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Sozialversicherung

Darum steigen die Krankenkassenbeiträge so stark

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Josef Koch, agrarheute
am
28.01.2019

Die neuen Beitragsrechnungen für die LKK sind für viele Landwirte ein Schock. Die Krankenversicherung wird kräftig teurer.

Geldstücke und eine Kette mit der Aufschrift Sozialversicherung

Das war für viele Landwirte ein Schock im neuen Jahr. Die Beiträge für die Landwirtschaftliche Krankenkasse (LKK) sind deutlich gestiegen. Manche Bauern klagen über rund 20prozentige Erhöhungen, obwohl sich im Betrieb nichts geändert habe.

Laut Bayerischem Bauernverband (BBV) steigen für fast alle Unternehmer und mitarbeitende Familienangehörige die Beiträge - selbst bei unveränderten Betriebsverhältnissen - um mindestens 14 Prozent. Freiwillig Versicherte mussten ähnliche Beitragserhöhungen hinnehmen.

Die diesjährigen Beitragserhöhungen in diesem Umfang müssen eine Ausnahme bleiben. Das fordert der Bayerische Bauernverband (BBV). Gesetzliche Leistungsverbesserungen und zusätzliche Satzungsleistungen müssen jedoch auch künftig über die Beiträge finanziert werden.

Derartige Beitragserhöhungen sind laut BBV selten. Das sind die Ursachen.

Höhere Ausgaben

Die Beiträge sind so zu bemessen, dass sie die zu erwartenden Ausgaben decken. Dabei sind verschiedene Faktoren zu berücksichtigen:

  • die neuen Werte der Arbeitseinkommensverordnung Landwirtschaft (AELV),
  • die Kopplung des Höchstbeitrags der Unternehmer in der Beitragsklasse 20 an den Höchstbeitrag in der allgemeinen Krankenversicherung,
  • die rückläufige Entwicklung der Mitgliederzahlen sowie
  • die zu erwartenden Leistungsausgaben.

Gerade die steigenden Leistungsaufwendungen, unter anderem Mehrbedarfe bei Betriebs- und Haushaltshilfe und häuslicher Krankenpflege, und das Bilden einer Altersrückstellung bei gleichzeitigen Mindereinnahmen durch die AELV 2019 machen Beitragserhöhungen unumgänglich.

Zusätzlich sind Mindereinnahmen bei den freiwilligen Mitgliedern aufgrund gesetzlicher Vorgaben auszugleichen. So ist die Mindestbemessungsgrundlage für hauptberuflich selbständig tätige freiwillige Mitglieder abgesenkt worden. Insgesamt sind dadurch zusätzlich 40 Mio. Euro durch Beiträge zu finanzieren.

Verschobene Beitragserhöhung

Der Beitragskalkulation für das vergangene Jahr lagen zu optimistische Annahmen zur Ausgabenentwicklung zugrunde. Es entstand ein Fehlbetrag von 22 Mio. Euro.

Höhere Beiträge zur Pflegeversicherung

Die verbesserten Leistungen führten in der Pflegeversicherung zu einer Anhebung des Pflegeversicherungsbeitrages von 2,55  auf 3,05 Prozent. Das ist ein Beitragsplus von 20 Prozent. Dieser Beitragssatz gilt in der landwirtschaftlichen Pflegeversicherung zwar nur indirekt, erhöht aber den Beitragszuschlag zur Pflegekasse dennoch deutlich.

Verwaltungskosten sind nicht schuld

Mit schlechtem Wirtschaften oder zu hohen Verwaltungskosten hat die Beitragserhöhung laut Sozialversicherung für Landwirtschaft und Gartenbau (SVLFG) nichts zu tun. Da würde sich auch ganz schnell das Bundesversicherungsamt als Aufsichtsbehörde der LKK einschalten.

Die Verwaltungskosten der LKK liegen bei weniger als 5 Prozent des gesamten Ausgabevolumens. Einen Vergleich zu privaten Versicherungsunternehmen, bei denen Verwaltungskosten von bis zu 15 Prozent anzutreffen sind, muss die LKK daher nicht scheuen.

Im Übrigen sind Verwaltungskosten von 5 Prozent bei der Beitragskalkulation nur von untergeordneter Bedeutung.

Günstigere Beiträge in höchster Klasse

Die SVLFG betont, dass die LKK im Vergleich zu anderen gesetzlichen Krankenversicherungen immer noch günstiger ist, zumindest in der höchsten Beitragsklasse 20.

So liege der Höchstbeitrag der LKK für Unternehmer (BKL 20) auch in diesem Jahr etwa 10 Prozent unter dem Höchstbeitrag aller anderen gesetzlichen Krankenkassen. Auch die Beiträge der LKK für Freiwillige bleiben trotz der deutlichen Beitragserhöhung vergleichsweise günstig.

Aufgrund der besonderen Beitragssysteme der LKK ist ein Vergleich mit den anderen gesetzlichen Krankenkassen nicht einfach. In jeder Beitragsrechnung für Unternehmer ist jedoch der „korrigierte Flächenwert“ als Ersatzeinkommen ausgewiesen.

Berechnen Sie selbst, ob Ihr Beitrag danach vergleichsweise günstig ist. Und berücksichtigen Sie, dass Unternehmer außerhalb der LKK sich gesetzlich nur freiwillig versichern können. Den Beiträgen werden dabei „alle Einnahmen zum Lebensunterhalt“ zugrunde gelegt, also auch Einnahmen aus Vermietungen und Verpachtungen, Biogas- und Solaranlage.

Fälligkeiten beachten

Für das Kalenderjahr 2019 sind die Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge an folgenden Terminen fällig. 

Monat Jan Feb März April Mai Juni Juli Aug Sept Okt Nov Dez
Fälligkeitstag
Drittletzter Bankarbeitstag
29. 26. 27. 26. 28. 26. 29. 28. 26. 29. 27. 23.

Landwirte sollten die Termine einhalten. Sonst kann es teuer werden. Wer seine Beiträge nicht pünktlich zahlt, bei dem sind Säumniszuschläge von 1 Prozent der auf volle 50 Euro abgerundeten Beitragsforderung für jeden angefangenen Monat fällig.

Rückständige Beiträge muss die landwirtschaftliche Krankenkasse gebührenpflichtig anmahnen und zwangsweise einziehen.

 

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