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Landbewirtschaftung und Naturschutz

Öko-Studie: Mehr Vielfalt auf dem Feld – bringt Tiere nicht zurück

blühstreifen.
am Dienstag, 09.02.2021 - 11:18 (4 Kommentare)

Eine höhere biologische Vielfalt bei Pflanzen verbessert nicht automatisch die Vielfalt in der Tierwelt. Das zeigt eine Studie und stellt die in der Ökologie bislang geltende Hypothese vom „Feld der Träume“ in Frage.

Für die Wiederherstellung oder Erhaltung eines bestimmten Lebensraums ist offenbar viel mehr erforderlich als nur eine größere Vielfalt an Pflanzen. Eine Studie stellt den ökologischen Grundsatz in Frage, wonach die Wiederherstellung der biologischen Vielfalt von Pflanzen „automatisch“ zur Wiederherstellung der biologischen Vielfalt bei Tieren und Insekten führt.

Die Untersuchung zeigt, dass die Auswirkungen von bestimmten Management-Strategien bei der Landbewirtschaftung auf Tiergemeinschaften sechsmal stärker wirken als die Zunahme der biologischen Vielfalt von Pflanzen. Die Idee, dass die biologische Vielfalt zurückkehrt, wenn man den Lebensraum wieder aufbaut ist als "Field of Dreams"-Hypothese bekannt. Diese ist nach einem Film von Kevin Costner benannt.  Dort schafft er es, ein Baseballfeld zu bauen und tote Baseballspieler wieder zum Leben zu erwecken.

In der Ökologie geht es darum, dass der Wiederaufbau des physischen Lebensraums von Pflanzen direkt zu einer Verbesserung der biologischen Vielfalt bei Tieren, Insekten und weiteren Pflanzen führt. Kurz gesagt lautet die These: „Wenn Sie bauen, werden sie kommen". Doch es mehren sich die Hinweise, dass die Wiederherstellung von Lebensräumen nicht unmittelbar zur Verbesserung der biologischen Vielfalt führt. Das gilt offenbar auch für Insekten.

Bisherige Hypothese stimmt nicht

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 „Wenn Sie bauen, kommen sie möglicherweise nicht“. Dies ist wohl das wichtigste Ergebnis der Studie zu Praktiken zur Wiederherstellung von Lebensräumen, die ein allgemein anerkanntes Prinzip der Ökologie in Frage stellt. Die Studie testete die Hypothese „Field of Dreams“, die vorhersagt, dass die Wiederherstellung der biologischen Vielfalt von Pflanzen zur Wiederherstellung der biologischen Vielfalt von Tieren führen wird.

„Die Vorhersage, die häufig als Leitfaden für Renaturierungs-Praktiken dient, wird üblicherweise kaum getestet, da Studien in der Regel die Artenvielfalt von Pflanzen oder von Tieren messen, jedoch selten beides", sagte der Hauptautor Pete Guiden, von der Northern Illinois University.

Guiden und seine Kollegen untersuchten 17 Forschungsflächen der renaturierten Tallgras-Prärie und maßen dort die Artenvielfalt von vier Tiergemeinschaften: Schlangen, kleine Säugetiere sowie verschiedene Bodeninsekten und Mistkäfer. „Wir wollten wissen, ob die verschiedensten Tiergemeinschaften in den unterschiedlichen Pflanzengemeinschaften gefunden werden oder ob etwas anderes für die Muster der biologischen Vielfalt der Tiere verantwortlich ist", sagte Guiden.

Management-Strategien offenbar wichtiger

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Obwohl die Wissenschaftler durchaus einige positive Zusammenhänge zwischen der biologischen Vielfalt von Pflanzen und Tieren fanden, waren die Gewinne bei weitem nicht so stark wie die Vorteile, die sich aus der Umsetzung von anderen Strategien für das Wiederherstellungs-Management ergaben.

