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Klimaschutz und Landwirtschaft

Studie: Klimaziele nur durch Abbau der Tierbestände zu erreichen

CO2
am
07.05.2019
(1 Kommentar)

Die gesellschaftliche Debatte über eine Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen und den Klimaschutz wird immer schärfer geführt. In unserer Kommentarfunktion können Sie mitdiskutieren.

Die Landwirtschaft wird für viele Umweltprobleme verantwortlich gemacht. Deshalb werden die Forderungen, die landwirtschaftlichen Emissionen an Treibhausgasen (THG) bis 2030 drastisch zu reduzieren, immer lauter.

Umweltverbände kritisieren die bisherigen Pläne der Bundesregierung als zu unkonkret und unzureichend. Mitte April stellten in der "Umweltweltallianz" zusammengeschlossene Verbände deshalb eine Studie des Öko-Instituts vor. Die Untersuchung enthält konkrete Maßnahmen und Vorschläge, wie die Klimaziele in der Landwirtschaft erreicht werden sollen. 

Sollten diese Vorschläge umgesetzt werden, dürfte sich der Strukturwandel in der Landwirtschaft  erheblich beschleunigen. Gleichzeitig kommen die vorgeschlagenen Maßnahmen der von den Umweltverbänden schon seit langem geforderten "Agrarwende" sehr nahe.

70 Prozent der Agraremissionen aus Tierhaltung

Rinder

Auf der Grundlage der Studie kritisieren die beteiligten Umweltverbände, dass „das Maßnahmenpaket, das Ministerin Klöckner vorsieht, auf unrealistischen Annahmen basiert und zudem nicht ausreicht, das Klimaziel zu erreichen." Nach Aussagen der Verbände machen  Emissionen aus der Tierhaltung einschließlich der Futterproduktion rund 70 Prozent aller Agraremissionen aus.

Deshalb sind die beteiligten Verbände überzeugt, "dass nur mit einer kräftigen Abstockung der Tierbestände die Klimaziele in der Landwirtschaft auch erreicht werden können". Das ist im Prinzip auch das Ergebnis der im April vorgelegten Studie des Öko-Instituts, auf deren Aussagen sich die erneuerten Forderungen der Verbände beziehen.

"Ministerin Klöckner schließt diese Option jedoch kategorisch aus“, kritisiert Gerald Wehde vom Ökoverband Bioland. „Eine Reduktion des Konsums von Milch- und Fleischprodukten um ein Viertel brächte jedoch eine jährliche Einsparung von 7,8 Mio. t CO2“, meint Felix Domke von ProVeg Deutschland.

Tobias Reichert von Germanwatch sagt: „Steigende Exporte waren in den vergangenen Jahren der wichtigste Grund für wachsende Tierbestände und Emissionen. Daher muss ein deutlich verringerter Verbrauch von Fleisch und Milch mit reduzierten Exportmengen und weniger weggeworfenen Milch- und Fleischprodukten einhergehen.” Langfristig wird deshalb sogar eine Reduktion des Fleischverbrauchs um die Hälfte gefordert.

Vergärung von Wirtschaftsdünger überschätzt?

Düngen

Der Klimaschutzplan der Bundesregierung sieht für die deutsche Landwirtschaft vor, die Treibhausgase bis 2030 um 11 bis 14 Mio. t CO2-Äquivalent auf 58 bis 61 Mio. t CO2 zu reduzieren. 2016 lagen die Emissionen noch bei 71,7 Mio. t CO2. Bereits im November 2018 hatten mehr als 60 Umwelt- und Ökoverbände einen umfassenden Forderungskatalog vorgelegt. Darin wurden die für notwendig gehaltenen klimapolitischen Maßnahmen beschrieben, damit die Klimaziele für 2030 erreicht werden.

Die Umweltverbände kritisieren jetzt auf der Grundlage der Studienergebnisse, dass das Landwirtschaftsministerium statt auf eine Reduktion der Tierbestände auf zwei andere zentrale Instrumente setzt, „deren Wirkung das BMEL überschätzt“. Das ist zum einen die Düngeverordnung von 2017 und zum anderen die Vergärung von Wirtschaftsdünger in Biogasanlagen.

„Das Ministerium erwartet eine Einsparung von bis zu 3,5 Mio. t CO2 bis 2030 durch die Senkung des Stickstoffüberschusses. Mit der bestehenden Düngeverordnung ist jedoch nur eine Einsparung von 2 Mio. t CO2 zu erwarten,” ist Gerald Wehde vom Ökoverband Bioland überzeugt.

Halbierung der Stickstoffüberschüsse gefordert

Ökolandbau

Durch die Vergärung von Wirtschaftsdünger in Biogasanlagen will das BMEL zusätzlich bis zu 4 Mio. t CO2  einsparen. Das würde nach den Erkenntnissen der Studie des Öko-Instituts jedoch bedeuten, dass 70 Prozent des gesamten Aufkommens an Gülle und Mist in Biogasanlagen landen. Aktuell sind es 17 Prozent.

„Die Annahmen Frau Klöckners sind daher vollkommen überzogen und würden Millionen an Fördermitteln verschlingen und die Massentierhaltung manifestieren“, kritisieren die Verbände. Gefordert werden deshalb „realistische Maßnahmen zur Absenkung der Stickstoffüberschüsse von heute 98 auf 50 kg Stickstoff pro Hektar“.

Wichtigster Hebel soll die Reduktion der Tierbestände sein, insbesondere in den viehstarken Gebieten. Erreicht werden soll dies durch eine Ausweitung des Ökolandbaus bis 2030 auf 20 Prozent sowie durch mehr Leguminosenanbau und die Einführung einer Stickstoffabgabe.

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