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Ökolandbau in Bayern: LVÖ vermisst schlüssiges Konzept

Ein Hofladen mit vielen frischen Bio-Lebensmitteln in Bayern.
am Donnerstag, 10.02.2022 - 14:06 (Jetzt kommentieren)

Der Ökolandbau in Bayern wächst weiter. Doch für den LVÖ-Vorsitzenden Hubert Heigl tut der Freistaat noch viel zu wenig.

Der erste Vorsitzende des Landesverbands für den ökologischen Landbaus (LVÖ) Bayern, Hubert Heigl, übt deutliche Kritik an der bayerischen Staatsregierung und dem bayerischen Agrarministerium. Unter dem ehemaligen Agrarminister Helmut Brunner habe es noch richtige Impulse gegeben. Heigls Einschätzung zur jetzigen Lage: „Bayern hat sich von der aktiven Gestaltung der Landwirtschaft verabschiedet.“

Durch die damalige klare Politik Brunners in Richtung Ökolandbau sei „eine Welle in Gang gesetzt worden“, so Heigl. Bayern habe im Vergleich der Bundesländer zwar den höchsten Öko-Etat, was er ausdrücklich begrüßte. Doch jetzt fehle ein klares politisches Ziel und „die Ideen versanden in der Verwaltungsbürokratie“, meinte der LVÖ-Chef.

Kritisch sieht er auch die GAP-Reform auf europäischer Ebene. Im Rahmen der so genannten Eco-Schemes drohen den Ökobauern Abzüge in der 2. Säule. Heigl fordert hier Nachbesserungen.

Biomarkt ist gut aufnahmefähig

Laut LVÖ haben die Mitgliedsverbände Bioland, Naturland, Biokreis und Demeter 2021 zusammen 358 neue Betriebe gewinnen können, ein Plus von 5 %. Die landwirtschaftliche Fläche bei den Verbänden wuchs sogar noch stärker um gut 25.000 ha oder 8,3 %.

Damit liegt BAyern voll im Deutschlandtrend: Laut Konjunkturbarometer des Deutschen Bauernverbands können sich zwanzig Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe vorstellen, auf Bio umzustellen. Das ist eine deutlich höhere Bereitschaft als noch vor einem Jahr.

„Die Märkte sind aufnahmefähig und in einem optimalen Zustand, Okö-Ware aufzunehmen“, gab Heigl zu verstehen. Der Flächenzuwachs von gut 8 % entspreche aber nur einem Zuwachs von 1 % in Bezug auf die gesamten Nutzfläche. Um das politische Ziel von 30 % Öko bis 2030 zu schaffen, reicht dieser Zuwachs nicht. „Das Wachstum müsste sich verdoppeln“, rechnete Heigl vor.

Jeder dritte deutsche Ökobetrieb ist in Bayern

Nach den Zahlen des bayerischen Agrarministeriums ist der Freistaat mit über 400.000 ha Fläche und rund 11.500 Ökobetrieben das Ökoland Nummer Eins. Rund jeder dritte deutsche Ökobetrieb wirtschaftet in Bayern. Diese Zahlen stimmen, wenn man sie absolut nimmt. Sie können aber auch durchaus anders interpretiert werden. Denn beim Anteil der Ökofläche liegt Bayern nach den Zahlen der LVÖ nur auf Platz 6. Und ein Blick in die Statistik des BMEL für 2020 verrät, dass der Anteil an Biobauern in Baden-Württemberg mit 27,2 % gut doppelt so hoch ausfällt wie in Bayern (13 %). In dieser Statistik rangiert Bayern nur auf dem achten Platz. Rechnet man die Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg, die in der Statistik zusammen aufgeführt werden, noch dazu, rutscht Bayern in dieser Statistik sogar auf Platz 9 und beim Vergleich der anteiligen Flächen auf Platz 7.

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