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Studie über Lieferbeziehungen

Molkereien bieten Milcherzeugern häufiger Festpreise an

Tankwagen auf einem Milchviehbetrieb
am Freitag, 22.01.2021 - 12:25 (Jetzt kommentieren)

Eine Studie des ife Instituts für Ernährungswirtschaft ergab, dass Molkereien in den letzten zwei Jahren ihren Lieferanten häufiger feste Preis- und Mengenvereinbarungen angeboten haben. Die Lieferbeziehungen haben sich „weiter deutlich verändert“.

Die Ergebnisse aus der aktuellen Studie wurden auf Initiative des Milchindustrie-Verbandes (MIV) mit der Erhebung aus 2018 verglichen. Damals hatte das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) die Studie beim ife Institut in Auftrag gegeben.

An der Abfrage beteiligten sich diesmal insgesamt 49 Molkereien. Es konnten Anteile von 52 Prozent der Molkereien, 79 Prozent der Milchmenge und 56 Prozent der Milchlieferbeziehungen in Deutschland erfasst werden. Damit ist das Studienergebnis repräsentativ, auch wenn kleinere Privatmolkereien in der Stichprobe nur schwach vertreten waren.

Die 49 Molkereien wurden durchschnittlich von 693 Milcherzeugern beliefert. So konnte das ife Institut Ende 2020 in seiner Studie 33.800 Lieferbeziehungen betrachten.

Die Hälfte der Lieferverträge hat eine kurze Laufzeit

Bei der Analyse der Lieferbeziehungen wurden zunächst die Anteile von Zwei- und Mehrpreismodellen sowie von Festpreismodellen erfasst. 5,8 Prozent der Lieferbeziehungen bestanden aus einem Zwei- oder Mehrpreismodell. Im Gegensatz zu 2018 gab es bei diesem Modell, das von Preisdifferenzierungen und Mengenbegrenzungen gekennzeichnet ist, einen Anstieg von 1,3 Prozentpunkten.

Zu 42,4 Prozent lag den Lieferbeziehungen – auf freiwilliger Basis – ein Festpreismodell zugrunde. Hier sind die Preise für eine begrenzte Milchmenge fest. Im Vergleich zu 2018 haben Festpreismodelle um 38,7 Prozentpunkte zugenommen.

Die flexiblen Lieferverträge mit kurzfristigen Laufzeiten haben sich in den letzten zwei Jahren um 1,4 Prozentpunkte verringert.

Landwirte wünschen sich Planungssicherheit

Dass die flexibleren Lieferverträge prozentual etwas zurückgegangen sind, erklärt das ife Institut damit, dass Landwirte die Unsicherheit über die Abnahme ihrer Rohmilch von den Molkereien vermeiden wollen.

In Anbetracht dessen planen die Molkereien keine geringeren Laufzeiten von Lieferverträgen – aus den Studienergebnissen ist kein Bedarf an mehr Möglichkeiten, die Molkerei zu wechseln, erkennbar. Darüber hinaus sei kein Rückgang von Landwirten zu erwarten, die ihre Milch an Genossenschaftsmolkereien liefern. 

Zwei- und Mehrpreismodelle können entweder kurzfristig oder dauerhaft angeboten werden. Aus den Studienergebnissen geht hervor, dass die kurzfristigen Modelle, die in Krisenzeiten die Liefermengen vorübergehend reduzieren, verbreiteter sind als dauerhafte Zweipreissysteme. Das ife erklärt dies mit geringeren Mengeneinschränkungen für die Landwirte bei den kurzfristigen Modellen.

Dauermodelle bieten lediglich zwei der befragten Molkereien an. Wenn die vorgegebene Milchmenge oder die Mengenwachstumsrate überschritten wird, verringert sich beim Dauermodell der Preis. 

Festpreismodelle weiter im Trend

Im Rahmen der Studie wurden die Molkereien zu ihren Planungen für das Jahr 2021 befragt: Zu erwarten ist, dass sich das Angebot an Festpreismodellen noch erweitern wird. Einerseits ist die Bereitschaft der Milcherzeuger, sich auf ein Festpreismodell einzulassen, von der Risikoeinstellung und vom jeweiligen Preisniveau abhängig. Andererseits gibt es bei den Festpreismodellen immer mehr Möglichkeiten, die künftigen Milchpreise abzusichern.

Das ife Institut erläutert, dass sich bei einem Festmodell das Risiko künftiger Preisfestlegungen auf mehrere Marktteilnehmer verteilt. Während der Vertragslaufzeit haben Landwirte außerdem Planungssicherheit und Gelegenheit, sich über künftige Preisentwicklungen zu informieren.

Für ein höheres Preisniveau sorgen Festpreismodelle aber in der Regel nicht.  

Molkereien planen weitere Anpassungen

Eckhard Heuser

Darüber hinaus sollten die Molkereien ihre Einschätzung über weitere Veränderungen bei den Milchliefermodellen abgeben. Dabei erreichte die Aussage „Für Teilmengen können wir uns neue Lieferantenmodelle vorstellen“ die größte Zustimmungsrate – viele Molkereien können sich vorstellen, künftig neue Liefermodelle anzubieten.

Der Aussage „Größere Milcherzeuger fordern Festpreismodelle mit festen Preisen“ stimmten die Molkereien dagegen kaum zu.

Abzuwarten bleibt, ob die Veränderungen in den Lieferbeziehungen ausreichen werden, um einen Einfluss des Gesetzgebers auf die Vertragsfreiheit zu vermeiden. In Vorschriften vom Staat sieht Eckhard Heuser, Hauptgeschäftsführer des MIV, keine Lösung: „Wir glauben aber nicht, dass der Staat durch andere gesetzliche Regelungen zu den Lieferbeziehungen Einkommensverbesserungen auf den Höfen erreichen wird“, so Heuser.

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