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Strukturwandel

Niederlande: Jeder dritte Milchbauer wird aussteigen

Kuhherde auf der Weide in den Niederlanden
am Montag, 03.08.2020 - 15:15 (Jetzt kommentieren)

Bis 2030 könnte die Zahl der Milchviehbetriebe in den Niederlanden von 15.000 auf 10.000 sinken. Diese und weitere strukturelle Veränderungen sagt der niederländische Molkereikonzern FrieslandCampina voraus.

Eine geringere Abnahme prognostiziert FrieslandCampina in der Zeitung Het Financieele Dagblad für den Tierbestand. So werde die Anzahl der Milchkühe in den nächsten zehn Jahren um 10 Prozent zurückgehen. Nicht verringern solle sich dagegen die nationale Milchproduktion, hier werde ein gleichbleibendes Niveau erwartet.

Höhere Produktivität bei der Milcherzeugung als Konsequenz

Damit die verbleibenden niederländischen Milchviehhalter die im Land produzierte Milchmenge halten können, ist eine höhere Intensität in der Milcherzeugung notwendig. Frans Keurentjes, Vorstandsvorsitzender von FrieslandCampina, teilt mit, dass in den Niederlanden bereits 18.000 kg Milch pro Hektar erreicht werden – dies sei in Europa die Spitzenposition.

Doch nicht nur bei der Milchmenge, sondern auch bei der Arbeit der Landwirte könne sich die Intensität wesentlich erhöhen. Die Prognose des niederländischen Molkereikonzerns zeichnet ein Bild, das laut Keurentjes politisch und sozial bedenklich ist.

Hein Schumacher, Geschäftsführer von FrieslandCampina, hält es trotz intensiverer Produktion für möglich, dass künftig weniger Umweltbelastungen auf die Milcherzeugung zurückgehen werden. Dazu könnten beispielsweise eine bessere Futtermittelverwertung oder die Nutzung erneuerbarer Energien beitragen.

Den Ausstieg vollzieht die nachfolgende Generation

Ausschlaggebend für den drastischen Rückgang von Milchviehhaltern seien

  • die Überalterung der Betriebsleiter
  • eine ausbleibende Hofnachfolge
  • schlechte Zukunftsaussichten im Vergleich zu anderen Branchen
  • ein verhältnismäßig niedriges Einkommen – dafür aber
  • ein hoher Investitionsbedarf

Bereits jetzt liege die Betriebsaufgaberate bei 2 bis 3 Prozent im Jahr, betont Keurentjes. Das wahrscheinliche Szenario aber auch schon die aktuellen Entwicklungen machten es erforderlich, als Unternehmen auf die strukturellen Veränderungen zu reagieren.

Bessere regionale Verteilung von Milchviehbetrieben?

Nach Einschätzung des Vorstandsvorsitzenden werde sich die Milcherzeugung zunehmend auf die Regionen mit den besten Böden verlagern. Die immer größer werdende Flächenkonkurrenz verhindere ein Ausweichen auf ungünstigere Böden und erfordere stattdessen eine Steigerung der Milcherzeugung pro Hektar. Dabei würden die höheren Milchmengen nicht durch mehr Tiere, sondern durch Innovation erreicht.

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