Zum Adventsgewinnspiel

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Nebenerwerb in Europa

Das sind die Nebeneinkünfte der europäischen Bauern. Die Fakten.

Feld.
am Freitag, 18.06.2021 - 10:51 (1 Kommentar)

In Deutschland sind immer mehr Bauern auf Nebenerwerb angewiesen. Das ist auch in anderen Ländern so. Doch es gibt große Unterschiede.

betriebsgröße.

Der Anteil der Bauern, die auf Nebenerwerb angewiesen sind, damit ihr Betrieb überlebt, nimmt zu. Das gilt für Deutschland ebenso wie für andere Länder der EU. Das überraschende ist: Nur in einem EU-Land ist der Anteil der Betriebe, die nur mit Hilfe von Nebeneinkünften über die Runden kommen, höher als in Deutschland.

Noch überraschender ist: In den Ländern, in denen die Landwirtschaft am produktivsten und technologisch am weitesten entwickelt ist,  ist auch der Anteil der Betriebe mit Nebeneinkünften am höchsten – viel höher als etwa in Ost- oder Südeuropa. Das mag zwei Gründe haben: Zum einen sind die Kosten und sonstigen Auflagen in den produktiven Ländern ebenfalls am höchsten – das heißt, die hohen landwirtschaftlichen Einnahmen werden durch die noch höheren Kosten wieder aufgefressen.

Hinzu kommt: In den weiter entwickelten Volkswirtschaften bestehen offenbar auch mehr Möglichkeiten, überhaupt Nebeneinkünfte zu erwirtschaften und die erzeugten Produkte und Dienstleistungen dann am Markt zu verkaufen. In etlichen osteuropäischen Ländern sind die Betriebe zwar deutlich kleiner – dennoch ist der Anteil der Bauern mit Nebeneinkünften weitaus geringer als in Deutschland – das gilt für Polen ebenso wie für Rumänien.

Leider sind die von der EU ausgewerteten Daten bereits einige Jahre alt. Das ändert jedoch nichts an den grundlegenden Aussagen, wie die Daten der aktuellen Landwirtschaftszählung für Deutschland bestätigen.

Dänemark und Deutschland mit dem höchsten Nebeneinkommen

Produktionswert.

Nun aber ein Blick auf die Zahlen: Das Land, in dem es die meisten Betrieben mit Nebeneinkünften gibt – ist Dänemark! Rund 61 Prozent aller Bauern bzw. Landwirtschaftsbetriebe, erwirtschaften zumindest einen Teil ihrer Einkünfte durch nichtlandwirtschaftliche Tätigkeiten. An diese sehr hohe Quote kommt kein anderes EU-Land heran.

In Dänemark kommt dabei der mit Abstand größte Batzen der Zusatzeinkünfte aus der Forst bzw. aus dem Wald – nämlich etwa 40 Prozent. Da denkt man doch gleich an seine Nordmanntanne zu Weihnachten. Zweitwichtigste nichtlandwirtschaftliche Einnahme-Quelle für dänische Bauern sind vertragliche Arbeiten für andere Landwirte oder für Kommunen.

In Deutschland liegt der Anteil der Betriebe, die zusätzliche nichtlandwirtschaftliche Nebeneinkommen erzielen, nach den Berechnungen der EU-Statistiker zum damaligen Zeitpunkt – bei 33 Prozent – und damit nicht ganz so hoch wie in Dänemark. Doch das reicht dicke für den zweiten Platz im EU-Ranking.

Als wichtigste zusätzliche Einnahmequelle geben die deutschen Bauern – etwa 50 Prozent der Betriebe mit Nebeneinnahmen – die erneuerbaren Energien an. So hoch ist das Gewicht der Erneuerbaren in keinem anderen Land. In Italien erwirtschaften immerhin knapp ein Viertel der Bauern ihr Zusatzeieinkommen über Erneuerbare und im Vereinigten Königreich sind es ähnlich viel.

Zweitwichtigste nichtlandwirtschaftliche Einnahmequelle für die deutschen Bauern sind der Bauernwald und Forstarbeiten. Auf Platz drei folgen dann vertragliche Arbeiten für andere Betriebe oder Kommunen.

In Osteuropa haben die Bauern fast keine Nebeneinkünfte

Nebenerwerb.

Auf Platz drei und vier im Ranking mit den höchsten nichtlandwirtschaftlichen Nebeneinkünften liegen die Bauern aus den Niederlanden – und die aus der EU ausgeschiedenen Kollegen aus dem Vereinigten Königreich. In diesen Ländern liegt der Anteil der Betriebe mit zusätzlichen nichtlandwirtschaftlichen Einkünften bei 26 bzw. 24 Prozent.

Für die niederländischen Bauern sind die größten Brocken bei den Nebeneinkünften: Arbeiten für andere Betriebe, der Fremdenverkehr – und erneuerbare Energien. Im Vereinigten Königreich ist die Reihenfolge der Nebeneinkünfte exakt die Gleiche wie bei den Niederländern.

Die nächste Gruppe, mit einem ähnlich hohen Anteil der Bauern mit nichtlandwirtschaftlichen Nebeneinkünften, sind Spanien und Belgien – mit jeweils etwa 15 Prozent der Betriebe. Aus Frankreich und Italien melden gerade einmal rund 10 Prozent aller Betriebe nichtlandwirtschaftliche Nebeneinkünfte – möglicherweise auch, weil es dort für Bauern aus verschiedenen Gründen schwieriger ist, überhaupt nichtlandwirtschaftliche Nebeneinkünfte zu erwirtschaften.

Das dürfte dann auch für einige osteuropäische Agrar-Länder wie Polen und Rumänien gelten. Dort melden gerade einmal jeweils 3 Prozent aller Betriebe nichtlandwirtschaftliche Einnahmen. In Rumänien sind das fast ausschließlich Arbeiten für andere Betriebe. In Polen steht die Einnahmen aus dem Fremdenverkehr an erster Stelle – mit deutlichem Abstand gefolgt von Arbeiten für andere Betriebe.

In Europa sind andere Sachen wichtig als in Deutschland

Nebeneinkommen.

Zum Schluss noch ein Blick auf die Bedeutung bzw. den Stellenwert der unterschiedlichen nichtlandwirtschaftlichen Einnahmequellen für die Bauern. Wie schon gesagt: In Deutschland sind mit großem Abstand und einem Anteil von 50 Prozent die erneuerbaren Energien am wichtigsten – und dann der Bauernwald.

Im Schnitt der EU ergibt sich jedoch ein völlig anderes Bild – mit einigen deutlichen Ausreißern. Die wichtigste nichtlandwirtschaftliche Einnahmequelle im europäischen Vergleich ist nämlich: Die eigene Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse – daraus beziehen fast 28 Prozent der europäischen Betriebe ein Zusatzeinkommen. In Deutschland machen das nur 15 Prozent der Bauern.

Auf Position zwei der zusätzlichen Einnahmequellen liegen die vertraglichen Arbeiten für andere Betriebe. Erst auf Platz drei rangieren in Europa die Zusatzeinahmen aus dem Wald.

Zusatzeinkünfte aus erneuerbaren Energien spielen in den meisten EU-Ländern – anders als in Deutschland – hingegen nur eine untergeordnete Rolle. Mit Erneuerbaren erwirtschaften lediglich 14 Prozent der europäischen Betriebe ihre Zusatzeinkünfte. Eine ähnliche wirtschaftliche Bedeutung haben die Einkünfte aus dem Fremdenverkehr.  

Kommentar

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...