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Zuckerwirtschaft

Pfeifer & Langen: Rübenpreis klettert wieder über 30 Euro

Rübenroder im Einsatz
am Dienstag, 03.12.2019 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Der Zuckerhersteller Pfeifer & Langen rechnet mit steigenden Zuckerpreisen.

Dr. Hermann Schmitz

Für das Anbaujahr 2020 dürften die Rübenpreise für die Lieferanten von Pfeifer & Langen auch beim Flexpreismodell wieder über 30 Euro je Tonne klettern. Davon geht Dr. Hermann Schmitz, Leiter Landwirtschaft des privaten Zuckerherstellers, aus. Das Unternehmen beobachtet eine zunehmend knappe Versorgung des europäischen Zuckermarktes.

Die Verknappung dürfte im kommenden Jahr anhalten, denn die Landwirte in der EU werden den Rübenanbau nach Einschätzung von Pfeifer & Langen zur Ernte 2020 um 4,8 Prozent oder rund 70.000 Hektar einschränken.

Bereits zur laufenden Kampagne war der Anbau um 4,4 Prozent verringert worden. Bei erneut unterdurchschnittlichen Erträgen werden laut Schmitz viele Betriebe ihre Lieferverträge an Pfeifer & Langen aus der Ernte 2019 voraussichtlich nicht voll erfüllen können.

Vorräte sinken auf ein sehr niedriges Niveau

Das Unternehmen geht auf Basis von Schätzungen der EU-Kommission davon aus, dass die Zuckerproduktion in der EU 2020/21 mit 18,3 Mio. t inklusive Glukose nur um 100.000 t größer ausfallen wird als im laufenden Wirtschaftsjahr. Bei einem konstanten Verbrauch und weitgehend stabilen Importen wird der Endbestand voraussichtlich auf 1 Mio. t sinken; das entspricht nur noch 5 Prozent des Verbrauchs.

Schmitz zufolge ist damit technisch gesehen eine Untergrenze erreicht. Noch kleinere Vorräte würden bedeuten, den Markt nicht jederzeit mit den geforderten Qualitäten beliefern zu können.

Aldi hebt den Zuckerpreis deutlich an

Ein deutliches Zeichen für die Wiederbelebung des Zuckermarktes sieht der Zuckerhersteller im Einzelhandel. So hob der Discounter Aldi den Preis für 1 kg Haushaltszucker von Pfeifer & Langen zu Anfang Oktober von durchschnittlich 59 Cent auf 75 Cent an; das bedeutet einen Preisanstieg um 27 Prozent. Andere Handelsunternehmen folgten Aldi. Der Kontrakt hat laut Unternehmensangaben eine Laufzeit von einem Jahr.

Zwar werden nur rund 15 Prozent der Zuckererzeugung von Pfeifer & Langen über den Einzelhandel abgesetzt. Schmitz wertet den Abschluss aber als Signal auch für die Industriekunden.

Pfeifer & Langen bleibt in den roten Zahlen

Zuckerrübenschnitzel im Werk Appeldorn

Trotz der allmählich aus dem Keller kletternden Zuckerpreise wird Pfeifer & Langen voraussichtlich auch im kommenden Jahr rote Zahlen schreiben.

Das Zuckergeschäft wird derzeit mit Erträgen aus der Intersnack-Gruppe gestützt, erläuterte Schmitz vor Agrarjournalisten im Werk Appeldorn. Dennoch würden die Inhaberfamilien am Zuckergeschäft festhalten. So wurde in jüngerer Zeit ein mittlerer dreistelliger Millionenbetrag in die Verarbeitungsstandorte investiert.

Investitionen in alternative Aktivitäten

Limonade mit Allulose

Dessen ungeachtet sucht Pfeifer & Langen nach ergänzenden Aktivitäten. Ein Beispiel ist die Gewinnung von Allulose aus der Rübe. Diese Zuckerform kann der Mensch nicht aufschließen. Damit können Lebensmittel wie mit herkömmlichem Zucker gesüßt werden, jedoch ohne Kalorien. Ein Zulassungsantrag nach der EU-Novel-Food-Verordnung läuft.

Außerdem hat sich Pfeifer & Langen im Frühjahr an dem Start-up Amidori beteiligt. Das Bamberger Unternehmen produziert vegane Fleischersatzprodukte aus pflanzlichem Eiweiß.

Gekoppelte EU-Zahlungen im Rübenanbau

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