Zum Adventsgewinnspiel

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Kommentar

Das Märchen vom Bauern, der seine Kühe verkaufte

Kuh auf der Weide
am Montag, 22.11.2021 - 07:00 (Jetzt kommentieren)

In den sozialen Medien sind Haupt- und Nebenerwerb oft Gegner. Warum das nicht sein muss. Eine Geschichte.

Es war einmal ein Landwirt, der hatte einen Sohn. Und als der Landwirt diesem Sohn seinen Hof übergab, da machte der alles anders. Er schaffte die 40 Milchkühe ab, die in einem kleinen Stall mit niedrigen Decken in der Mitte des Orts standen. Er verpachtete einen Teil der Felder. Für die anderen organisierte er einen Lohnunternehmer, der ihm bei der Aussaat und der Ernte half. Vor allem aber wagte er einen entscheidenden Schritt: Er ging vom Haupterwerb in den Nebenerwerb. Von nun an arbeitete er tagsüber für ein Fernmeldeunternehmen und nach Feierabend für seinen Betrieb.

Im Dorf kam dieser Schritt nicht gut an. „Der will sich die Hände nicht schmutzig machen, der Schnösel“, hieß es. „Mit seiner Hobbylandwirtschaft macht er uns die Preise kaputt“, hieß es weiter. Und: „Der ist ja gar kein richtiger Bauer mehr.“
 

Den eigenen Weg finden

Nach den Gründen, weshalb der junge Mann den Betrieb nicht mehr im Vollerwerb führen wollte, fragte keiner. Vielleicht weil er die dringend nötigen Investitionen für einen neuen Laufstall außerhalb des Orts nicht wagte? Vielleicht weil sein Vater ihm den Betrieb nicht ausreichend zukunftsfähig aufgestellt überlassen hatte? Oder vielleicht, weil er aus gesundheitlichen Gründen Sorge hatte, die harte körperliche Arbeit nicht bis ans Ende seiner Arbeitstage leisten zu können? 

Welche Gründe er auch hatte: Für ihn war es jedenfalls die richtige Entscheidung. Er hatte ein festes Einkommen und konnte die Zinsen für sein Haus abzahlen. Und nach Feierabend und am Wochenende kümmerte er sich um seinen Nebenerwerbsbetrieb. Es waren lange Tage und oft fiel der junge Mann abends sehr erschöpft, aber zufrieden ins Bett.
 

Helfer der Landwirtschaft

Und es dauerte nicht lange, da wurden auch die Leute im Ort immer zufriedener. Diejenigen, die Felder vom jungen Mann gepachtet hatten, freuten sich über die zusätzlichen Flächen. Der Lohnunternehmer im Ort freute sich über die Aufträge, denn die konnte er gerade gut gebrauchen, und die anderen Landwirte freuten sich, denn wenn Not am Mann war, hatten sie in dem jungen Mann einen Helfer, der allzeit bereit war – und sich bestens mit der Landwirtschaft vor Ort auskannte. 

Und die Moral von der Geschicht? Haupterwerb und Nebenerwerb ergänzen sich im wahren Leben bestens, wie die Praxis zeigt.
Denn die Erzählung von dem jungen Mann, die war kein Märchen, sondern eine echte, wahre Geschichte. 

Digitale Ausgabe agrarheute

Dieser Kommentar erschien in unserem Topthema zum Nebenerwerb in Heft 11/2021
Lesen Sie jetzt den ausführlichen Fachartikel und testen Sie unverbindlich die digitale Ausgabe agrarheute.

Wenn Sie bereits ein digitales Abo haben, geht es hier entlang.

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...