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Pachtmarkt und steigende Kosten

Steigende Pachtpreise sorgen für viel Unruhe bei den Bauern

Traktor auf dem Acker.
am Montag, 22.03.2021 - 08:30 (2 Kommentare)

Die Pachtpreise werden für Bauern kräftig steigen. Das zeigen alle wichtigen Indikatoren am landwirtschaftlichen Bodenmarkt.

Pachtpreise.

Dabei sah es im vorigen Jahr noch nach einer Konsolidierung der Pacht- und Bodenpreise aus. Doch davon ist nun keine Rede mehr. Aus den USA meldete man den stärksten Anstieg der Boden- und Pachtpreise seit gut sechs Jahren – ähnlich ist die Entwicklung bei den Briten. Zwar bewegt sich der deutsche Bodenmarkt etwas langsamer als in Amerika oder im Vereinigten Königreich – doch die grundlegenden Trends dürften dieselben sein.

Das heißt: Eine Konsolidierung der Pachtpreise wird es nicht geben. Nach den Daten des Testbetriebsnetzes Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL) haben sich die Pachtpreise für die deutschen Bauern allein in den letzten 10 Jahren um knapp 50 Prozent verteuert. Der kräftigste Anstieg erfolgte in den Jahren 2012 bis 2015. Das war ebenfalls eine Boom-Phase der Agrarpreise und der landwirtschaftlichen Einkommen.

Danach schwächte sich die Preisdynamik bei den Pachten und den Bodenpreisen, wegen der schrumpfenden landwirtschaftlichen Einkommen, wieder etwas ab. Doch nun könnte es erneut zu einem stärkeren Preisauftrieb am Bodenmarkt kommen – denn die auslösenden Faktoren sind ähnlich und die landwirtschaftlichen Flächen sind noch knapper und begehrter.

„Die beiden Hauptfaktoren, die die Preise für Ackerland und für die Verpachtung treiben – sind landwirtschaftliche Einkommen und Zinsen – und die wirken beide derzeit sehr stark“, sagte der US-Ökonom Brent Gloy. Dahinter steckt zum einen die gewaltige Agrarpreisrallye der letzte Monate, die auch in Deutschland die Getreidepreise auf lange nicht gekannte Höchststände trieb.

Hinzu kommt: Die bis dahin unvorstellbare Geldflut der Zentralbanken zur Bewältigung der Corona-Krise – bei extrem niedrigen Zinsen. Das macht den Kauf und die Verpachtung von Ackerland (auch für viele außerlandwirtschaftliche Investoren) zu einer äußerst attraktiven Geldanlage, mit einer höheren und vor allem sichereren Rendite als bei andereren Anlagen.

Höfesterben: Weichen oder teuer pachten?

Pachtpreise.

Neben den globalen Faktoren, gibt es aber auch andere Ursachen, die die Pachtpreise nach oben treiben. Dazu zählt für die meisten Bauern der ökonomische Zwang, des andauernden Wachsen Müssens. Dieser anhaltende Wettbewerb treibt viele Landwirte letztlich in den Ruin und ist mitverantwortlich für das Höfesterben.

In einigen Regionen – etwa in Niedersachsen, Westfalen oder Teilen Bayerns, wurde die Schallmauer vierstelliger Pachtpreise längst durchbrochen. Die ständige Verteuerung der Pachtpreise trifft vor allem die wachstumswilligen Bauern, die auf gepachtete Flächen angewiesen sind. Immerhin liegt der Anteil von Pachtland an der insgesamt bewirtschafteten Fläche bundesweit bei rund 60 Prozent. Wachstum und Weiterentwicklung der Betriebe ist in der Regel also nur über Zupacht möglich.

Doch gerade kleine Betriebe können die hohen Preise angesichts steigender Bewirtschaftungsauflagen, explodierender Kosten und sinkender Margen nicht zahlen – sie müssen aufgeben, auch wegen der hohen Pachten. „Es wird immer schwieriger, weil man das Geld, das man in der Landwirtschaft verdient, eigentlich dem Verpächter gibt“, sagt Josef Kroll, Landwirt und Kreisobmann des Bauernverbands für Eichstätt gegenüber dem Bayerischen Rundfunk.

Angeheizt wird der Pachtmarkt durch viele Faktoren: Ausgangspunkt ist jedoch, dass landwirtschaftliche Flächen nicht vermehrbar sind, die Nachfrage aber stark wächst. Das führt am Ende zu einem schärferen Wettbewerb, um die noch verfügbaren Flächen und zu kräftig steigenden Preisen.

Dabei stehen beileibe nicht nur Landwirte miteinander in Konkurrenz. Der Wettbewerb wird auch durch Kommunen, den Staat, die Energiewirtschaft und außerlandwirtschaftliche Investoren angeheizt. Fakt ist: Allein von 2004 bis 2019 gingen in Deutschland über 650.000 Hektar Agrarfläche für den Bau von Siedlungen, Gewerbegebieten und Straßen verloren, bei einer Gesamtfläche von etwa 16,6 Millionen Hektar.

Kommunen bauen Wohngebiete und enteignen Bauern

Feldarbeiten.

Ein immer drängenderes Problem für die Bauern ist der Flächenverbrauch durch die Kommunen und den Staat. Dazu gehören in Zeiten knappen Wohnraums vor allen der großflächige Neubau von Wohnanlagen oder die Errichtung ganzer Stadtviertel oder auch von Gewerbegebieten. Auch Bau von Straßen oder Stromtrassen fällt in diese Kategorie.

