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Risikomanagement

Milch: Neue Vorstöße für Mengensteuerung

am Donnerstag, 21.11.2019 - 14:20 (Jetzt kommentieren)

Milcherzeuger erwarten von der Sektorstrategie Milch neue Impulse. Das zeigt sich bei einem Treffen von Milcherzeugern. Vor allem bei der Steuerung von Milchmengen wurde heftig diskutiert.

Milchtankwagen auf Hof

Im Vorfeld der Sektorstrategie Milch 2030 keimt unter Milchbauern die Diskussion um eine Mengensteuerung der Milch immer öfter auf. So haben Milchbauern bei der Infoplattform des Verbandes der Milcherzeuger Bayerns (VMB) das Thema wieder entfacht.

Schließlich sind bei der Sektorstrategie Milch 2030, welche die Milchbranche auf der Internationalen Grünen Woche 2020 vorstellen will, die Lieferbeziehungen ein wichtiges Thema. Unter anderem droht ja Bundesagrarministerin Julia Klöckner den Molkereien, den Artikel 148 EU-Verordnung umzusetzen, wenn die Branche Landwirten keine geeigneten neuen Lieferverträge anbietet, die für eine Mengensteuerung im Krisenfall sorgen.
 

Verfechter für Steuerung von Milchmengen

Reimann-Silvio-Milcherzeuger

Beim Treffen der Milcherzeuger im oberbayerischen Mettenheim hatte die Diskussion Landwirt Silvio Reimann angeregt. Er ist Geschäftsführer der Milch-Land GmbH im thüringischen Veilsdorf. In seinem Vortrag ging er darauf ein, dass er in seinem Milchviehbetrieb mit rund 2.025 Kühen aus wirtschaftlichen Gründen seine Kapazitäten nicht voll ausnutze. „Ich könnte über 20 Mio. kg Milch pro Jahr erzeugen, ich beschränke mich aber auf derzeit rund 18,5 Mio. kg Milch.“ Wegen zweier Trockenheitsjahre seien die Qualitäten des Grundfutters nicht optimal. „Ich verzichte aber bei derzeitigen Milchpreisen auf teure, höhere Zufütterung von Kraftfutter, um die Leistungsreserven der Kühe auszuschöpfen“, so Reimann, der auch im DBV-Fachausschuss Milch vertreten ist.

Reimann liefert seine Milch an die Milchwerke Oberfranken West eG in Coburg. Dort ist er auch stellvertretender Vorstandsvorsitzender. „Ich bin ein Verfechter der Milchmengensteuerung in Krisenzeiten“, gab er zu verstehen. „Es kann nicht sein, dass wir Milchbauern bei sehr guten Preisen von über 40 Cent mehr Milch liefern, und uns so den Preis kaputtmachen. Ohne Regeln für eine Mengensteuerung führt dies in Krisenzeiten bei fallenden Preisen dazu, dass wir Bauern mehr Milch erzeugen, um die Erlösverluste auszugleichen. Das ist eine Todesspirale.“
 

Deutschland muss in EU Vorreiter sein

Seiner Meinung nach sollte Deutschland auf EU-Ebene mehr Engagement zeigen, um europäische Regeln zu initiieren. „Beim Klimaschutz wollen wir Vorreiter in Europa machen, warum nicht auch bei der Milchmengensteuerung.“ Wir sollten mit den wichtigsten EU-Ländern intensiver reden, schlug der Geschäftsführer der Milch-Land GmbH vor.

Reimann ergänzte, dass seine Molkereigenossenschaft Regeln schon seit längerem festgelegt habe. So müssten aufstockungswillige Milcherzeuger vor der Investition mit der Genossenschaft nachfragen, ob die Mehrmenge vermarktbar sei. Zudem müssten Milcherzeuger bei Überlieferungen innerhalb von zwei Jahren, entsprechend der höheren Milchmenge Geschäftsanteile nachzahlen. Bei einer Marktkrise kommt laut Reimann ein Art A-/B-Preismodell zur Anwendung.
 

Mengensteuerung: Probleme in offenen Märkten

Scholz-Wolfgang-VMB

VMB-Vorsitzender Wolfgang Scholz merkte an, dass eine Mengensteuerung bei liberalen Märkten wie sie in der EU der Fall seien, sehr schnell ins Leere laufen könne. So bestehe die Gefahr, dass dann die Milch aus Drittländern komme. „Die erhoffte Preisstützung findet dann nicht statt“, so Scholz.

Dennoch plädierten Milcherzeuger in der Diskussion, dass mit Molkereien Regeln zu vereinbaren seien, die eine zu starke Überproduktion am Milchmarkt verhinderten. Allerdings wurde klargestellt, dass eine gemeinsame nationale Branchenorganisation nicht über Menge und Preise reden dürfe. Jedoch könne die EU bei einer Marktkrise Ausnahmen machen.

Branchenkommunikation nötig

Aufgrund der jüngsten Medienberichte über angebliche Tierschutzverstöße in Milchviehbetrieben hält Silvio Reimann für eine Branchenkommunikation Milch für dringend notwendig.

„Ich bin auch bereit, dafür Geld zu zahlen. „Wir Bauern dürfen uns nicht auseinander dividieren lassen. Sonst reiben sich die in Berlin die Hände“, ist sich der Milcherzeuger sicher. Er hofft, dass die Sektorstrategie Milch 2030 dazu die nötigen Impulse liefert.

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