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10. Berliner Milchforum

Milchforum: Nachhaltigkeit als Sektorstrategie

Milch
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Dr.Olaf Zinke, agrarheute
am
22.03.2019

Heiß diskutiert wurde auf dem Berliner Milchforum der Themenkomplex Sektor-Strategie und Branchenorganisation.

Peter Stahl, Vorsitzender des Milchindustrieverbandes (MIV) und Vorstandsvorsitzender der Hochland Milch, analysierte auf dem Milchforum die Probleme, die bei der Etablierung einer Sektor-Strategie in Deutschland bestehen.

„Die Interessen von Molkereien und Milcherzeugern hinsichtlich der Zukunftsstrategien liegen nicht so weit auseinander, wie von einigen Seiten häufig suggeriert wird“, sagt Stahl. Als Grundlage einer Sektor-Strategie benötigt die deutsche Milchwirtschaft nach Meinung des Hochland-Chefs ein zentrales Thema, an dem sich die beteiligten Akteure orientieren und ausrichten können.

In Irland seien dies beispielsweise die Weidehaltung und die Produktion von Weidemilch. In Deutschland ist es nach Einschätzung von Stahl ungleich schwerer, ein von Flensburg bis nach Bayern verbindendes Thema zu finden. Dieses müsste sowohl für Molkereien und Landwirte als auch für die Verbraucher relevant sein, sagte der Hochland-Chef weiter.

Nachhaltigkeit ist die Basis

„Eine Strategie für einen ganzen Sektor über verschiedene Stufen zu entwickeln, ist kein einfaches Unterfangen“, betont Peter Stahl. Bereits jetzt zeige sich, dass Alles-oder-Nichts-Forderungen nicht förderlich seien. Das verbindende Element für die Strategie der deutschen Milchwirtschaft könnte nach Stahls Auffassung das Thema Nachhaltigkeit sein.

Dafür hat die Molkereiwirtschaft in Zusammenarbeit mit dem Thünen-Institut und anderen BranchenOrganisationen ein Nachhaltigkeitsmodul entwickelt. Dieses hatte der MIV-Vorsitzende im Januar auf einer Pressekonferenz vorgestellt. Das Modul brauche die Resonanz von Landwirten und Molkereien, sagte Stahl weiter. Besonders wichtig sei dabei die Frage nach Kosten und Aufwand. Zudem seien die Bedingungen und Voraussetzungen in den verschiedenen Regionen sehr unterschiedlich.

Gesellschaft lehnt Anbindehaltung ab

Stahl nannte als Beispiel für die regionalen Unterschiede die Frage der ganzjährigen Anbindehaltung im Süden Deutschlands. Hierfür gibt es nach Einschätzung des MIV-Vorsitzenden keinen gesellschaftlichen Konsens mehr. Es mache deshalb wenig Sinn, weiter für den Erhalt der Anbindehaltung zu kämpfen.

Nach Stahls Einschätzung wandelN sich die Gesellschaft und mit ihr die Anforderungen an Tierhaltung und Landwirtschaft. Der Handel setzt nach seiner Einschätzung vor allem auf die Themen, die für die Verbraucher relevant sind. Molkereien und Landwirte müssten sich diesen Anforderungen stellen. Und das tun sie nach Meinung von Stahl mit der Erarbeitung der Sektor-Strategie auch.

Tempo ist gar nicht so schlecht

Die Kritik aus der Politik, der Fortschritt bei der Erarbeitung der Sektor-Strategie sei zu langsam, wies Stahl zurück. Seit man 2018 mit der Erarbeitung begonnen habe, sei man schon ziemlich weit gekommen. Das Tempo sei gar nicht so schlecht, wenn man bedenke, dass die Molkereiwirtschaft schon 7 Jahre auf die Überarbeitung der Milch-Güteverordnung warte und deshalb Wettbewerbsnachteile und zusätzliche Kosten habe, meinte Stahl.

Auch die pauschale Forderung, die Branche „krisenfest“ zu machen, hinterfragte Stahl kritisch. In einer sozialen Marktwirtschaft schwankten nun mal die Preise, das sei der Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage. Auch in Zukunft werde sich dieser Prozess nicht ändern.

Keine Festschreibung von Menge und Preis

Gegenstand der Sektor-Strategie sind auch die Vertragsbeziehungen zwischen Milcherzeugern und Molkereien. „Es gibt bereits heute eine Vielzahl an verschiedenen Verträgen zwischen Molkerei und Milcherzeuger. Und wenn beide Seiten eine Mengenbegrenzung festschreiben möchten, so sollen sie dies auch gerne tun“, führte Peter Stahl aus.

„Eine verpflichtende Einführung von Vertragsbestandteilen wie Menge und Preis scheint jedoch nicht geeignet, die internationalen Rohstoffmärkte auszuhebeln. Ich tue mich daher schwer damit, einem solchen Feldversuch zuzustimmen, da ich nicht glaube, dass das funktionieren wird“, stellt der Vorsitzende abschließend fest.

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