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Ökologische Landwirtschaft

Lohnt sich die Umstellung auf Ökolandbau?

Schwarzbunte Kühe auf Weide mit Weißklee
am Dienstag, 03.11.2020 - 15:14 (Jetzt kommentieren)

Den eigenen Betrieb erfolgreich auf ökologische Landwirtschaft umzustellen, hängt von einer guten Planung und der individuellen Situation ab. Rechnerische Beispiele zeigen, dass eine Umstellung bei bayerischen Betrieben durchaus gelingen kann.

Das Beratungsunternehmen Ecovis Agrar zeigt anhand rechnerischer Beispiele, dass ökologische Betriebe höhere Umsätze, Gewinne und Deckungsbeiträge erzielen können als konventionelle Betriebe. Diesem Ergebnis liegen Daten zur Agrarstruktur in Bayern zugrunde.

Wer eine Umstellung seines Betriebs auf ökologische Landwirtschaft in Betracht zieht, sollte jedoch zunächst über die praktischen Herausforderungen nachdenken und erst dann wirtschaftliche Überlegungen anstellen.

Umstellungsphase heißt auch Lernphase

Insbesondere beim Ackerbau müssen ökologisch wirtschaftende Betriebe mehr Zeit und Aufwand für die Pflege der Kulturen einplanen. Dies macht sich vor allem bei Hackfrüchten bemerkbar, erläutert Ecovis.

Besteht ein höherer Schädlings- oder Unkrautdruck, muss mit höheren Ernteeinbußen gerechnet werden, da weniger Bekämpfungsmaßnahmen zur Verfügung stehen. Dies kann sich besonders zu Beginn der Umstellungsphase auswirken, da zu dieser Zeit alternative Bekämpfungsmethoden oft noch nicht ausreichend erprobt wurden.

Die neuen Herausforderungen in der zweijährigen Umstellungsphase müssen zudem ohne die Mehreinnahmen, von denen Ecovis in seinen Berechnungen ausgeht, bewältigt werden. In der Umstellungszeit gelten die Erzeugnisse noch als konventionelle Produkte.  

Darüber hinaus sollte sich die Produktion von Bioprodukten am Markt orientieren. Ansonsten vergrößert sich der Preisdruck auf die heimischen Erzeugnisse und die Preisaufschläge verringern sich entsprechend.

Bayern auf Platz eins beim Ökolandbau

Sowohl bei der Öko-Gesamtfläche als auch bei der Anzahl aller Ökobetriebe lag Bayern im Bundesländer-Ranking im letzten Jahr an der Spitze. Die Anzahl aller Ökobetriebe in Deutschland belief sich 2019 in Deutschland laut Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) auf 34.110 – davon befanden sich etwa 10.500 Biobetriebe in Bayern. Etwa 370.000 Hektar bewirtschafteten die bayerischen Biobetriebe im vergangenen Jahr und damit etwa 23 Prozent der Ökofläche in Deutschland.

Steigende Zahlen beim Ökolandbau sind für ganz Deutschland zu verzeichnen. Im Vergleich zu 2018 stieg der Anteil um 7,6 Prozent. Damit wurden 9,7 Prozent von der gesamten landwirtschaftlichen Fläche ökologisch bewirtschaftet.

Der mit Ökoprodukten erzielte Umsatz belief sich im letzten Jahr auf etwa 12 Mrd. Euro, berichtet Ecovis.

Erster Vergleich: erzielter Gewinn

Die Zahlen des Bayerischen Agrarberichts machen deutlich, dass die bayerischen Ökobetriebe im Wirtschaftsjahr 2018/2019 trotz niedrigerer Umsatzerlöse einen höheren Gewinn erzielten: Während alle Haupterwerbsbetriebe (konventionell und ökologisch) im Mittel einen Gewinn von etwa 54.700 Euro erzielten, belief sich der Gewinn bei den Biobetrieben auf über 58.000 Euro.

Ausschlaggebend für dieses Ergebnis sind nicht höhere Umsatzerlöse, sondern die Ökoförderungen aus dem bayerischen Kulturlandschaftsprogramm (KULAP). Die Umsatzerlöse bei den Biobetrieben lagen – trotz höherer Erzeugerpreise – sogar 20 Prozent unter den Umsatzerlösen der konventionellen Betriebe, weil Erträge und Leistungen geringer ausfielen. Dafür erhielten die Ökobetriebe etwa 15.000 Euro mehr Beihilfen als konventionelle Betriebe.

Umsatz und Gewinn von Haupterwerbsbetrieben in Bayern im Vergleich für das Wirtschaftsjahr 2018/2019
  alle Haupterwerbsbetriebe Bio-Haupterwerbsbetriebe
Betriebsgröße  60,41 ha 54,96 ha
davon Ackerland 64,9 % 34,1 %
davon Grünland 33,3 % 65,5 %
Umsatzerlöse 225.752 € 162.792 €
davon Zulagen und Zuschüsse 28.997 € 43.913 €
Gewinn je Unternehmen 54.696 € 58.271 €
Mit Material von Bayerischer Agrarbericht 2020, StMELF

Zweiter Vergleich: Biomilch

Einen Vergleich zwischen konventionellen und ökologischen Milchviehbetrieben führte die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) durch. In die Gegenüberstellung wurden alle Betriebe aufgenommen, die im Wirtschaftsjahr 2018/2019 zwischen 180.000 und 240.000 Kilogramm Milch verkauften. Das Ergebnis: Obwohl die Tiere der Öko-Milchviehbetriebe durchschnittlich etwa 700 Kilogramm weniger Milch gaben, erzielten diese Betriebe etwa 25.000 Euro mehr Gewinn als die konventionellen.

