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Rheinland-Pfalz

Milchviehbetrieb Birkenhof meldet Insolvenz an

Milchkühe vom Birkenhof in Endlichhofen
am Donnerstag, 06.01.2022 - 10:52 (Jetzt kommentieren)

Im rheinland-pfälzischen Endlichhofen hat der Milchviehbetrieb Birkenhof beim Amtsgericht Koblenz Insolvenz beantragt. Nachdem der Betrieb mit seiner Bank und dem Einzelhandel in Schwierigkeiten geraten war, musste er im Dezember die Milchproduktion drosseln und den eigenen Molkereibetrieb ganz einstellen. Mittlerweile ist die Produktion wieder angelaufen.

Am 30. Dezember 2021 gab das Amtsgericht Koblenz dem Insolvenzantrag des Betriebsleiters und Agrarwissenschaftlers Dr. Thorsten Zellmann statt. Noch am selben Tag verschaffte sich der Insolvenzverwalter auf dem Birkenhof einen Überblick und stimmte einer Wiederaufnahme des Betriebs zu. Der Birkenhof mit seiner eigenen Molkerei nahm die Produktion sofort wieder auf und arbeitet jetzt an einem Zukunftskonzept.

Dem ging in den letzten Monaten eine Reihe von Gesprächen mit der Einzelhandelsniederlassung Rewe West und der Hausbank des Betriebs voran, erklärt Zellmann gegenüber agrarheute. Trotzdem befand sich der Betrieb Anfang Dezember in einer existenzbedrohenden Lage, was zu einer vierwöchigen Drosselung der Milchproduktion führte. Der Molkereibetrieb musste für eine Woche eingestellt werden. In der aktuellen Phase des vorläufigen Insolvenzverfahrens ist es laut Zellmann noch notwendig, einen zukunftsfähigen Plan zu erarbeiten. Aus den ersten Gesprächen mit Rewe gebe es positive Signale.  

Nur ein Bruchteil der Milchmenge wurde vom Einzelhandel abgenommen

Karton der Birkenhof-Milch

Nach Angaben von Zellmann gab es von Rewe eine Mengenplanung, die eine Abnahmemenge von mehreren Tausend Litern Milch pro Woche in Aussicht stellte. Zellmanns Hausbank habe die Kreditfähigkeit bewilligt. Jedoch belief sich die tatsächliche Abnahmemenge durchschnittlich nur auf etwa 20 Prozent der angestrebten Menge, berichtet der Betriebsleiter. Die Molkerei war dadurch zu groß gebaut und zu teuer. Andere Absatzwege ließen sich mit dem hofeigenen Vermarktungskonzept nicht in Einklang bringen. Durch die eigene Vermarktung galt der Birkenhof lange als Vorzeigebeispiel in der Region, heißt es beim SWR.

Am zweiten Adventswochenende seien von der Bank alle Betriebskonten gesperrt worden, was zu der faktischen Stilllegung des Hofs geführt habe. Mit der Hausbank sei eine gütliche Einigung getroffen worden. Als kurz vor Weihnachten die jährliche Direktzahlung aber an den Gläubiger – also die Hausbank – ausgezahlt wurde, war die Insolvenzanmeldung nicht mehr zu umgehen, erklärt Zellmann. Bei der Einbehaltung des Betrags ließ die Bank nämlich nicht mit sich reden. „Dass ich deshalb auf einmal zahlungsunfähig werde, hätte ich nicht für möglich gehalten“, äußert Zellmann gegenüber agrarheute.

Überwältigende Unterstützung von Menschen aus der Region

Noch Ende Dezember fanden zwischen Zellmann und Rewe erste Gespräche zur Entwicklung eines Plans für den Birkenhof statt. Das bestätigten sowohl der Betriebsleiter als auch Rewe. Eine Stellungnahme zum Verlauf der Zusammenarbeit, die vor der Insolvenzanmeldung stattgefunden hat, wollte Rewe nach Aufnahme der Gespräche noch nicht abgeben. Können sich beide Parteien auf eine wirtschaftliche Lösung einigen, wird der Plan der Bank vorgelegt. Zellmann glaubt fest an eine Lösung.

Auf seine regelmäßigen Facebook-Updates, in denen Zellmann der Öffentlichkeit seine Situation nahebringt, erhielt er bereits viel Zuspruch und zahlreiche Hilfsangebote. „Die große Solidarität in unserem Umfeld treibt uns jetzt noch die Tränen in die Augen“, erzählt Zellmann von sich und seiner Familie. Das habe zum neuen Jahr viel Kraft gespendet.

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