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Gesundheit

Psychische Belastung: Hier finden Landwirte Beratung und Hilfe

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Julia Eder, agrarheute
am
16.10.2017

Jeder sechste gemeldete Krankheitsfall unter den Bauern hat seelische Ursachen, doch oft bleiben Fälle im Verborgenen. Hier finden Betroffene Hilfe.

Immer wieder erreichen uns Meldungen von Landwirten, die ihre Tiere nicht mehr versorgen können, von insolventen Betrieben und steigenden Betriebsaufgaben, von sinkenden Preisen für landwirtschaftliche Produkte. Berater an Sorgentelefonen berichten von zunehmenden Anfragen. Die Situation ist für viele Landwirte angespannt, die psychische Belastung nimmt zu.

17 Prozent der bei der Sozialversicherung gemeldeten Arbeitsausfälle auf Höfen gehen laut Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein auf seelische Erkrankungen zurück. Das bedeutet, jeder sechste gemeldete Krankheitsfall unter den Bauern hat seelische Ursachen. Und nicht jeder Fall wird gemeldet. Experten erklären, was man in solchen Fällen tun kann.

Gesundheitliche Probleme von Landwirten erkennen

Der Schritt zu erkennen, dass man Hilfe braucht, ist einer der schwierigsten bei einer psychischen Erkrankung. „Ein belasteter Landwirt wird selbst oftmals als letzter seine Symptome wahrnehmen“, erklärt Anne Dirksen. Sie leitet den Arbeitsbereichs Familie und Betrieb, Sozioökonomische Beratung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Anzeichen sind:

  1. Antriebslosigkeit
  2. Rückenprobleme
  3. Kopfschmerzen
  4. Schlafprobleme

Solche Symptome sind Warnsignale, bei denen ein Mediziner oder Psychologe für eine Diagnose aufgesucht werden sollte.

Landwirte in Not: Ansprechpartner finden

Landwirtschaftskammern, Bauernverbände und der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter sowie kirchliche Einrichtungen bieten für solche Fälle Hilfsangebote wie Beratungen und Sorgentelefone. In der Zusammenarbeit hat sich das Netzwerk „Landwirte in Not“ gebildet. Eine Liste von Ansprechpartnern in den einzelnen Bundesländern hat beispielsweise der „Bäuerinnentreff“ zusammengestellt. Die Berater hinter den Hotlines sind darauf geschult, Symptome zu erkennen und Kontakt zu Hilfestellen herzustellen.

Ein neues, zunehmend wichtiger werdendes Arbeitsfeld ist die Prozessberatung der Landwirtschaftskammer. „Die Landwirtschaftskammer selbst berät nicht im medizinischen Bereich. Die Mitarbeiter geben aber beispielsweise konkrete Hilfestellungen, wenn Betriebe in finanzielle Not geraten sind“, so Daniela Rixen von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein.

 

Verarbeitungsprozess von betroffenen Landwirten

Pauschallösungen gibt es nicht und allgemeine Ratschläge helfen in diesen Situationen nicht weiter. „Betroffene Landwirte sollten sich Personen ihres Vertrauens suchen, mit denen Sie Ihre Probleme besprechen können und überlegen können, welches die nächsten richtigen Schritte für Sie individuell sind“, so Rixen.

Die geschulten Mitarbeitenden der Beratungsstellen helfen mit

  1. Zuhören und einfühlsamem Nachfragen
  2. gemeinsam mit dem Anrufer Ideen zur Lösung zu entwickeln
  3. sozioökonomischer Beratung, in der Lösungswege für die Entspannung der finanziellen Lage entwickelt werden.

„Mit der entsprechenden Beratung entspannt sich auch die allgemeine Situation für die Familie oftmals erheblich“, erklärt Anne Dirksen.

Fazit: Psychische Erkrankungen bei Landwirten

Nicht jeder Landwirt, der in finanziellen Schwierigkeiten steckt, wird seelisch krank. Aber die Fälle haben zugenommen. Dienstleistungen, die zur Prävention beitragen sowie ein Netzwerk kompetenter Ansprechpartner sind sinnvoll und wichtig. Dabei geht es darum Vertrauen aufzubauen, damit Betroffene sich trauen Hilfe zu suchen. Burnout und seelische Erkrankungen sind in unserer Gesellschaft häufig stigmatisiert. Es erfordert Mut, sich einzugestehen, sich Hilfe zur Unterstützung zu holen bzw. Schamgrenzen zu überwinden.

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