„Wir haben festgestellt, dass die Auswirkungen von Management-Strategien wie kontrolliertes Verbrennen der Wiesen und Weiden oder auch die Wiedereinführung von Bisons auf den Weide-Flächen im Durchschnitt sechsmal stärker waren als die Auswirkungen einer Erhöhung der biologischen Vielfalt von Pflanzen", sagt Guiden.

„Die wichtigsten Auswirkungen für die Wiederherstellung der Artenvielfalt bei Tieren hatte nur wenig mit der Artenvielfalt der Pflanzengemeinschaft zu tun“, fanden die Wissenschaftler heraus. „Daher reichen die Managementpraktiken, die sich auf die Wiederherstellung von Pflanzen konzentrieren, nicht aus, um auch die Artenvielfalt bei Tieren wiederherzustellen."

Folgen für die Landbewirtschaftung?

„Dies ist eine wichtige Studie“, sagt auch Holly P. Jones, dessen evidenzbasiertes Labor die Untersuchungen durchgeführt hat." Da die biologische Vielfalt der Erde schnell verschwindet, hat sich die ökologische Wiederherstellung als wichtige Strategie zur Verlangsamung oder Umkehrung der Verluste an biologischer Vielfalt herausgestellt, sagt er.

„Kritische Tests der Feld der Träume-Theorie und anderer Hypothesen sind aber erforderlich, um die Renaturierungs-Wissenschaft zu verbessern“, sagt Jones. Die Studienergebnisse sind eine Überraschung für jene Wissenschaftler, die vorausgesagt hatten, dass die Artenvielfalt von Pflanzen stärkere Auswirkungen auf die Artenvielfalt von Tieren (und auch von Insekten) haben würde als etwa Bewirtschaftungsstrategien.

„Wir hatten erwartet, dass die Artenvielfalt der Pflanzen wichtiger ist, da Tiere dann mit mehr Pflanzenarten die Nahrungsressourcen oder den Lebensraum aufteilen können", ergänzt Guiden. „Die Auswirkungen der Landbewirtschaftung auf die Artenvielfalt der Tiere unterstreichen jedoch die wichtige Rolle des Menschen bei der Gestaltung der Quantität oder Qualität des Lebensraums", heißt es weiter.

Bisherige Ökologisierungs-Strategien überprüfen

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Die Arbeiten der Wissenschaftler wurden im Naturschutzgebiet Franklin Grove, Illinois, durchgeführt. Die 17 untersuchten Forschungsstandorte waren 60 mal 60 Meter groß und hatten ein Renaturierungs-Alter von drei bis 32 Jahren. Durch die gleichzeitige Messung der Reaktionen von Pflanzen und Tieren konnten die Wissenschaftler Management- und Pflanzeneffekte herausarbeiten und vergleichen.

Guiden sagt auch, dass jede untersuchte Tiergemeinschaft sich in ihren spezifischen Reaktionen erheblich unterschied. Tatsächlich ergab die Studie, dass die Wiederherstellung gleichzeitig positive und negative Auswirkungen auf die biologische Vielfalt haben kann. So führte bei älteren Renaturierungen eine hohe Diversität zwischen den Pflanzen sogar zu einer Verringerung einer spezifischen Diversität – etwa für Mistkäfer. Wahrscheinlich weil es für die Käfer schwieriger wurde, wichtige Ressourcen zu finden.

„Ökosysteme sind nur schwer wiederherzustellen, da sie sehr komplexe Netze der Wechselwirkungen von Arten untereinander und mit ihrer Umwelt darstellen“, sagte Jones. „Unsere Studie zeigt, dass es wichtig ist, Wiederherstellungsziele zu definieren, bevor Projekte auf den Weg gebracht werden, und den wirklichen Fortschritt dann auch regelmäßig zu messen“, schreiben die Wissenschaftler.  

Mit Material von Study challenges ecology's 'Field of Dreams' hypothesis: Restoring habitat requires much more than just the right plants." ScienceDaily, 2 February 2021

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