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Risikomanagement

Praktikertipp: Jetzt Vorkontrakte für Weizen und Raps prüfen

Landwirte beim Handschlag (Symbolbild).
am Montag, 18.01.2021 - 12:00 (Jetzt kommentieren)

Erzeuger sollten in die Vermarktung der Ernte 2021 einsteigen. Aktuell sichern Vorkontrakte einen ordentlichen Preis ab. Lesen Sie, was unser Autor Dieter Jendrziak, Landwirt aus Schleswig-Holstein, empfiehlt.

Für Ackerbauern beginnt das neue Jahr erfreulich. Die Preise an den Rohstoffmärkten für Ackerfrüchte sind fest wie lange nicht mehr. Wer noch unverkaufte Restbestände im Lager hat, kann gute Preise durchsetzen. Ein ordentlicher Weizen wird je nach Region bis über 200 Euro/t gehandelt. Der Raps dürfte in den meisten Regionen über 400 Euro/t kosten.

Das zieht die Kurse für die neue Ernte nach oben. Darum stellt sich mit der laufenden Rally spätestens jetzt die Frage nach einer preislichen Absicherung der Ernte 2021.

Nach der Ernte gingen die Preise zuletzt meist nach unten

Dieter Jendrziak

In den vergangenen Jahren war es meist richtig, eine Phase stabiler Preise irgendwann zwischen dem Jahreswechsel und dem Beginn der Ernte zumindest für einen Teil der Erzeugung zu nutzen. Damit wird zum einen das Risiko gestreut. Zum anderen verhindert man als Landwirt, nach der Ernte zu schnell unter Verkaufsdruck zu geraten, wenn die Liquidität zu Ende geht und die gebotenen Kurse unattraktiv sind.

Jeder hat natürlich seine eigene Risikotragfähigkeit und -bereitschaft. Ein Kurs von 170 Euro/t Weizen galt vielen Betriebsleitern in den vergangenen Jahren jedoch als gute Benchmark. Beim Raps halten viele Unternehmer einen Vorkontrakt ab einer Größenordnung von 360 Euro/t für überlegenswert. Beide Schwellenwerte werden an den internationalen Märkten derzeit spielend überwunden. Und in den vergangenen Jahren kam es in den weitaus meisten Fällen nach der Ernte nicht zu signifikant höheren Kursen. Die globalen Erntemengen wiesen in der Statistik stets eine sehr komfortable Versorgung aus, mit Ausnahme der Ernte 2020.

Jede Rally hat einmal ein Ende

weizenpreis.

Für die erste Teilvermarktung haben sich Anteile zwischen 20 und 50 Prozent der erwarteten Produktion bewährt. Das Risiko von Ertragsausfällen aufgrund der Witterung sollte nicht unterschätzt werden.

Ein wichtiges Entscheidungskriterium für oder gegen Vorkontrakte sind stets die weiteren Marktaussichten: Wie nachhaltig sind die preistreibenden Faktoren? Wie groß ist das Risiko eines schnellen Endes der bullischen Marktlage?

Eines ist jedenfalls sicher: Rallys gab es schon viele und irgendwann waren sie alle zu Ende. Bekannte Weisheiten, dass keiner klingelt, wenn die Preisspitze erreicht ist, nutzen absolut nichts. Es bleibt nur die Risikoanalyse: Wie wahrscheinlich ist ein nachhaltiger Preiseinbruch in Relation zur Chance auf weiter steigende Kurse? Aber solche Einschätzungen sind äußerst schwierig und subjektiv. Selbst kräftige Rücksetzer sind gelegentlich nur technisch oder durch Gewinnmitnahmen begründet. Sie können schon nach wenigen Tagen durch neue bullische Meldungen korrigiert werden.

Sehr stabile Marktlage für Weizen und Raps

Aktuell spielt die Lage den Erzeugern in die Hände. Der Markt für Weizen und Raps macht einen sehr stabilen Eindruck. Die durch den El-Nino-Effekt ausgelöste Trockenheit in Südamerika unterstützt ebenso wie die Exportbeschränkungen in Russland bei anhaltend hoher Exportnachfrage auf dem Weltmarkt den Markt nachhaltig. Hier dürfte sich kurzfristig nicht viel ändern. Auch der jüngste USDA-Report vom 12. Januar hat eine deutlich engere Versorgungsbilanz ausgewiesen als im Bericht zuvor.

Größere Unsicherheit entsteht aktuell insbesondere durch die weitere Wetterentwicklung in der Schwarzmeerregion, wo wenig Schnee die Pflanzen vor Frost schützt. Ein weiteres Risiko stellen die Währungsschwankungen und die unsichere globale Konjunkturlage aufgrund der Corona-Pandemie dar. Insgesamt scheinen die Märkte aber nicht mehr so komfortabel versorgt zu sein. Ware wird gebraucht. Die Landwirte sind wenigstens beim Getreide in der Lage, selbst und frei zu bestimmen, wann und an wen sie verkaufen.

Die Fundamentaldaten sind bullisch

Die Fundamentaldaten sind auch auf Sicht sowohl für Weizen als auch Mais deutlich bullisch. Der Rapsmarkt ist mindestens als stabil einzuschätzen. Die globalen Ölsaatenmärkte sind knapp versorgt. Die Aussichten für die südamerikanische Sojaernte sind ebenso begrenzt wie für die Palmölernte in Südostasien. Der Rapsmarkt in Europa ist auf erhebliche Importe angewiesen, sodass die Notierungen stark von den weltweiten Ölsaatenmärkten geprägt sind.

Grundsätzlich lässt sich für den Weizenmarkt derzeit sagen: nur ein hoher Preis in der EU drosselt die aktuell sehr starke Nachfrage der Importländer. Für Raps und Mais gilt momentan quasi das Gegenteil, aber mit dem gleichen Ergebnis: nur mit einem hohen Preis lassen sich die dringend benötigten Importe in die EU holen.

Gut informiert haben Sie als Erzeuger einen Verhandlungsvorteil

Die aktuell vom Handel gebotenen Vorkontrakte dürften regional schwanken. Bei einem derzeitigen Börsenpreis in Paris von über 200 Euro/t für den neuerntigen Septemberkontrakt müssten 180 Euro/t für den Landwirt aber erreichbar sein. Viele Betriebsleiter kennen die sogenannte Basis, also den Abstand zwischen Kassapreis und Börsennotierung, ihrer Landhändler. Ein gut informierter Landwirt hat jedenfalls Vorteile in den Verhandlungen über Vorkontrakte.

Fakt ist: Aktuell lässt sich mit Vorkontrakten bei allen Ackerfrüchten eine ordentliche Grundrente absichern. Daher kann der Einstieg in die Vermarktung mit ersten Anteilen zumindest für konservative Vermarkter sicher nicht ganz verkehrt sein, auch wenn die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass wir noch höhere Kurse sehen werden.

Hier geht es zu den aktuellen Erzeugerpreisen für Marktfrüchte.

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