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Pacht

NABU, BMU und BfN wollen Pachtverträge mitgestalten

Felder zur Pacht
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Julia Eder, agrarheute
am
07.03.2018

Mit Musterverträgen und Beratung wollen Naturschützer erreichen, dass mehr Agrarfläche für den Erhalt der Artenvielfalt genutzt wird.

Rund 60 Prozent der Agrarfläche in Deutschland wird von Grundbesitzern zur Bewirtschaftung an Landwirte verpachtet. Und an diese Eigentümer richtet sich ein gemeinsames Projekt von NABU, Bundesamt für Naturschutz (BfN) und dem Bundesumweltministerium (BMU).

NABU entwirft Musterpachtverträge

"Fairpachten" heißt das Projekt der NABU-Stiftung "Nationales Naturerbe". Damit will der Verein die Verpachtenden dazu bringen, durch die Pachtvertragsgestaltung die Biodiversität ihrer Flächen zu erhalten und im besten Fall sogar zu erhöhen. Möglich werden soll dies etwa durch einen geplanten Vertragsbaukasten mit verschiedenen Modulen und Musterverträgen, in denen eine naturverträgliche Bewirtschaftung auf den verpachteten Flächen festgeschrieben wird. Der Hintergrund: Laut Bundesamt für Naturschutz (BfN) ist der Rückgang der biologischen Vielfalt insbesondere in den Agrarlandschaften noch nicht gestoppt. Im "Agrar-Report 2017" des BfN heißt es: "Von allen regelmäßig bewerteten Lebensraumbereichen ist die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft am stärksten rückläufig."

Fast 1 Mio. Euro vom Umweltministerium

Eine kräftige Finanzspritze von 935.000 Euro kommt vom Bundesumweltministerium (BMU). Die verpachtete Agrarfläche sieht das BMU nicht etwa als Lebensgrundlage für einen Großteil der Landwirte oder wichtige Ressource für die Lebensmittelproduktion. Vielmehr wird Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks in der Pressemitteilung, in der das Programnm vorgestellt wird, so zitiert: „Dieses bislang kaum genutzte Flächenpotenzial wird durch das Projekt ‚Fairpachten‘ jetzt für den Naturschutz erschlossen."

Vertraglich festgelegte Wirtschaftsweise

Vertraglich vereinbart werden könnten etwa eine umweltschonende, ökologische Bewirtschaftung ohne Pflanzenschutzmittel, das Anlegen von Ackerrandstreifen oder eine extensive Grünlandnutzung, bei der beispielsweise vergleichsweise wenige Tiere auf großer Fläche weiden. Das schlägt das BMU in seiner Presseinformation vor. Zudem soll langfristig ein Beratungsnetzwerk etabliert werden, das allen Interessenten unter den Grundbesitzern bundesweit zur Verfügung steht. Die Beratung kommt nicht von landwirtschaftlicher Seite, sondern vom BfN.

agrarheute hat bei NABU-Stiftung angefragt, wieso oder für wen die Pachtverträge fairer sein sollen als die üblichen. Wir werden berichten, sobald uns die Antwort vorliegt.

Rukwied: Ökonomische Seite wird ignoriert

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, kritisiert die vom Bundesumweltministerium geforderten Veränderungen bei landwirtschaftlichen Pachtverträgen. Das Ansinnen von Ministerin Hendricks, Vorgaben für die Vertragsbeziehungen zwischen Grundeigentümern und Pächtern zu machen, sei für den Bauernverband nicht nachvollziehbar. "In landwirtschaftlichen Pachtverträgen darf keine Unwucht durch einseitige ökologische Zusatzanforderungen entstehen, die die ökonomische Seite ignorieren", so Rukwied. Grundlage von Pachtverträgen müsse auch weiterhin der geltende Rechtsrahmen sein. Pachtverträge seien nicht als zweites Ordnungsrecht geeignet.

"Geringschätzung der ökologischen Leistungen der deutschen Landwirte"

Im Rahmen der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik (GAP) erfüllen die Landwirte laut Rukwied bereits vielfältige ökologische Leistungen. Dazu zählen u.a. der Erhalt von Dauergrünland und die so genannten Greening-Auflagen. Die Landwirte, als Pächter, sind bereits zur ordnungsgemäßen Bewirtschaftung der Flächen nach guter fachlicher Praxis und den gesetzlichen Vorgaben gegenüber ihren Verpächtern verpflichtet. Im Rahmen freiwilliger Agrarumweltmaßnahmen und des Vertragsnaturschutzes erbringen sie mit vielfältigen ökologischen Leistungen ihren Beitrag zur Erhaltung der biologischen Vielfalt. "Dieser Vorstoß ist erneut ein Ausdruck von Geringschätzung der ökologischen Leistungen der deutschen Landwirte", kritisiert Präsident Rukwied.

Mit Material von BMU, DBV

Neupachtungen: Diese Preise zahlen Landwirte im Durchschnitt

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