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Saisonarbeit

Im Spargel fehlen Arbeitskräfte

Spargel
am
17.05.2019

Den deutschen Spargelbauern gehen die Erntehelfer aus. Viele Osteuropäer finden inzwischen zu Hause Arbeit. Jetzt müssen zügig Lösungen her, sonst ist der deutsche Spargelanbau in Gefahr.

Die Deutschen lieben Spargel über alles. Laut Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BLE) hat 2017/18 jeder von uns im Schnitt 1,7 kg von dem – meist weißen – Edelgemüse verzehrt. Und mit einer Erntemenge von 131.000 t lagen wir im vergangenen Jahr an Europas Spitze. Der Selbstversorgungsgrad steigt seit Jahren und hat mittlerweile die 80-Prozent-Marke überschritten.

Doch genau da beginnt das Problem: Es wird immer mehr Spargel angebaut hierzulande. Und gleichzeitig wird es für die Landwirte von Jahr zu Jahr schwerer, genügend Saisonarbeitskräfte für die Ernte zu finden.

Erntehelfer finden daheim Jobs

Spargelernte ist ein hartes Brot. Den ganzen Tag im Akkord in gebückter Stellung Stangen stechen – das wollen und können viele Arbeitskräfte hierzulande nicht.

Seit vielen Jahren behelfen sich die Spargelbauern daher mit Saisonarbeitern vornehmlich aus Ost- und Südosteuropa. Doch während vor wenigen Jahren auf den Feldern noch fast ausschließlich Polnisch und Rumänisch gesprochen wurde, hat sich die Situation in jüngster Zeit geändert. Die ehemaligen Erntehelfer aus den östlichen EU-Staaten finden inzwischen daheim Arbeit. Nicht selten merken die Spargelanbauer in Deutschland erst, dass ihre angemeldeten Helfer nicht kommen, wenn die Ernte bereits vor der Tür steht.

"Die Lage ist dieses Jahr denkbar schlecht", erklärt Miriam Adel vom Spargel-Erzeugerverband Franken gegenüber dpa. In Bayern habe man viele Erntehelfer erst kurz vor Saisonbeginn gefunden.

Schrumpfung der Anbauflächen droht

Hans Lehar, Geschäftsführer der Bruchsaler Obst- und Gemüse-Absatzgenossenschaft Nordbaden (OGA), sieht die Politik in der Pflicht, soll es nicht zu größeren Einbrüchen beim hiesigen Spargelanbau kommen. Man werde künftig verstärkt nach Arbeitskräften außerhalb der EU suchen müssen. Dafür seien praktikable Wege zu finden.

Ein weiteres Problem sieht Lehar bei den Mindestlöhnen, die es den Spargelbetrieben hierzulande schwer machten, mit Anbauern aus beispielsweise Portugal oder Spanien zu konkurrieren. Reagiere die Politik nicht, rechne er in den kommenden Jahren mit einem Rückgang der deutschen Spargelflächen um rund ein Drittel.

Arbeitsagentur führt Gespräche in Drittländern

Die Bundesagentur für Arbeit hat nach eigenen Aussagen das Problem erkannt und arbeitet daran. Sie stehe im Kontakt mit anderen Ländern, um mehr Saisonarbeitskräfte zu gewinnen. "Anfang 2019 haben erste konkrete bilaterale Gespräche mit den ausländischen Arbeitsverwaltungen für entsprechende Vereinbarungen begonnen", sagte eine Sprecherin gegenüber dpa. Es müssten allerdings noch viele Fragen zu diesem Thema geklärt werden. Das brauche Zeit.

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