Obst- und Gemüsebauern konnten sich freuen. Sie bekamen deutlich mehr Geld als im vorigen Jahr – während die Gemüsepreise aber auch im November weiter steigen, ging es für Obst zuletzt jedoch wieder etwas nach unten.

Dennoch bekommen die Obstbauern etwa 15,4 Prozent mehr Geld als vor Jahresfrist und wer Gemüse anbaut, kann sich nach den Daten des Statistischen Bundesamtes über Mehrerlöse von 30 Prozent freuen.

Im Einzelhandel sind die Preise für Obst und Gemüse im November längst nicht mehr so hoch wie zum ersten Lockdown im Mai und im Juni - aber immer noch erheblich höher als im vorigen Jahr.

Lebensmittel: Nur noch dieser Geldanteil kommt beim Landwirt an

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