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Verbraucher und Landwirtschaft

SocialLab: Was Verbraucher von Landwirten wollen

Lebensmittel Einkauf
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Dr.Olaf Zinke, agrarheute
am
14.03.2019

Das Forschungsprojekt „SocialLab“ untersucht, wie Verbraucher, Landwirte und der Handel ticken. Die Ergebnisse wurden am Mittwoch im BMEL vorgestellt.

Die landwirtschaftliche Tierhaltung wird in der Öffentlichkeit seit Langem kritisch diskutiert. Gesellschaftliche Vorstellungen, wie mit Tieren umzugehen sei, und die moderne landwirtschaftliche Praxis liegen häufig weit auseinander.

Doch worauf legen die Verbraucher besonders viel Wert? Welche Erwartungen haben sie an tierhaltende Betriebe? Und welche Rolle kann der Handel als Bindeglied zwischen Stall und Teller spielen?

Das Verbundprojekt SocialLab, an dem acht Forschungseinrichtungen unter Federführung des Thünen-Instituts beteiligt waren, sollte Antworten finden. Am 13. März 2019 stellten die Wissenschaftler die Ergebnisse im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) vor.

Tierwohl höher bewertet als Umweltschutz

Die SocialLab-Forscher stießen in Diskussionen mit Verbrauchern schnell auf Zielkonflikte. Konsumenten müssen sich nicht nur zwischen billigen und hochpreisigen Waren entscheiden. Auch zwischen den Aspekten Tierwohl, Umweltschutz und Klimawirkungen gibt es Widersprüche.

Bei den Befragungen zeigte sich jedoch die Tendenz diese Zielkonflikte zu verdrängen. Insgesamt zeigen die Ergebnisse von SocialLab: Der Wunsch nach mehr Tierwohl steht in der Bevölkerung weit höher als alle andere Ziele. Also auch höher als Umweltziele, arbeitswirtschaftliche Ziele der Betriebe oder Aspekte der Arbeitssicherheit.

Mehr Tierwohl soll oft nicht mehr Kosten

Mastschweine-Schweinemast-Schweine

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner, hatte auf der Veranstaltung am Mittwoch die Relevanz der Ergebnisse betont. Sie sagte „Verbraucher schätzen die Vielfalt an hochwertigen Lebensmitteln in Deutschland, sie wollen regionale Produktion um die Ecke.

Gleichzeitig ist zu beobachten, dass die gesellschaftlichen Anforderungen an eben jene Produktion größer werden, besonders im Bereich der Tierhaltung. Diese Anforderungen würden es gerade aber den regionalen Kleinbetrieben, die im Wettbewerb stehen, schwer machen, zu überleben.“

Anders gesagt: Die Mehrheit ist zwar für mehr Tierwohl, aber beim Einkauf selten bereit, mehr Geld dafür auszugeben.

Klöckner: Akzeptanz der Tierhaltung verbessern

Es sind nach Einschätzung von Julia Klöckner diese Zielkonflikte, die das Projekt ‚Social Lab‘ in den Blick nimmt. Die Ministerin erwartet Antworten auf die Frage: Was wir tun können, damit die Haltung von landwirtschaftlichen Nutztieren in Deutschland eine bessere Akzeptanz findet.

Dabei spielt die Verbesserung des Tierwohls und der Nachhaltigkeit nach Einschätzung Klöckners eine entscheidende Rolle. Sie geht davon aus, dass der Erfolg von Neuerungen nicht nur auf dem Hof entschieden wird, sondern auch an der Kasse im Supermarkt – die Mehrkosten kann jedoch nicht alleine der Landwirt tragen.

Klöckner betont noch einmal die Wichtigkeit, bei Verbrauchern und bei Landwirten Bewusstsein zu schaffen, für die Position des jeweils anderen.

Zielkonflikte auch auch bei Landwirten

In dem Forschungsprojekt wird ein breiter Methodenmix eingesetzt. So kommen die Wissenschaftler zu differenzierten Aussagen hinsichtlich Verbrauchererwartungen und Verbraucherverhalten. Ebenso werden die Einstellungen der Landwirte und die Möglichkeiten des Lebensmitteleinzelhandels analysiert.

Zielkonflikte gibt es nicht nur bei den Konsumenten, sondern auch in den landwirtschaftlichen Betrieben. An welchen Stellschrauben sollen Landwirte drehen, ohne an den Verbraucherwünschen vorbei zu produzieren? Und wie viel Mehrkosten können sie sich leisten, wenn unklar ist, ob ihnen diese auch finanziert werden?

Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass auch die Landwirten ein Mehr an Tierwohl befürworte. Allerdings nehmen sie die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen dafür als wenig förderlich wahr.

Abschlussbericht: SocialLab – Nutztierhaltung im Spiegel der Gesellschaft

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