Das Minus bei der verkauften Milch glichen die Biobetriebe vor allem durch um 12 Cent höheren Biomilchpreis und die zusätzlichen Beihilfen in Höhe von 12.400 Euro aus.

Vergleich wirtschaftlicher Kennzahlen für konventionelle und ökologische Milchviehbetriebe in Bayern im Wirtschaftsjahr 2018/2019
  konventionelle Betriebe ökologische Betriebe
landwirtschaftliche genutzte Fläche 46,0 ha 45,4 ha
Ackerfläche 24,0 ha 10,2 ha
Rindvieh-Großeinheit (RiGV) 61,3 60,1
Hauptfutterfläche pro RiGV 0,49 ha 0,66 ha
Milchkühe 32,4 37,0
Milchleistung pro Kuh 6.788 kg 6.084 kg
verkaufte Milch 207.839 kg  208.539 kg
Unternehmensertrag 155.198 € 177.803 €
Unternehmensaufwand 121.015 € 118.547 €
ordentliches Ergebnis 34.183 € 59.256 €
Ertrag Rindvieh 24.143 € 17.976 €
Ertrag Milch 80.352 € 107.450 €
Erlös pro kg Milch 37,04 ct 49,36 ct
Zulagen und Zuschüsse 22.186 € 34.596 €
Mit Material von Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), Viertelauswertung der Testbetriebe für das Wirtschaftsjahr 2018/2019, Dr. Eva-Maria Schmidtlein und Lukas Wolf

Die Auswertung der LfL zeigt jedoch auch, dass die ökologischen Milchviehbetriebe in Bayern mehr Fläche benötigten, um eigenes Futter zu produzieren. In der Folge konnte weniger Fläche für den Anbau von Ackerfrüchten genutzt werden und die Erträge aus dem Pflanzenbau blieben unter dem Niveau der konventionellen Betriebe zurück, erläutert Ecovis.

Hinzu kommt, dass die Einnahmen aus dem Verkauf von Rindern bei ökologischen Betrieben geringer ausfallen, weil die Kälber hier in der Regel zu einem früheren Zeitpunkt verkauft werden. Die etwas höheren Preise für Biorinder oder -kälber können diesen Nachteil nicht ausgleichen.

Grundsätzlich kann ein Bio-Milchviehbetrieb nach der Umstellung ein besseres wirtschaftliches Ergebnis erzielen, ohne gleichzeitig den Tierbestand aufstocken zu müssen. Allerdings muss immer die individuelle Betriebssituation berücksichtigt werden. Ecovis weist darauf hin, dass bei Milchviehbetrieben insbesondere die bauliche Situation sowie die Weidehaltung eine Rolle spielen. Betriebe, die ihren Tieren keinen Weidegang ermöglichen, stoßen bei der Suche nach einer Bio-Molkerei auf Probleme. Außerdem setzt die Umstellung eine Abnahmegarantie für die Biomilch voraus, so das Beratungsunternehmen.

Dritter Vergleich: ökologischer Ackerbau

Als weiteren Vergleich stellte die LfL durchschnittliche Deckungsbeiträge konventioneller und ökologischer Betriebe gegenüber. Dabei bezog sich die Landesanstalt auf bayerische Bedingungen und auf die durchschnittlichen Werte von 2017 bis 2019. Da bei der beispielhaften Öko-Fruchtfolge von typischen Fruchtfolgegliedern mit Kleegras und Dinkel ausgegangen wurde, gibt es einen direkten Vergleich nur zwischen Winterweizen, Soja und Sommergerste.

Vergleich der Deckungsbeiträge 2017-2019 im Ackerbau bei konventionellen und ökologischen Betrieben in Bayern
konventionell Deckungsbeitrag ökologisch Deckungsbeitrag
Körnermais 408 € pro ha Kleegras* 379 € pro ha
Soja 279 € pro ha Winterweizen 767 € pro ha
Winterweizen 414 € pro ha Sommergerste 613 € pro ha
    Soja
als Zwischenfrucht
1.476 € pro ha
minus 125 € pro ha
Winterroggen 114 € pro ha Dinkel 853 € pro ha
Durchschnitt 297 € pro ha Durchschnitt 793 € pro ha

*Der positive Deckungsbeitrag ergibt sich aus der Stickstofffixierung durch den Klee. 

Mit Material von Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL)

Um etwa 500 Euro pro Hektar liegt der Deckungsbeitrag der Bio-Fruchtfolge über dem Deckungsbeitrag der konventionellen Fruchtfolge. Die in Bayern festgelegte KULAP-Förderung von jährlich 273 Euro pro Hektar ist hier noch nicht enthalten. Noch größerer Unterschiede gibt es laut Ecovis bei Speisekartoffeln mit etwa 3.000 Euro pro Hektar sowie bei Zuckerrüben mit 2.000 Euro pro Hektar.

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