Login
Direktzahlungen

Niedersachsen: Etliche Bauern warten noch auf Direktzahlungen

Thumbnail
Josef Koch, agrarheute
am
30.01.2019
(1 Kommentar)

Etliche Landwirte in Niedersachsen haben noch immer keine Direktzahlungen erhalten. Das Ministerium bekommt den Flächenabgleich mit anderen Ländern nicht hin. Wie stehen Sie dazu? Haben Sie auch Auszahlungsprobleme? Diskutieren Sie mit!

Invekos-Programm-ANDI

Groß war die Freude niedersächsischer Landwirte, als Agrarministerin Otte-Kinast im vergangenen Herbst angekündigt hatte, Landwirten die Direktzahlungen wegen der Dürrekatastrophe in 2018 früher auszuzahlen. Bei vielen ist das auch passiert. Schätzung zufolge haben wohl bis zu 250 Landwirte bis heute noch keinen Cent davon gesehen. Sie sind sauer. Denn sie haben nichts falsch gemacht.

Einer von den Betroffenen ist Heinrich Biermann, Landvolk-Bezirksvorsitzender aus Duderstadt. Er wartet schon rund 6 Wochen auf die Direktzahlungen. „Ich wurde Ende Dezember 2018 zwar auf Verzögerungen hingewiesen, und auf den 19. Januar vertröstet“, so Biermann. Aber bis Ende Januar hat er immer noch keine Cent Direktzahlungen erhalten. Einen neuen Termin für die Auszahlung konnte ihm die zuständige Auszahlungsstelle der Landwirtschaftskammer nicht nennen. Biermann bewirtschaftet in seiner Kommanditgesellschaft 210 ha, rund die Hälfte davon in Thüringen.

Viele Bauern haben massive Liquiditätsprobleme

„Ich habe bei Mais und Zuckerrüben wegen der Dürre im Sommer rund ein Drittel weniger geerntet. Ich brauche die Direktzahlungen dringend, um diese Ausfälle zu kompensieren“, beklagt sich der Schweinehalter. „Schließlich sind auch die Ferkelpreise im zweiten Halbjahr 2018 so niedrig gewesen, dass kein Geld übriggeblieben ist.“

Der Bezirksvorsitzende weiß von Berufskollegen, die in noch größeren Liquiditätsschwierigkeiten als er geraten sind, weil das niedersächsische Ministerium die Direktzahlungen noch nicht freigegeben hat.  

Biermann ärgert es vor allem, weil Niedersachsen 2018 das Antragsverfahren für die Direktzahlungen geändert hatte. „Wir konnten unsere Flächen in Thüringen nicht mehr wie bisher in ANDI eintragen, sondern mussten uns zusätzlich in das thüringische Programm VERA einarbeiten. Das hat viel Zeit gekostet“, so der Landwirt.

Hessen zahlt wenigstens einen Teil der Hektarprämien aus

Geldscheine

Bei Achim Hübner, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Göttingen, laufen in diesen Tagen die Telefondrähte heiß. „Viele Landwirte haben das Geld in ihrer Liquiditätsrechnung fest eingeplant, und sitzen nun auf roten Zahlen“, beklagt Hübner. Er berichtet von rund 60 Landwirten, die in seinem Kreis auf die Direktzahlungen warten. Und er weiß von Kollegen aus anderen Kreisverbänden, dass dort ebenfalls eine stattliche Anzahl von Landwirten mit Flächen in anderen Bundesländern noch auf ihre Direktzahlungen warten.

Alle bewirtschaften Flächen in anderen Bundesländern. „Teilweise mussten die Bauern mit drei unterschiedlichen Antragsprogrammen klarkommen“, so der Geschäftsführer Hübner. Er sieht hier massive Fehler in Hannover, nicht bei den regionalen Auszahlungsstellen der Kammer. Auch er wartet auf eine Antwort aus dem niedersächsischen Agrarministerium, wann denn die betroffenen Landwirte endlich die Direktzahlungen erhalten.  „Hessen hat Landwirten, die auch in Niedersachsen Flächen bewirtschaften, zumindest die Hektarprämie für die hessischen Flächen ausgezahlt“, weiß Hübner. Warum Niedersachsen nicht ähnlich wie Hessen verfährt, ist ihm ein Rätsel.

Das sagt das Ministerium dazu

Wir haben beim zuständigen Agrarministerium in Hannover nachgehakt und um eine Stellungnahme zur Nichtauszahlung der Basisprämien gebeten.

Hier die Antwort des Ministeriums:

"In Niedersachsen und Bremen wurden zum 14.12.2018 die Direktzahlungen 2018 ausgezahlt. Insgesamt gelangten rund 140.000 Anträge (von ca. 46.000 Antragsteller) auf Direktzahlungen 2018 mit einem Auszahlungsvolumen von ca. 737 Mio. Euro zur Auszahlung in der Basisprämie, Umverteilungsprämie, Greeningprämie, Junglandwirteprämie, Kleinerzeugerregelung sowie der Haushaltsdisziplinerstattung. Bei der Basisprämie wurde damit eine Auszahlungsquote von über 99 Prozent erreicht.

Rund 300 niedersächsische Betriebe mit Flächen in anderen Bundesländern haben zum 14.12.2018 keine Direktzahlungen erhalten.

Einzelne Antragsteller mit Flächen in anderen Bundesländern haben bisher keine Direktzahlungen erhalten, weil die Einpflege der Daten aus den sogenannten Belegenheitsländern zum Teil zu widersprüchlich Ergebnissen in der in Niedersachsen eingesetzten Software geführt haben und deshalb technisch nicht korrekt zur Prämienberechnung genutzt werden können.

Den Antragstellern wurde im Dezember 2018 mitgeteilt, dass eine Auszahlung der Direktzahlungen voraussichtlich ab dem 18.01.2019 möglich sein wird, sofern dann alle notwendigen Daten und Informationen für eine korrekte Berechnung der Prämien vorliegen und technisch vollständig verarbeitet werden können.

Von den ca.1.550 niedersächsischen Betrieben mit Flächen in anderen Bundesländern haben ca. 80 % eine Direktzahlung erhalten. Darunter waren auch Antragsteller, denen, wie in anderen Bundeländern, nur die reduzierte Basisprämie für die niedersächsischen Flächen gewährt wurde.

Die Datenzusammenführung muss in und von jedem Bundesland funktionieren. Die Bundesländer haben sich bei der Datenlieferung auf verschiedene Schnittstellen geeinigt, die in der zentralen InVekoS Datenbank abgelegt und bedient werden. Die letzten Abstimmungen dazu haben allerdings erst im Herbst 2018 stattgefunden.

Einige sehr komplexe Einzelfälle haben dabei auch zu nicht vorhersehbaren Problemen bei der Verarbeitung mit der in Niedersachsen eingesetzten Software geführt.

Ein großer Teil der Antragsteller, die im Dezember 2018 keine Direktzahlungen erhalten haben, haben jetzt bereits eine Auszahlung erhalten oder werden diese in den nächsten Tagen erhalten. In Einzelfällen ist jedoch noch weitere Softwareanpassung erforderlich, so dass hier eine Zahlung noch nicht angestoßen werden kann. Hier soll schnellstmöglich eine Lösung gefunden werden, um auch diesen Betrieben die Prämien umgehend anweisen zu können."

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...
Auch interessant