„Diese Expansionen finden meist auf unseren Flächen statt und der Flächenverbrauch der Kommunen und der Wirtschaft zählt mittlerweile zu unseren größten Problemen“, sagt Manfred Zelder, Vorsitzender des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau gegenüber der Regionalzeitung Volksfreund. Der Landwirt schätzt, dass den Bauern und Winzern im Landkreis Bernkastel Wittlich aufgrund dieser Entwicklung „inzwischen jeder dritte Hektar fehlt“.

agrarheute hat über geplante Enteignung von Landwirten durch die Kommunen in Wiesbaden und im Raum München für die Errichtung von neuen Wohngebieten berichtet. Doch auch in anderen Regionen ist die Situation ähnlich – wenn auch nicht ganz so spektakulär.

„Wir erleben, dass Ackerland nicht nur von Landwirten aufgekauft wird, Kommunen haben einen steigenden Bedarf nach Ausgleichsflächen. Oder sie legen eine Reserve an, um sie später als Bauland oder für Gewerbebetriebe anbieten zu können“, sagt Volker Röge, von der Regionaldirektion des Landesamtes für Geoinformation und Landesvermessung in Niedersachsen gegenüber dem Weser-Kurier.

Röge geht in einer Marktübersicht für die Region Verden davon aus, dass etwa zehn Prozent der landwirtschaftlichen Flächen in der Region von den Städten und Gemeinden erworben werden. Das betrifft etwa ein Viertel aller Kauffälle.

Ökologische Ausgleichsflächen intensiveren die Produktion

Traktor auf  dem Feld.

Zusätzlich verknappt wird das Angebot am Pachtmarkt auch durch die Schaffung sogenannter ökologischer Ausgleichsflächen. Dort gehen der Landwirtschaft wertvolle Ackerflächen verloren, die etwa zu Weideflächen oder Streuobstwiesen umgewandelt werden müssen. Je weniger Fläche die Landwirte zur Verfügung haben, je intensiver müssten sie die verbliebenen Flächen aber bewirtschaften, sagt Landwirt Zelder. Und der Wettbewerb, um die noch verfügbaren Fläche, wird weiter angeheizt.

Bei den Acker- und Weideflächen ist keine Trendwende in Sicht“, sagte dazu Gerd Ruzyzka-Schwob, Vorsitzender des Gutachterausschusses in Sulingen-Verden und Dezernatsleiter Wertermittlung und Bodenordnung gegenüber dem Weser-Kurier im vorigen Jahr. „Wir gehen davon aus, dass es wegen der Unsicherheiten in der Landwirtschaft nur eine kurze Atempause geben wird. Dann werden die Preise wieder steigen“, sagte Ruzyzka-Schwob.

Damit haben die Gutachter auf jeden Fall Recht gehabt. Dabei wirkt sich bei der Preisbildung, neben der Lage der Pachtflächen, offenbar auch die Größe der Fläche aus. Je größer die Pachtfläche ist, desto höher ist der geforderte und gezahlte Pachtpreis.

Solaranlagen auf Ackerland – Pachtpreis 3000 Euro

Solarpark.

Und es gibt noch einen Grund für steigende Pachtpreise: Die Konkurrenz der landwirtschaftlichen Flächennutzung mit der grünen Energie. Treiber ist hier das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), dass über 20 Jahre feste Abnahmepreise für Strom aus Biogasanlagen, Solarparks und Windkraft garantiert, sagt beipspielsweise das Bundesinformationszentrum für Landwirtschaft (BZL) in einer Marktübersicht.

Nachdem der Ausbau der Windenergie zuletzt jedoch ins Stocken geraten ist, wächst die Baubauung von landwirtschaftlichen Flächen mit großen Solarparks kräftig – und das leider auch auf fruchtbarem Ackerland – agrarheute hat darüber berichtet. Dort werden den Verpächtern von Energieunternehmen und anderen Betreibern Pachtpreise zwischen 2000 und 3000 Euro je Hektar für einen 20-Jahrezeitraum geboten. Solche Summen kann ein landwirtschaftlicher Betrieb kaum erwirtschaften.

Und ein weiterer Treiber der Pachtpreise darf nicht vergessen werden: Die neue Düngerverordnung. Ihre Vorgaben für die Ausbringung von Gülle führen ebenfalls zu einem höheren Flächenbedarf und treibt die Pachtpreise. Je nach Größe des Tierbestandes ist eine gewisse Fläche zur Gülleausbringung nötig. Will der Betrieb jedoch wachsen, dann wächst natürlich auch der Flächenbedarf.

Aus diesen Grund sind sind die Pachtpreise in den Zentren der deutschen Tierhaltung, etwa in Niedersachsen oder in Westfalen, besonders hoch – und können in einen Regionen mittllerweile deutlich über 1000 Euro liegen.

Alles in allem bleibt die Situation vor allem für wachstumswilige Betriebe sehr angespannt – und dürfte sich eher noch zuspitzen, wenn die Preise für Neupachten wieder stärker steigen - was sich derzeit jedenfalls deutlich abzeichnet Vor allem kleinere Höfe werden auf diese Weise über kurz oder lang aus dem Markt gedrängt.

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