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Landwirtschaft und Strukturwandel

Studie: Das Höfesterben ist noch lange nicht zu Ende

Milchbauer
am Freitag, 14.02.2020 - 10:20 (Jetzt kommentieren)

Das Höfesterben in Deutschland hört nicht auf. Bis 2040 soll sich die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe mehr als halbieren.

Von derzeit noch 267.000 Höfen blieben dann nur noch etwa 100.000 übrig. Gleichzeitig wird die durchschnittliche Betriebsgröße spürbar zulegen. Davon gehen die beiden Analysten der DZ-Bank Claus Niegsch und Michael Stappel in einer aktuellen Neuauflage ihrer Studie vom Dezember 2017 aus.

Fazit der beiden DZ-Bank-Analysten ist: „Langfristig droht die Abkehr vom Jahrhunderte alten Modell des bäuerlichen Familienbetriebs, den selbstständige Bauern, kleine Betriebseinheiten und mithelfende Familienangehörige kennzeichnen.“

Gleichzeitig erwarten die beiden Autoren dass große, kapitalintensive und betriebswirtschaftlich organisierte Agrarbetriebe, die modernste Technik einsetzen, künftig die deutsche Landwirtschaft prägen werden.

Bauernhöfe wie Industriebetriebe?

Trecker Feld

Niegsch und Stappel kommen in ihrer Untersuchung zu dem Schluss, dass sich am wirtschaftlich-technischen Strukturwandel weiterhin nichts ändern wird. Vielmehr gehen die Autoren davon aus, dass die Rahmenbedingungen in der Landwirtschaft einen kräftigen Entwicklungsschub bewirken.

Die Führung eines Agrarbetriebs gleicht nach Einschätzung der Autoren immer mehr der eines Industrieunternehmens. Zu den wichtigsten Impulsgebern für den neuen Veränderungsschub zählen sie die Digitalisierung, sowie der bevorstehende Eintritt der geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand.

Hinzu kommen Ernährungstrends – wie ökologische, vegetarische oder vegane Lebensmittel. Angetrieben von den veränderten Ernährungsgewohnheiten und den Umweltschutzauflagen gewinnt nach Auffassung von Niegsch und Stappel die Öko-Landwirtschaft zudem weiter an Bedeutung. Die Autoren glauben deshalb, dass die längerfristigen Aussichten für Bio-Landwirte – als bäuerliche Betriebe zu überleben - besser sind als für die konventionellen Bauern.

Entweder wachsen oder weichen

Landwirt

Die Ursachen für die Entwicklung hin zu immer weniger, aber dafür größeren landwirtschaftlichen Betrieben sind nach Einschätzung von Niegsch und Stappel vielfältig. Ein wesentlicher Grund ist der enorm gestiegene wirtschaftliche Druck. Eine Möglichkeit auf diesen Kostendruck zu reagieren, ist danach die Realisierung von Größenvorteilen, schreiben die Autoren der Studie.

Von dieser Entwicklung ganz besonders betroffen sind die westdeutschen Betriebe. In Osdeutschland weisen die Betriebe hingegen bereits eine hohe durchschnittliche Betriebsgröße auf, heißt es in der Studie. Allerdings sorgte der Übergang in die Marktwirtschaft im Osten für einen erheblichen Verlust von landwirtschaftlichen Arbeitsplätzen, stellen die Autoren fest.

Niegsch und Stappel kommen zu dem Fazit: Eine zunehmende Größe ermöglicht den Betrieben leichter Investitionen vorzunehmen. Neben der Vergrößerung der Betriebe reagieren viele Landwirte außerdem auch mit der Spezialisierung auf die veränderten Rahmenbedingungen. Letztendlich basiert der Trend zur Spezialisierung auf der gleichen Ursache wie die Entwicklung zu größeren Betrieben. Durch beide Maßnahmen erhöht sich die Wettbewerbsfähigkeit.

Niedrige Preise und steigende Kosten

Landwirt

Die Liberalisierung der Landwirtschaft in der Europäischen Union sorgte außerdem dafür, dass der Einfluss der weltweiten Agrarmärkte auf die deutsche Landwirtschaft zunahm, stellen Niegsch und Stappel fest. Damit erhöhte sich jedoch auch die Volatilität der Agrarpreise.  Vor dem Hintergrund der langfristig tendenziell stagnierenden Preise für landwirtschaftliche Güter ist es aber nicht weiter verwunderlich, dass Landwirte sich darüber beklagen, dass sie für ihre Arbeit nicht adäquat entlohnt werden, schreiben Niegsch und Stappel.

Grund ist: Die meisten Verbraucher in Deutschland sind eben nicht dazu bereit, höhere Preise für qualitativ gute Lebensmittel zu bezahlen. Gleichzeitig wird von den Landwirten verlangt, sich auf neue gesetzliche Rahmenbedingungen einzustellen, was höhere Kosten nach sich zieht. Und investieren müssen sie auch noch.  

Das Agrarpaket der Bundesregierung brachte das Fass dann zum Überlaufen, stellen die Autoren fest. Die Bauern fühlten sich ungerechtfertigt an den Pranger gestellt und fingen an zu protestieren.

Agrarpolitik erhöht den Druck

Landwirt

Aber offenbar sehen Niegsch und Stappel auch die Politik als Treiber für Strukturwandel und Veränderungen: Im September vergangenen Jahres brachte die Bundesregierung ein Agrarpaket auf den Weg. Dies enthält neben einem freiwilligen Tierwohllabel erhebliche Einschränkungen für die Nutzung von Unkraut- und Schädlingsgiften. Dies führte ebenso wie eine neue Düngeverordnung zu massiven Protesten der Landwirte.

Zwei Dürresommer hintereinander und Verbraucher, die nicht bereit sind, höhere Preise für Lebensmittel zu zahlen, haben aus Sicht der Autoren den wirtschaftlichen Druck auf die Landwirte erhöht. Angesichts der derzeitigen Rahmenbedingungen durfte sich die Lage der Bauern vorerst kaum verbessern, ist eine Schlussfolgerung der Studie.

Außerdem werden so die notwendigen Zukunftsinvestitionen erschwert, beschreiben die Autoren die aktuelle Situation. Die technischen, demographischen und klimatischen Herausforderungen werden den landwirtschaftlichen Strukturwandel weiter antreiben und beschleunigen, sind Niegsch und Stappel überzeugt.

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