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Schweinemast

Ratgeber: So übersteht Ihr Schweinebetrieb die Krise

Ruth Beverborg/LWK Niedersachsen/Katharina Krenn/agrarheute
am
04.05.2016

In diesen schwierigen Zeiten ist eine Betriebskonsolidierung zur Liquiditätssicherung umso wichtiger. Diese Strategien helfen innerbetriebliche Reserven zu eröffnen.

Weder Landwirte noch Berater wissen derzeit, wie ein zukunftsfähiger Schweinestall aussieht. Das Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung „Wege zu einer  gesellschaftlich akzeptierten Nutztierhaltung“, die anstehende Novellierung der Düngeverordnung, die Novelle des Baugesetzbuches und die Filtererlasse sind Beispiele für sich erheblich ändernde Rahmenbedingungen in der Schweinehaltung.

Diese Änderungen bewirken nicht nur Planungsunsicherheiten sondern auch erheblich höhere Kosten und einen höheren Arbeitsaufwand. Allerdings gibt es in einigen Betrieben noch große innerbetriebliche Reserven, die generiert werden könnten. "Wachstum, ohne größer zu werden" sei hier die Devise, so die Meinung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

Liquidität sicherstellen

Zunächst hat die Sicherstellung der Liquidität, d. h. die Zahlungsfähigkeit des Betriebes oberste Priorität. Liquiditätsplanungen sind hier sehr hilfreich. Außerdem gilt es, die Risiken im Betrieb zu minimieren. Überdurchschnittliche Leistungen und ausreichend Eigenkapital sind dabei die beste Absicherung.

Betriebszweigabrechnungen als Teilkosten-, besser noch als Vollkostenrechnung, für die Betriebszweige des Unternehmens und der Vergleich mit den Berufskollegen zeigen hier im Rahmen des Controllings mögliche Leistungsreserven auf.

Aufgliederung erfordert konsolidierten Abschluss

Die schweinehaltenden Betriebe sind in den vergangenen Jahren insbesondere aufgrund der Vieheinheitenregelung sowie der Baugesellschaften, gewerblichen Energiebetriebe (PV, Biogas, Wind) in immer neuen Gesellschaften und Unternehmungen gewachsen. Durch die Aufgliederung wird es für die Unternehmerfamilie aber auch für Dritte wie Berater und Banker zunehmend schwieriger, einen Überblick über die wirtschaftliche Situation des Gesamtunternehmens zu erhalten.

Nur ein sogenannter „Konzernabschluss“ oder konsolidierter Abschluss über alle Betriebe, bei dem die internen Verflechtungen, die unterschiedlichen Bilanzstichtage sowie die unterschiedlichen Umsatzsteuersysteme bereinigt werden, ermöglicht einen Überblick über

  • die Gewinnsituation,
  • die Gesamtvermögenslage und
  • die gesamten externen Verbindlichkeiten.

Dies ist gerade in derzeitigen Preiskrisen sehr wichtig.

Pacht oder Kauf einer Stallanlage: Dies gilt es zu beachten

Geht es in der langfristigen Entwicklungsstrategie um Betriebserweiterungen, so können diese aufgrund der Änderung des Baurechts im Jahr 2013 auf vielen Betrieben nicht realisiert werden. Somit wird die Zupacht oder der Kauf von Stallanlagen als Entwicklungsoption interessanter. Sowohl bei Pacht als auch beim Kauf einer Stallanlage sind viele Aspekte zu beachten:

  • So sollte der QS-Standard und die Anforderungen des Tierschutznutztierhaltungsverordnung mit einem Produktionsberater in einem solchen Stall intensiv überprüft werden.
  • Wichtig ist auch, ob dieser Stall mit oder ohne Abluftreinigung betrieben werden kann, da die Abluftreinigung neben zusätzlichen Kosten auch einen höheren Arbeitsaufwand bedingt.
  • Des Weiteren sollte der maximal zahlbare Pacht- oder Kaufpreis individuell für jeden Betrieb ermittelt werden.
  • Der Käufer sollte sich das Umfeld des Stalles und damit die Immissionslage genau ansehen. Wie ist zum Beispiel der Abstand zu Wald-, Wohn-, Gewerbe- oder FFH-Gebieten?
  • Außerdem ist die Baugenehmigung mit der genehmigten Platz- und/oder Tierzahl sehr wichtig.
  • Auch bei der Pacht sollte der Pachtpreis an den aktuell zulässigen Stallplatz gekoppelt werden, d. h. rechtliche Veränderungen der m² je Tier müssen Berücksichtigung finden.
  • Auch die Auflagen in der Baugenehmigung spielen eine entscheidende Rolle.
  • Zu guter Letzt spielen mögliche Renovierungskosten und auch die Höhe möglicher Rückbaukosten bei Aufgabe des Schweinestalles eine Rolle.

Reinigung der Abluft im Schweinestall: Das sollten Sie beachten

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