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Ökolandbau in Europa

Politik setzt auf Ökolandbau: Bauern machen nicht in allen Ländern mit

Felder.
am Mittwoch, 23.06.2021 - 06:08 (18 Kommentare)

Die Politik in Europa setzt auf Ökolandbau - die Bauern auch? Ja und nein, lautet die kurze Antwort.

Ökobetriebe.

Das kommt auch auf das Land an. Allerdings liefert die Kommission nur Daten über Flächen und Betriebe und leider nichts über den ökonomischen Erfolg der Biobauern. Auch über die Höhe der Subventionen gibt es keine Daten für die Ökobetriebe. Diese Informationen liegen uns nur für Deutschland vor – auf Basis des Testbetriebsnetz des BMEL.

Doch zurück nach Europa: Der Ökolandbau hat in der EU vor allem in den letzten fünf Jahren einen kräftigen Schub erhalten. Die Daten zeigen aber auch: Die Unterschiede zwischen den Ländern sind sehr groß. Fast scheint es, dass die Differenzen größer sind als die Gemeinsamkeiten. Das gilt sowohl hinsichtlich der Bedeutung des Ökolandbaus innerhalb der Landwirtschaft in den verschiedenen Ländern – als auch im Hinblick auf die Wachstums-Dynamik und die bewirtschaftete Fläche.

Das heißt aber auch: Eine einfache Übertragung der politischen und ökonomischen Einflussfaktoren in Deutschland auf andere Länder erklärt die abweichende Entwicklung mit Sicherheit nicht. Ein solches Herangehen dürfte das Verständnis für die spezifische Entwicklung in anderen EU-Staaten sogar erschweren.

Öko-Förderung bringt den Wachstumsschub

ökobetriebe.

Doch zurück zu den Zahlen der Kommission. Schaut man auf die zeitliche Entwicklung der Ökobetriebe und ökologisch bewirtschaften Flächen, fallen mehrere Dinge auf: So erhielt der Ökolandbau in der EU vor allem nach 2015 einen kräftigen Schub – also vor allem mit der Zunahme der Förderung aus der zweiten Säule und – wie etwa in Deutschland – mit zusätzlichen regionalen Fördermaßnahmen und Programmen.

So ist Zahl der Ökobetriebe in der EU von 2015 bis 2019 um rund 28 Prozent gewachsen. Die bewirtschaftete Fläche hat im gleichen Zeitraum um 30 Prozent zugenommen. In den vier Jahre davor dümpelte der Ökolandbau in der EU dagegen eher vor sich hin. Die Zahl der Ökobetriebe nahm von 2010 bis 2015 gerade einmal um 6 Prozent zu.

Hinzu kommt: Der jüngste Schub hat längst nicht alle EU-Länder gleichermaßen erfasst. So war die Dynamik in Ländern wie in Deutschland, Dänemark, Italien und Frankreich – aber auch in Ungarn, der Slowakei und Kroatien besonders hoch.

Doch das war längst nicht überall so: Etwa in Polen, Rumänien und Litauen ging die Zahl der Ökobetriebe sogar zurück und in Ländern wie dem Vereinigten Königreich stagnierte der Ökosektor.

Anteil der Ökobetriebe zwischen 20 und 0,3 Prozent

ökofläche.

Der Zuwachs der letzten Jahre sagt wenig über den Stellenwert des Ökolandbaus innerhalb der Landwirtschaft eines Landes aus.

Bezogen auf die Zahl der Betriebe ergibt sich bei diesem Indikator ein eindeutiges Ranking: Das größte Gewicht hat der Ökolandbau in Österreich, mit rund 20 Prozent aller Landwirtschaftsbetriebe und etwa 25 Prozent der Fläche. Hier haben die österreichischen Bauern aus den schwierigen natürlichen Bedingungen offenbar gut angepasste betriebswirtschaftliche Konzept entwickelt.

Deutlich hinter den österreichischen Bergbauern kommen dann zwei große EU-Länder, nämlich Deutschland und Frankreich sowie Tschechien, Dänemark und Finnland. In allen diesen Ländern ist der Anteil der Ökobauern zweistellig und liegt zwischen 10 und fast 18 Prozent.

Am geringsten ist der Anteil der Ökobauern in Ländern wie Rumänien, Polen, Ungarn, Irland mit nur 0,3 bis 1,3 Prozent. Doch auch in Spanien, Griechenland und den Niederlanden zählen weniger als 5 Prozent der Betriebe zum Ökolandbau.

Ökobetriebe mit 250 oder weniger als 10 Hektar

ökobetriebe.

Deutliche Unterschiede zwischen den Ländern gibt es auch in der Größe der Ökobetriebe. Gründe sind hier sicherlich die generelle Betriebsstruktur der Länder - aber auch die vorrangige betriebswirtschaftliche Ausrichtung – also etwa mehr Ackerbau und Milch – oder aber der Anbau von Obst und Gemüse.

Interessanterweise zeigt sich hier, dass Ökobetriebe im Schnitt der EU zwar deutlich kleiner sind als die Höfe der konventionellen Bauern – doch nicht in allen Ländern. Vor allem in Spanien, aber auch im Vereinigten Königreich, in Italien, in Polen und Rumänien, bewirtschaften die Ökobetriebe mehr Fläche als die konventionellen Kollegen.

In Deutschland und Frankreich sowie in den Niederlanden, sind die Ökobetriebe hingegen kleiner als die konventionellen Höfe. Die mit Abstand größten Ökobetriebe findet man im Vereinigten Königreich, in Tschechien, Schweden, Litauen und Estland, mit jeweils mehr als 100 Hektar. Mit Abstand am größten sind die Ökobetriebe jedoch in der Slowakei mit fast 250 Hektar!

Am wenigsten Betriebsfläche haben die Ökobauern dagegen in Griechenland, Bulgarien, Slowenien, Zypern und Malta. Dort sind es zum Teil deutlich weniger als 20 Hektar – in Italien und Österreich sind die Betriebe immerhin noch kleiner als 30 Hektar. In Deutschland werden nach dieser Statistik je Ökobetrieb etwa 47 Hektar bewirtschaftet.

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