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Landwirtschaft und Umwelt

Studie: Halbierung der Treibhausgase in der Landwirtschaft möglich

Klima und Landwirtschaft
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Dr.Olaf Zinke, agrarheute
am
11.04.2019
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Eine Studie hält die Senkung der Treibhausgase aus der Landwirtschaft um bis zu 50 Prozent bis 2050 für möglich. Dafür sind jedoch erhebliche Änderung der landwirtschaftlichen Praktiken und eine Umstellung der Ernährung mit Fleisch und Milchprodukten nötig.

Zur Abschätzung des Minderungspotentials haben die Forscher unterschiedlich hohe CO2-Preise für die landwirtschaftlichen Emissionen unterstellt. Diese reichten von 20 USD je t bis zu 950 USD je t. Erst im letzten Szenario schrumpft der landwirtschaftliche THG-Ausstoß um 50 Prozent. 

Der Agrarsektor ist die weltweit größte Quelle von Treibhausgas-Emissionen, die keine CO2-Emissionen darstellen. Gemeint sind Methan und Lachgas. Die vom Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA) durchgeführte Studie hat ergeben, dass eine Änderung der landwirtschaftlichen Praktiken und eine Umstellung der Ernährung, die Emissionen des Sektors bis 2050 um bis zu 50 Prozent reduzieren können.

Das Team um den IIASA-Forscher Stefan Frank hat eine erste detaillierte Analyse der Reduzierung der CO2-Emissionen in der Landwirtschaft anhand einer Kombination von verschiedenen globalen Wirtschaftsmodellen durchgeführt. Bei diesen Modellen wurde das entsprechende Reduktionspotenzial ermittelt.

Verschiedene Szenarien untersucht

wolken

Die Wissenschaftler verwendeten in allen Modellen einen CO2-Preis, um das Minderungspotenzial jeder Option abzuschätzen. Allerdings betont Frank auch, dass Kohlenstoffsteuern in der Realität nicht als wahrscheinliches politisches Instrument für den Agrarsektor gelten.

"Wir haben Einblicke in den Beitrag verschiedener THG-Minderungsoptionen gewonnen und identifizieren dadurch robuste Strategien zur Emissionsreduzierung - sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite", sagt er weiter.

Bereits bei relativ niedrigen CO2-Kosten von 20 USD je t könnten die Methan- und Lachgasemissionen im Agrarsektor bis 2050 um bis zu 15 Prozent reduziert werden. Das entspräche insgesamt 0,8 bis 1,4 Gigatonnen (Gt) Kohlendioxidäquivalent pro Jahr.

CO2-Preis von 950 USD bringt Reduktion von 50 Prozent

Feld Staub

Außerdem gehen Stefan Frank und sein Team davon aus, dass eine Ernährungsumstellung in den stark konsumierenden (westlichen) Ländern zu einer zusätzlichen THG-Senkung von 0,6 Gt CO2 je Jahr und einer Verringerung der Gesamt-Emissionen um 23 Prozent führen würde.

Bei ihrer Untersuchung verwendeten die Forscher acht unterschiedliche "Kohlenstoff-Preis-Trajektorien"  - also spezielle ökologische bzw. technologische Entwicklungsverläufe.

Dabei reicht die Spanne der möglichen CO2-Bepreisung von 20 USD je t bis zu 950 USD je t, um das wirtschaftliche Emissions-Reduktionspotenzial des Sektors abzuschätzen. Es wird angenommen, dass der höchste Wert der Preis ist, der erforderlich wäre, um das Ziel der Klimastabilisierung von 1,5 Grad Celsius in allen Wirtschaftssektoren zu erreichen.

Die Landwirtschaft könnte bei den höchsten CO2-Preisen von 950 US USD je t bis 2050 eine Emissionsminderung von 3,9 Gt je Jahr erreichen. Das wären rund 50 Prozent weniger als das Ausgangsszenario.

Produktivität schneller gestiegen als die Emissionen

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Methan- und Lachgasemissionen aus der Landwirtschaft machen derzeit 10 bis 12 Prozent der anthropogenen Treibhausgasemissionen aus. Und dieser Prozentsatz steigt nach Einschätzung der Wissenschaftler weiter. Grund ist nach Meinung der Forscher der verstärkte Einsatz von Kunstdünger und die weltweit wachsende Anzahl von Wiederkäuern.

Seit 1990 sind die landwirtschaftlichen Emissionen um ein Drittel gestiegen. Die Daten zeigen jedoch auch, dass die landwirtschaftliche Produktion im gleichen Zeitraum um 70 Prozent gewachsen ist, weil die Landwirtschaft mit der Zeit offenbar immer effizienter wird.

Wenn die Welt das im Pariser Abkommen festgelegte Ziel der Klimastabilisierung erreichen soll, müssen diese Emissionen jedoch sinken, sagen die Wissenschaftler. Die Rindfleisch- und Milchproduktion ist nach dem Urteil der Forscher besonders treibhausgasintensiv und hat bei allen Modellen und CO2-Preisszenarien das Potenzial, mehr als zwei Drittel zum gesamten Klimaschutzpotenzial in der Landwirtschaft beizutragen. 

Verschiedene Reduktions-Strategien

Stefan Frank und seine Kollegen identifizierten insgesamt drei Bereiche zur THG-Minderung auf der Angebotsseite. Das sind: (1) technische Optionen wie Ergänzungsfuttermittel zur Verbesserung der Verdaulichkeit von Futtermitteln oder anaerobe Fermenter,

(2) strukturelle Optionen, die grundlegendere Änderungen in der Landwirtschaft bewirken, wie etwa Änderungen der Arten und Bestände an Nutzpflanzen und Nutztieren sowie (3) Produktionseffekte wie Änderungen im Produktionsniveau.

Bei den Optionen auf der Nachfrageseite wurden außerdem die Verbraucher in Industrie- und Schwellenländern eine Ernährung mit weniger tierischen Produkten "umgestellt."  

"Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels in Regionen wie Afrika, China, Indien und Lateinamerika und eine Senkung der Produktion von Rindfleisch und Milch, die sich durch relativ hohe Emissionsintensitäten auszeichnen, würden große Einsparungen bei den Emissionen von der Angebotsseite ermöglichen,“ sagt Frank außerdem. 

Irgendwann hilft nur noch Verbrauchssenkung

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Die Modelle zeigen außerdem, dass mit steigenden CO2-Preisen die technischen und strukturellen Optionen erschöpft sind. Danach können Emissions-Reduzierungen durch die Verringerung der Produktion und des Verbrauchs von treibhausgasintensiven Produkten wie etwa Fleisch und Milch erreicht werden. 

Die Forscher sagen weiterhin: "Wenn außerdem die Nachfrage in besonders stark konsumierenden Ländern sinkt, werden weniger Stickoxide und Methan freigesetzt, während gleichzeitig auch eine ausgewogenere Verteilung der Kalorienzufuhr von Fleisch und Milchprodukten in anderen Weltregionen erzielt wird." Die Modelle stimmen außerdem darin überein, dass eine Ernährungsumstellung nur einen Teil der Anstrengungen leisten kann, die erforderlich sind, um das Ziel der Klimastabilisierung von 1,5 Grad Celsius zu erreichen.

IIASA-Forscher und Mitautor Petr Havlík fordert deshalb, dass "die politischen Entscheidungsträger vor allem die produktionsseitigen Maßnahmen nicht vergessen sollten, die in dieser Studie die große Mehrheit des Minderungspotenzials darstellen."

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