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Pachtmarkt und steigende Kosten

Pachtpreise 2020: Darum sind die regionalen Unterschiede so riesig!

Traktor bewirtschaftet Ackerfläche
am Dienstag, 13.04.2021 - 10:08 (2 Kommentare)

Die Pachtpreise steigen und steigen. Doch die regionalen Unterschiede sind riesig. – Das heißt: Sowohl in der Höhe der Pachtpreise als auch in der Dynamik des Preisanstiegs gibt es zwischen den Bundesländern und Regionen große Unterschiede. Und das sind die Ursachen:

Entwicklung der Pachtpreise in Deutschland innerhalb von 10 Jahren

Die Pachtpreise für landwirtschaftliche Flächen steigen immer weiter an. Das heißt: Für die Bauern steigen auch die Kosten für das wichtigste und knappste Produktionsmittel. In den letzten 10 Jahren verteuerte sich Pachtland in Deutschland um 50 Prozent. Doch die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind groß – und das in jeder Hinsicht.

In einigen Bundesländern fiel der Preisanstieg zudem deutlich stärker aus, in anderen gingen die Pachten langsamer nach oben. Auch die absolute Pachtpreishöhe unterscheidet sich zum Teil gewaltig – wie etwa zwischen Niedersachsen und Hessen. Verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen – wie etwa von Gunnar Breustedt und Uwe Latacs-Lohmann von der Uni Kiel – haben sich deshalb sowohl mit den Ursachen des Preisanstiegs als auch mit der starken regionalen Differenzierung der Preise befasst. Dabei hat man versucht, die größten Preistreiber ausfindig zu machen.

Die bereits über einen sehr langen Zeitraum verfügbaren Daten des Testbetriebsnetzes des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL) liefern ebenfalls ziemlich plausible Erklärungen für die Pachtpreisunterschiede. Dazu gehört vor allem ein Vergleich der wichtigsten betriebswirtschaftlichen Indikatoren und Erfolgsparameter mit den regionalen Pachtpreisen.

Besonders Auffällige Indikatoren sind hier: Der Tierbesatz, der Produktionsschwerpunkt, die Betriebsgröße und auch der Gewinn und die Umsatzerlöse. Dazu kommen noch eine ganze Reihe anderer Aspekte, wie die Auswirkungen der Flächen-Konkurrenz unter den Betrieben und durch erneuerbare Energien und der Einfluss der Direktzahlungen oder auch der anhaltende Flächenfraß durch Kommunen und den Staat.

Regionale Preisunterschiede beim Pachtpreis sind riesig

Pachtpreise in den deutschen Bundesländern 2019/2020

Doch noch einmal zurück zur regionalen Entwicklung der Pachtpreisen in den letzten 10 Jahren. Schon im Bundesmittel ist der Anstieg mit 50 Prozent gewaltig. Doch es fällt auf: In einigen Bundesländern hat sich Pachtland noch weitaus stärker verteuert. Dazu gehören an erster Stelle Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, mit einem Preisanstieg von jeweils knapp 70 Prozent.

Zu Bedenken ist dabei jedoch, dass die absoluten Preise in Ostdeutschland vor 10 Jahren noch sehr viel niedriger waren als im Westen. Diesen Rückstand haben zumindest Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt – so ziemlich aufgeholt. In den alten Ländern sind die Pachten in den großen Agrarländern Bayern und Niedersachsen in den letzten 10 Jahren am stärksten gestiegen – mit jeweils über 50 Prozent.

Dicht dahinter folgen Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein. Das sind auch die vier Länder, mit den mit Abstand höchsten Pachtpreisen überhaupt – nämlich zwischen 348 Euro je Hektar in Bayern, über 443 Euro in Schleswig-Holstein, bis hin zu 517 bzw. 519 Euro je Hektar in den Veredlungshochburgen Niedersachsen und NRW.

Am anderen Ende der Pachtpreisskala bewegen sich solche Länder wie das Saarland mit nur 84 Euro und Hessen mit 177 Euro je Hektar – während die Preise sich in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz mit 279 Euro und 264 Euro je Hektar kaum von denen in den beiden teuersten ostdeutschen Ländern unterscheiden.

Tierbesatz und knapper Boden treiben Pachtpreise nach oben

Viehbesatz in deutschen Bundesländern 2019/2020

Schaut man auf die Betriebswirtschaftlichen Kennzahlen und Parameter wird  schnell klar: Die höchsten Pachtpreise werden derzeit in den Ländern gezahlt, in denen der Tierbesatz je Flächeneinheit am höchsten ist. Das gilt für Niedersachsen ebenso wie für NRW, mit deutlichem Abstand folgen dann Bayern und Schleswig-Holstein. – Allerdings hat auch ein Land mit vergleichsweise niedrigen Pachtpreisen und einem hohen Anteil Nebenerwerbslandwirtschaft einen relativ hohen Viehbesatz: nämlich Baden-Württemberg. Das gilt zumindest gegenüber Rheinland-Pfalz und den ostdeutschen Ländern mit deutlich weniger Tieren.

Mit 210 bis 250 VE je 100 Hektar werden in Niedersachsen und in NRW fast doppelt so viele Tiere je Flächeneinheit gehalten, wie in Bayern und Schleswig-Holstein – und fast 8mal so viel wie in Mecklenburg. Im Osten richtet sich die Höhe der Pachtpreise ganz offensichtlich nicht so sehr nach dem Tierbesatz. Dort werden die höchsten Pachtpreise eher auf den besten Ackerbaustandorten bzw. für die besten Böden gezahlt und für möglichst große Flächen.

