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Kartoffelvermarktung

So starten Sie 2020 richtig in die Vermarktung von Kartoffeln

Kartoffeln sortieren
am Mittwoch, 26.02.2020 - 10:26 (Jetzt kommentieren)

Ab Februar bietet die Industrie regelmäßig neue Kartoffel-Kontrakte. Lesen Sie hier, wie Sie Ihre Ware 2020 am besten vermarkten.

Alle Jahre wieder bieten die Abnehmer im Februar die neuen Kontrakte für die Lagersorten bei dem “Pommesrohstoff“ wie zum Beispiel Agria, Callenger und Fontane an. Je nach Marktsituation ändern sich die Konditionen bei den Festpreisverträgen gegenüber dem Vorjahr, einmal etwas nach unten oder, wie in den letzten beiden Jahren, bedingt durch das knappe Angebot aufgrund von Trockenheit und Hitze, etwas nach oben.

Für die genannten Sorten werden in den Festpreisverträgen sogenannte Staffelpreise aufgeführt: Die die erste Notierung beginnt im November. Sie erhöht sich dann in jeder Kalenderwoche um 5 bis 20 Cent/dt. Wichtig: Die Zuschläge einer Kalenderwoche steigen im zunehmenden Verlauf der Vermarktungskampagne.

Preisstaffel hat sich verschoben

Entwicklung der Terminmarktkurse für Kartoffeln

Für die Hauptlagersorten der Ernte 2020 werden seitens des Handels in der 17. Kalenderwoche 2021 zwischen 13,50 und knapp 15,00 Euro/dt ab Hof des Erzeugers geboten. Bei einer Direktanlieferung an die Fabrik werden in der Regel 0,50 bis 1,00 Euro/dt mehr gezahlt.

Die Konditionen liegen damit knapp auf dem Niveau des Vorjahres, jedoch zu Beginn der Vermarktungsperiode auf einem etwas niedrigeren Niveau. Dafür werden die späteren Termine im Verhältnis zum letzten Jahr besser bezahlt. Ursache für die Verschiebung der Staffelung ist vor allem das Anwendungsverbot für den Keimhemmer Chlorpropham. Dieser sicherte in der Vergangenheit die Qualität der Lagerware auch für spätere Termine wirksam ab.

Profis halten einen Teil der Menge zurück bis zum Sommer

Vergleich der Termin- und Kassamarktpreise für Kartoffeln Ernte 2019

Die Kartoffelbauern stehen jetzt also vor der Frage, in welchem Umfang sie den angedachten Anbau in den sogenannten Festpreisverträgen absichern wollen. Unstrittig ist für viele Erzeuger, dass sie einen Teil der erwarteten Ernte vor oder während der Auspflanzung mittels Festpreisvertrag verkaufen.

Kartoffelprofis „verschießen ihr Pulver“ allerdings nicht auf einmal, sondern reservieren genügend Ware für einen späteren oftmals günstigeren Vermarktungstermin, der wie die Abbildung zeigt, regelmäßig im Juni/Juli eines jeden Jahres eintritt.

In dieser Zeitspanne wurden in der Vergangenheit in 9 von 10 Jahren deutlich bessere Konditionen als im ursprünglichen Festpreisvertrag geboten. Diese Monate eignen sich vor allem für eine Terminmarktabsicherung, da die Basis in diesem Zeitraum vielfach am besten und zwar zwischen 2 bis 4 Euro/dt liegt. Das zeigt auch das praktische Beispiel aus der Ernte 2019 mit einer Basis von minus 2,50 Euro/dt. So kann der eine oder andere „terminmarktsichere“ Landwirt für die in diesem Zeitraum vermarktete Ware 2 bis 4 Euro/dt - das entspricht einem Mehrwert von 1.200 bis 2.400 Euro/ha - mehr erlösen.

Spitzenkurse meist erst von Oktober bis Dezember

Ein weiterer in fast allen Jahren günstiger Vermarktungstermin ist der Zeitraum von Oktober bis Dezember, wie die Darstellung der Terminmarktkurse der letzten 10 Jahre zeigt. Die Kurse in dem genannten Zeitraum sind in den Folgemonaten kaum noch zu „toppen“. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um ein Hoch- oder Niedrigpreisjahr handelt. Wegweisend ist, dass sich die Abnehmer in diesem Zeitraum überwiegend mit der benötigten Ware für die gesamte Verarbeitungskampagne eindecken.

Der kluge Kartoffelanbauer hält auch für die letzte Vermarktungsperiode im Frühjahr noch freie Ware zurück. Zum einen weiß er zu diesem Zeitraum ohnehin nicht genau, wieviel Ware noch in seinem Lager zur Verfügung steht. Zum anderen spekuliert er auf bessere Preise, die aber je nach Entwicklung der neuen Auspflanzung vielfach erst im Mai bis Juni zu erzielen sind.

Flexibel bleiben und Verträge einfordern

In jedem Fall beherrscht der Kartoffelprofi viele Vermarktungsinstrumente, die er je nach Zeitpunkt, Marktsituation und seinem eigenen Geschick und seiner Spekulationsfreude einsetzt. Dabei folgt jeder Kartoffelprofi einer anderen zu ihm passenden Strategie.

Vermarktungsinstrumente im Portfolio Absicherung zu Beginn im Juni/Juli im Okt-Dez
Festpreisvertrag zu Beginn der Saison
Prämienkontrakt
Mindestpreiskontrakt
 
25-45 % 30-50% 45-65%
Min.-/Max.-Vertrag 5-10% 5-10% 5-10%
Terminmarktabsicherung   5-10% 5-10%
EFP-Vertrag 5-10% 5-10% 5-10%
und auch ein Anteil freier Ware ca. 50% ca. 37,5% ca. 20%

Die im Portfolio aufgeführten Zeiträume gilt es flexibel zu nutzen. Natürlich kann bei einem attraktiven Angebot jederzeit eine Teilvermarktung erfolgen. Hauptsache, es wird geschickt agiert, und in der Vermarktungskampagne ein gehobener Durchschnittspreis erzielt.

Die aufgeführten Prämien- und Mindestpreiskontrakte werden zumeist nur von den Fabriken direkt angeboten, sind aber im Falle eines Angebotes durchaus überlegenswert.

Jeder Vertragstyp hat seine Vor- und Nachteile, aber eine Kombination optimiert in der Summe die Chancen bei begrenzten Risiken.

Übrigens: Wie kommt man an solche Verträge/Kontrakte heran? Das ist eine Frage des Forderns und des guten Willens, sowohl auf der einen als auch auf der anderen Seite, zumal doch immer wieder betont wird, dass man partnerschaftlich zusammenarbeiten will.

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