Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Gasversorgung und Energiekrise

Notstrom-Aggregate ausverkauft? – Landwirte sind vorbereitet

Notstromgerät.
am Mittwoch, 06.07.2022 - 12:17 (4 Kommentare)

Landwirte und Unternehmen werden aufgefordert, sich auf die Abschaltung von Strom und Gas vorzubereiten. Mit dem Kauf von Notstromaggregaten. Das forderte vorige Woche die Bundesregierung. Doch wie so oft: Es ist einfacher gesagt als getan. Viele Landwirte haben mit dem Betrieb von Notstromaggregaten indessen Erfahrung.

Vorige Woche hat die Bundesregierung empfohlen sich wegen der eskalierenden Gaskrise mit Notstromaggregaten einzudecken. Wie die "Bild"-Zeitung am Samstag unter Berufung auf eine Antwort von Wirtschaftsstaatssekretär Patrick Graichen (Grüne) an den CSU-Bundestagsabgeordneten Stephan Pilsinger berichtete, sollen die Aggregate mögliche Stromausfälle kompensieren.

„Empfehlenswert ist die Ausstattung mit Notstromaggregaten insbesondere für Betreiber von kritischer Infrastruktur", hatte Graichen mitgeteilt. Dazu gehören unter anderem Verkehrsunternehmen, Wasserwerke, der Gesundheitssektor, Telekommunikation, aber auch die Lebensmittelindustrie sowie Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienste. In der Landwirtschaft ginge ohne Strom auch fast nichts mehr. Vor allem Milcherzeuger und andere Tierhalter wären massiv von einem Stromausfall betroffen.

Grund für die Warnung ist offenbar, dass es im Krisenfall keine "Abschaltreihenfolge" gebe. Im Falle einer Mangellage bei Gas oder Strom" übernehme die Bundesnetzagentur die Funktion des Bundeslastverteilers. "Ihr obliegt dann in enger Abstimmung mit den Netzbetreibern die Verteilung von Gas oder Strom", heißt es weiter. Graichen empfiehlt demnach, dass die Notstromaggregate eine Überbrückungszeit von 72 Stunden haben sollen.

Für Privat-Leute zu teuer und unpraktisch

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sieht beim Thema Notstromaggregate hingegen wenig akuten Handlungsbedarf. Eine BDEW-Sprecherin sagte gegenüber dem BR: "Bei Unternehmen und Einrichtungen der kritischen Infrastruktur, wie Krankenhäuser sowie Trinkwasserversorger und Abwasserentsorger, sind ohnehin Notstromaggregate vorhanden."

Im Strombereich liege es zudem in der Verantwortung der Betreiber kritischer Infrastruktur, sich mit Notstromaggregaten auszustatten. Das Bundeswirtschaftsministerium „empfiehlt“ in einen Leitfaden aus dem Jahr 2019 Unternehmen, sich mit Notstromaggregaten auszustatten, die den Weiterbetrieb vitaler Infrastruktur für 72 Stunden erlaubt.

Auch Privatleuten wird empfohlen sich auf einen möglichen Stromausfall vorzubereiten. Dabei geht es jedoch so sehr um Notstromaggregate sondern um Vorräte an Lebensmitteln, batteriebetriebene Lichtquellen, Radios oder auch Campingkocher.

Eine eigene Notstromversorgung für zuhause ist nach dem Leitfaden der Katastrophenschützer zwar überlegenswert, wäre aber auch ziemlich teuer – vor allem, wenn sie auch für größere Stromverbraucher im Haushalt ausreichen soll.

In den USA waren Notstromaggregate Ende vorigen Jahres – auch wegen der boomenden Nachfrage von Privatkunden - zeitweise ausverkauft.

Landwirtschaft: Notstromaggregate und Zapfwellengenerator

Stromagreggate auf Benzin- oder Dieselbasis können beispielsweise im Baumarkt zu Preisen von einigen hundert Euro bis mehreren Tausend Euro gekauft werden. Hier geben die Katastrophenschützer jedoch zu bedenken, dass diese Geräte nur im Freien zulässig sind. Hinzu kommt, dass im eignen Keller nicht mehr als zehn Kilogramm Benzin gelagert werden dürfen.

Für Privathaushalte sind leistungsstarke Notstromaggregate deshalb weniger weniger sinnvoll. Die Standgeräte können zwar direkt in den Stromkreislauf integriert werden, allerdings sind die Anschaffungskosten relativ hoch.

In der Landwirtschaft ist der Strom nicht mehr wegzudenken. Egal ob es sich um Fütterungsanlagen handelt, oder die Lüftung, oder eben auch Melkanlagen – alle diese Maschinen funktionieren nicht ohne Strom. Neben den üblichen stationären Stromaggregaten empfehlen Spezialisten – wie das Onlineportal Notstromaggregat – auch die Verwendung von Zapfwellengeneratoren. Allerdings hat ein Notstromaggregat auch den Vorteil einer automatischen Umschaltung. Hier startet das Gerät im Falle eines Stromausfalles automatisch.

Das Zapfwellenaggregat wird indessen über die Zapfwelle des Traktors betrieben. Dabei muss die Traktorleistung beachtet werden, da je nach Traktorleistung unterschiedlich große Aggregate betrieben werden können. Für ein 40 kVA Zapfwellenaggregat benötigt man zum Beispiel einen Traktor mit mindestens 100 PS Leistung.

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...