Die Betriebsgröße als solche scheint zumindest im Westen jedoch nur begrenzen Einfluss auf die Pachtpreise zu haben – denn im Schnitt sind die Höfe des Testbetriebsnetzes in Bayern nicht viel größer als in Rheinland-Pfalz oder in Baden-Württemberg oder auch NRW mit jeweils rund 70 Hektar. Und in Niedersachsen sind die Testnetz-Betriebe mit 100 Hektar sogar deutlich kleiner als in Schleswig-Holstein mit 122 Hektar.

Der Anteil der Pachtfläche an der Betriebsfläche unterscheidet sich regional ebenfalls recht deutlich – diese Anteil schwankt zwischen 55 Prozent in Schleswig-Holstein, 57 Prozent in Niedersachen sowie 74 Prozent in Hessen bzw. 73 Prozent im Saarland. Dabei gehören die Länder mit den geringsten Pachtanteil (bzw. dem höchsten Eigentumsanteil) fast durchweg zu denen mit den höchsten Pachtpreisen. Offenbar ist Pachtland dort besonders knapp.

Treiber der Pachtpreise: Umsatzerlöse, Gewinn und Produktivität

Gewinn in der Landwirtschaft: 2019/2020 in den deutschen Bundesländern

Ähnlich deutlich wie beim Viehbesatz ist die Verbindung von Umsatzerlösen je Hektar oder dem betrieblichen Gewinn je Flächeneinheit zu den Pachtpreisen. Fakt ist auch hier: Bei den Umsatzerlösen je Hektar LN aus der Tier- und Pflanzenproduktion rangieren erneut  Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen mit sehr großem Abstand vor den Landwirten in allen anderen Bundesländern. So erwirtschafteten die Bauern in Niedersachen im für Schweineproduzenten sehr guten Wirtschaftsjahr 2019/20 immerhin fast 6.500 Euro je Hektar.

Die Kollegen aus NRW kommen auf immerhin noch 5361 Euro. Dahinter folgen dann mit großem Abstand Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein mit 3900 bis knapp 3500 Euro je Hektar. Ganz am unteren Ende der Skala rangieren bei den Umsatzerlösen die ostdeutschen Bundesländer und das Saarland und Hessen. Der Grund: Die sehr geringen Tierbestände und somit die deutlich geringeren Erlöse aus diesem Bereich.

Nicht ganz so groß ist der Vorsprung der beiden wichtigsten Veredlungsländer beim Gewinn. Der Grund: Nicht nur die Erlöse sondern auch die Kosten sind in den beiden „teuersten Ländern“ – bzw. in der Veredlung – besonders hoch. Dennoch schaffen es die Bauern aus Nordrhein-Westfalen auch beim Gewinn an die Spitze – mit 1.150 Euro je Hektar – dahinter kommen dann Niedersachsen, Bayern und Baden-Württemberg – mit 820 bis 860 Euro je Hektar, also noch zwei andere Hochpachtpreis-Aspiranten. Schleswig-Holstein weist hingegen lediglich einen Gewinn von 500 Euro je Hektar aus – und die ostdeutschen Länder und das Saarland  liegen noch deutlich niedriger.

Einfluss der Direktzahlungen und Flächenkonkurrenz

Direktzahlungen und Zuschüsse in den deutschen Bundesländern 2019/2020

Die betrieblichen Indikatoren erklären offenbar einen beachtlichen Teil der Pachtpreis-Unterschiede – aber nicht alle. Gunnar Breustedt, Hendrik Habermann und Uwe Lactacs-Lohmann, von der Uni Kiel haben in verschiedenen Untersuchungen versucht, die Einflussfaktoren auf die Pachtpreise zu erkennen und quantifizieren. Vor allem letzteres ist offensichtlich nicht ganz einfach.

Dennoch haben die Wissenschaftler einige Einflussgrößen herausgearbeitet – die sich zu einem beträchtlichen Teil mit den betrieblichen Indikatoren und ihrem Einfluss auf die Pachtpreise decken: Dazu gehören: Höhe und Entwicklung des Betriebseinkommens und des betrieblichen Gewinns ebenso wie der Anteil des Pachtlands an der insgesamt bewirtschafteten Fläche. Dazu kommen die Marktnähe des Betriebes, die Produktionsstruktur ­– also Ackerbau oder Veredlung ­– und vor allem auch die betriebliche und die regionale Viehdichte.

Auch die regionale Konkurrenz-Situation zu anderen Landwirten – ebenso wie zu Bioenergieunternehmen, haben einen messbaren Einfluss auf den Pachtpreis. Und noch etwas ist offen sehr wichtig: Nämlich die landwirtschaftlichen Direktzahlungen und sonstigen staatlichen Zuschüsse – etwa für Agrarumweltmaßnahmen. Die meisten Wissenschaftler gehen bei den Direktzahlungen von einer „Umwälzung der Prämien“ zwischen 30 bis 60 Prozent auf den Landverpächter bzw. Eigentümer aus.

Dennoch erwarten die meisten Ökonomen , dass eine Abschaffung oder Reduzierung der Zahlungen kurz und mittelfristig wahrscheinlich kaum zu einem Rückgang der Pachtpreise führen würde – sondern vor allem zu mehr ökonomischen Druck auf die Landwirte.

Pachtpreise: Das kostet der Hektar 2020

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