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Viehzählung November 2020

Milchbauern zahlen hohen Preis für die Corona-Krise

kühe melken.
am Dienstag, 22.12.2020 - 09:00 (1 Kommentar)

Es gibt immer weniger Milchbauern. Die Corona-Krise verstärkt den wirtschaftlichen Druck. Das zeigt die Viehzählung.

zahl der milchkuhhalter.

Die Zahl der Milchbauern geht erneut stärker zurück als die Anzahl der Milchkühe. Die Folge: Immer weniger Betriebe halten immer mehr Kühe. Allein von Mai bis November haben mehr als 1000 Milchbauern die Hoftore dicht gemacht oder sind aus der Milcherzeugung ausgestiegen. In den letzten 12 Monaten gaben sogar 2.603 Milchbauern auf.

Und noch ein Negativrekord wurde aufgestellt: Im November 2020 hat das Statistische Bundesamt in Deutschland das erste Mal weniger als 58.000 landwirtschaftliche Betriebe mit Milchviehhaltung gezählt – nämlich nur noch 57.322.

Vor fünf Jahren verdienten noch 73.000 Bauern mit Milch ihr Geld – immerhin 16.000 mehr als jetzt. Und vor 10 Jahren weist die Statistik 91.600 Milchbauern aus – Das heißt: In nur 10 Jahren haben 34.278 Höfe oder etwa ein Drittel aller Milchbauern die Milchproduktion aufgegeben.

In Bayern geben am meisten Milchbauern auf

fleckvieh.

Überdurchschnittlich viele Milcherzeuger haben im letzten halben Jahr in Bayern und in  Niedersachsen das Handtuch geworfen – den beiden mit Abstand größten deutschen Milcherzeugerländern.

In Bayern stiegen 2,1 Prozent bzw. 554 der Betriebe aus der Milch aus – das sind die Hälfte aller deutschen Milchbauern die in diesem Jahr überhaupt aufgegeben haben. Übrig sind in Bayern jetzt noch 26.345 Milchviehbetriebe – dass sind beinahe die Hälfte aller deutschen Milchbauern – und sie erzeugen etwa 28 Prozent der Milch in Deutschland.

In Niedersachsen machten 178 Milcherzeuger nicht weiter – das waren ebenfalls 2,1 Prozent der dortigen Betriebe. Im zweitgrößten Milcherzeugerland verbleiben damit noch knapp 8.500 Milchviehhöfe – diese erzeugen aber 21 Prozent der gesamten Milch.

Hintergrund ist: In Bayern sind die Betriebe deutlich kleiner als im Norden oder im Osten – Bayerische Milchbauern halten im Schnitt 42 Kühe – in Niedersachsen stehen mit 96 mehr als doppelt so viele Tiere im Stall, in Schleswig- Holstein sind es 103 Kühe und in Mecklenburg-Vorpommern betreut ein Milchviehbetrieb im Schnitt 233 Kühe.

Corona hat die Krise verschärft – zweiter Lockdown hat negative Folgen

ife-rohstoffwert.

Durch die Corona-Krise sind auch die Milchbauern zusätzlich unter wirtschaftlichen Druck geraten: Die Milchpreise waren durch das Wegbrechen des Restaurant- und Großhandelsabsatzes bis auf 31 Cent je kg im Juni gefallen. Den Absatzverlust konnte offenbar auch die deutlich bessere Nachfrage aus dem LEH nicht ausgleichen. Bis Oktober sind die Milchpreise dann aber wieder ganz langsam auf 33 bis 34 Cent gestiegen.

Für die nächsten Monate sieht es aber nicht nach einem weiteren Anstieg aus – und damit auch nicht nach einer Verbesserung der Wirtschaftlichen Lage der Milchbauern. Allenfalls eine Seitwärtsbewegung der Preise ist für die nächsten Monat zu erkennen.Der letzte Rohstoffindex des Ife-Instituts ergab für den November eine Milchverwertung von 31,6 Cent und die Börsenrohstoffwerte der Milch zeigen für die kommenden Monate keine wesentlich besseren Preise.

Im Gegenteil: Der zweite Lockdown könnte durchaus noch negative Folgen für den Markt und die Preise haben. Denn die Restaurants und Großabnehmern sind erneut von den Restriktionen betroffen. Auch der Handel zwischen den Ländern könnte durch den starken Beschränkungen und Auflagen erneut ins Stocken geraten.

Hinzu kommen die stark gestiegenen Futterkosten – sowie die direkten und indirekten Belastung durch die im nächsten Jahr geltende CO2-Steuer – Das alles hört sich nicht gerade nach einem Konjunkturprogramm für Milchbauern an.

Etwas weniger Milchkühe – aber steigende Milch-Leistung

Milchkuhbestand.

Nur begrenzten Einfluss hat das Ausscheiden von Milchbauern aus der Produktion zuletzt auf die Zahl der Milchkühe gehabt. Der Grund: Während vor allem kleine Betriebe aufhören (müssen), investieren andere und bauen trotz der extrem schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen neue Ställe.

So ist die Anzahl der Milchkühe von Mai bis November gerade einmal um 48.000 Tausend oder 1,2 Prozent zurückgegangen. Im Vergleich zum vorigen November haben die deutschen Bauern 90.000 oder 2,2 Prozent weniger Kühe gehalten. Dieser Rückgang ist wohl auch den weiter steigenden Milchleistungen geschuldet.

Auch längerfristig gesehen ist die Anzahl der Milchkühe – im Vergleich zu den Milchbauern – in Deutschland nur moderat zurückgegangen. Zwischenzeitlich nahm die Zahl der Kühe sogar wieder zu (2012 bis 2014) – trotz steigender Milchleistungen und eines stetigen Rückgangs der Milchbauern.

Die aktuelle Kuhzahl ist 360.000 Tiere kleiner als vor 5 Jahren als zwischenzeitlich 4,3 Millionen Kühe in den Ställen standen – und etwa 260.000 Tiere kleiner als vor 10 Jahren – als knapp 4,2 Millionen Kühe gehalten wurden. Im November 2020 wurden in deutschen Ställen noch 3,92 Millionen Milchkühe gezählt.

Die meisten Kühe stehen in Bayern nämlich 1,1 Millionen bzw. 28 Prozent des Bestandes. In Niedersachsen wurden 814.000 Kühe gezählt  – das sind 21 Prozent aller Kühe. In Nordrhein-Westfalen  – der Nummer drei der deutschen Milcherzeugerländer – halten die Bauern noch 393.000 Kühe.

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