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Energiekrise und Solarstrom

Solarspeicher mit Notstromfunktion – die Rettung bei Stromausfall?

Solarpanels - Montage auf dem Dach.
am Dienstag, 20.09.2022 - 10:01 (8 Kommentare)

Der Stromspeicher meiner Solaranlage hat eine Notstromfunktion. Er kann mich vor den Folgen einer Stromabschaltung durch die Netzagentur bzw. den Stromversorger schützen. Und der Speicher kann im besten Fall das ganze Haus weiter mit dem Strom versorgen, den die Solaranlage erzeugt.

Stromspeicher.

Wer wünscht sich das nicht: In der Anleitung meines Solarspeichers lese ich, dass er über eine „leistungsstarke Not-/Ersatzstrom - und Off-Grid-Funktionalität verfügt. Off Grid bedeutet auf deutsch, dass die gesamte Solaranlage auch als Insellösung komplett ohne das Stromnetz arbeiten kann.

Üblich ist aber, dass alle Solaranlagen ans Netz angeschlossen werden. Sie speisen entweder ihren Überschuss-Strom ein oder sie geben den erzeugten Strom komplett ans Netz ab. Die Unternehmen, die solche Speicher herstellen, wie zum Beispiel die BYD Batteriebox oder auch Varta, werben damit, dass ihre Speicherbox durch die integrierte Notstromfunktion auf einer oder drei Phasen, den gesamten Haushalt bei Stromausfall versorgen kann.

Voraussetzung dafür ist nach Aussagen der Hersteller ein zum Speicher kompatibler Hybrid- oder Speicher-Wechselrichter, der auch eine Notstrom- und Off-Grid Funktion unterstützt. Testen kann man das Abschalten des Netzes als Verbraucher oder Landwirt allerdings nicht.

Und auch die Installations-Firmen geben (nach der Installation) eher ausweichende oder allgemeine Antworten. Deshalb ist auch die Funktionssicherheit im Notfall schwer zu überprüfen. Ich habe mich trotzdem mit den Aussagen der Techniker und der Speicherhersteller auseinandergesetzt. Ganz einig ist man sich über die technischen Möglichkeiten im Fall einer wirklichen Abschaltung offenbar nicht.

Notstrom, Ersatzstrom und spezielle Speicher

Bei einem echten Notstromsystem handelt es sich um ein System, dass bei Stromausfall unterbrechungsfrei und vollautomatisch sofort auf Selbstversorgung umschaltet. Das ist in der Regel in Krankenhäusern oder wichtigen Infrastrukturgebäuden der Fall. In einem Privathaus sprechen Techniker hingegen von einer Ersatzstromversorung.

Der Grund: Der Ersatzstrom ermöglicht zwar die Versorgung des Hauses und seiner Geräte im Notfall, er wird jedoch nicht unbedingt so zeitkritisch benötigt. Der technische Aufwand für diese Art der Bereitstellung von Ersatzstrom ist deshalb geringer als für Notstrom (und billiger). Soll bei Stromausfall das Haus weiterhin mit Strom versorgt werden, muss also ein System mit Ersatzstromversorgung installiert werden.

Die Stromspeicher müssen dann für diesen Zweck geeignet sein und können bei Abschaltung des öffentlichen Stromnetzes das Haus wirklich mit Strom versorgen. In solch einem Fall wird das Haus dann durch den Wechselrichter vom öffentlichen Stromnetz getrennt und auf den hausinternen Batteriespeicher umgeschaltet.

Wichtig ist auch die Frage: Ist bei Netz-Abschaltung auch eine solare Nachladung des Stromspeichers möglich.

Offenbar sind zum Nachladen unter diesen Bedingungen nämlich nicht alle ersatzstromfähigen Speicher in der Lage. Fakt ist: Nur mit einem dreiphasigen Ersatzstrom ließe sich das gesamte Haus weiter mit Strom versorgen, bis das Netz wieder verfügbar ist.

Techniker weisen außerdem darauf hin, dass neben der Funktionalität von Speicher und Wechselrichter auch eine Notstromabschaltung im Hauptverteiler eingebaut sein muss. Diese verhindert, dass der selbst erzeugte Sonnenstrom in das nicht mehr funktionierende öffentliche Netz fließt. Außerdem können alle Arbeiten am Verteilernetz so gefahrlos durchgeführt werden.

„Schwarzstartfähig“ und andere Rätsel

Die Notstromfunktion hat nach Angaben der Hersteller allerdings Grenzen: Große Verbraucher wie etwa Elektromotoren lassen so nicht betreiben oder laden, sagen Techniker. Außerdem steht der Notstrom natürlich nur zur Verfügung, wenn  die Sonne scheint und die Batterie aufgeladen werden kann.

Liegt im Winter Schnee auf dem Dach und der Stromspeicher ist leer, dann nutzt auch die Notstromfunktion nichts. In diesem Fall hilft nur: ein dieselbetriebenes Notstrom-Aggregat.

Techniker verweisen noch auf einen anderen Aspekt: Sämtliche Komponenten müssen für einen Betrieb im Notstrommodus auch „schwarzstartfähig“ sein. Ursprünglich war diese Fähigkeit auf einen Kraftwerkblock bezogen: Dieser sollte unabhängig vom Stromnetz aus dem abgeschalteten Zustand wieder hochzufahren sein. Das alles können die neuen PV-Speicher und Wechselrichter – theoretisch.

Bei meiner Solaranlage steht das jedenfalls in den technischen Unterlagen. Ob auch alle anderen technischen Voraussetzungen für einen praktischen Notstrombetrieb erfüllt werden, weiß ich nicht so genau. Meine Installationsfirma hat mir jedenfalls noch nicht gesagt, ob es im Ernstfall auch praktisch funktioniert und nicht nur theoretisch.

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