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Direktvermarktung

Milchtankstellen: Landwirte berichten aus der Praxis

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Anke Fritz, agrarheute
am
16.08.2016

Was bringt ein Milchautomat dem Landwirt? Zwei Landwirte berichten über ihren Einstieg in die Direktvermarktung.

Welche Chancen haben Rohmilch-Automaten im Kampf gegen die Milchkrise? An Landwirt Dirk Reichelts Tankstelle fließt frische Milch. Im April hat seine Agrargenossenschaft Kamsdorf in der Nähe von Saalfeld (Thüringen) eine Milchtankstelle eröffnet. "Unsere Erwartungen wurden mehr als übertroffen", berichtet der 42-Jährige, gegenüber der dpa. "Am Wochenende verkaufen wir mitunter mehr als 200 Liter an einem Tag. Für dasselbe Geld müssten wir 1.000 Liter Milch an die Molkerei liefern."

Direktvermarktung sind enge Grenzen gesetzt

Eine Nische ist der Direktverkauf auch für Reichelts Betrieb. Dort geben rund 1.400 Kühe jährlich etwa 13 Millionen Liter Milch. Zudem sind der Direktvermarktung aus hygienischen Gründen enge Grenzen gesetzt, weil Rohmilch das Risiko von Krankheitserregern birgt.

Am Automat warnt ein Schild: "Rohmilch vor dem Verzehr abkochen". Um dennoch mehr Milch unmittelbar an die Kunden zu bringen, wollte Reichelt den Automat ursprünglich an einer nahegelegenen Bäckerei an der Bundesstraße 281 aufstellen.

Doch Rohmilch darf laut Gesetz nur im Erzeugerbetrieb abgegeben werden. Der Landwirt kann das nicht verstehen: "Wenn ich gewährleisten kann, dass die Kühlkette nicht unterbrochen wird, warum kann ich dann nicht auch außerhalb meines Betriebes eine Milchtankstelle einrichten?", fragt er.

Bauernverband möchte Regeln gelockert haben

Das Problem wird auch im Bauernverband diskutiert, ist aber noch nicht abschließend bewertet, wie Udo Folgart, Vorsitzender des Fachausschusses Milch beim Deutschen Bauernverband berichtet.

Aus seiner Sicht wäre es wünschenswert, wenn die bisherigen Regelungen gelockert würden. Gerade in Ballungsräumen ergäben sich so für Bauern bessere Chancen der Direktvermarktung - zumindest wenn es technisch und logistisch möglich ist, die Frische und hygienische Unbedenklichkeit zu garantieren.

Milch selbst pasteurisieren?

So will Risto Vending im Herbst einen "Pasteur" vorstellen. Damit können Bauern ihre Milch selbst pasteurisieren - also gegen Keime schützen - und dann außerhalb ihres Hofes verkaufen. Auf diesen Weg setzt auch die Firma Milch-Concept aus Bayern. "Die Milch muss dahin, wo die Kunden sind", sagt Geschäftsführer Peter Fograscher - etwa direkt vor Supermärkte.

Landwirte könnten Automaten dann dort selbst aufstellen oder Supermärkte Automaten an Landwirte verpachten. "Das ist die einzige Lösung, mit Milch-Direktvermarktung wirklich Geld zu verdienen." Der Bauernverband ist da skeptisch: Die Milch selbst zu pasteurisieren, bedeute zusätzlichen Aufwand, betont Folgart. Auch die Investitionskosten seien um ein Vielfaches höher.

Milchtankstellen: Einstieg in die Direktvermarktung

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