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Klimawandel und Landwirtschaft

Studie: Ökolandbau hat Vorteile für Umwelt und Gesellschaft

am
22.01.2019

Auf der Grünen Woche hat das Thünen-Institut eine umfassende Auswertung bisheriger wissenschaftlicher Untersuchungen zum ökologischen Landbau vorgestellt.

Darin zeichnen die Autoren ein überwiegend positives Bild von den Potenzialen des Ökolandbaus für Gesellschaft und Umwelt.

Untersucht haben die Forscher die Bereiche Wasserschutz, Bodenfruchtbarkeit, biologische Vielfalt, Klimaschutz und -anpassung, Ressourceneffizienz und Tierwohl. Ausgewertet wurden 528 Veröffentlichungen, in denen insgesamt 33 Vergleichsparameter zwischen ökologisch und konventionell wirtschaftenden Betrieben betrachtet wurden. So ergaben sich mehr als 2.800 Einzelvergleiche.

Die Ergebnisse der Untersuchung wurden am 21. Januar 2019 im Rahmen der Internationalen Grünen Woche in Berlin vorgestellt.

Geringere Stickstoffausträge und mehr Biomasse

Die Ergebnisse der Untersuchung ließen erkennen, dass der Ökolandbau ein hohes Potenzial zum Schutz von Grund- und Oberflächenwasser hat. Positiv wirkt sich der Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel aus. In den ausgewerteten Untersuchungen verminderte eine ökologische Bewirtschaftung die Stickstoffausträge im Mittel um 28 Prozent.

Auch bei Tierarzneimitteln und den Phosphoreinträgen in Gewässer lässt der Ökolandbau nach Meinung der Autoren eine geringere Belastung erwarten. Hier lagen jedoch nicht genügend geeignete Studien vor. Vorteile der ökologischen Wirtschaftsweise zeigten sich außerdem bei der Bodenfruchtbarkeit. Die Häufigkeiten und Biomassen von Regenwurm-Populationen waren hier im Mittel um 78 bzw. 94 Prozent höher.

Bei 62 Prozent der Vergleichspaare war die ökologische Wirtschaftsweise außerdem mit einer geringeren Versauerung der Böden verbunden. Beim Gehalt an pflanzenverfügbarem Phosphor im Oberboden konnte hingegen keine eindeutige Tendenz für die eine oder andere Bewirtschaftungsform festgestellt werden.

Weniger Emissionen, höhere Biodiversität

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Nicht ganz so eindeutig war nach den Ergebnissen Studie der Beitrag des ökologischen Landbaus zum Klimaschutz. Festgestellt wurden jedoch eine höhere Kohlenstoffspeicherungsrate sowie um etwa 24 Prozent verminderte Lachgasemissionen. Dadurch emittieren Ökobetriebe jedoch im Mittel 1.082 kg CO2-Äquivalente pro Hektar und Jahr weniger. Wegen des niedrigeren Ertragsniveaus sind die ertragsbezogenen Klimaschutzleistungen im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft jedoch vermutlich vergleichbar.

Dass sich der Ökolandbau positiv auf die Biodiversität auswirkt, war für die untersuchten Artengruppen indessen eindeutig belegbar. So waren die mittlere Artenzahlen der Ackerflora um 95 Prozent, der Feldvögel um 35 Prozent und der blütenbesuchenden Insekten um 23 Prozent erhöht. Zu berücksichtigen ist, dass die Landschaftsstruktur einen erheblichen Einfluss auf die Artenvielfalt hat und diese die Effekte der Landnutzung stark überlagern können.

Erosionsvermeidung und höhere Stickstoffeffizienz

Die Studienergebnisse zeigen zudem, dass der ökologische Landbau zur Erosionsvermeidung und zum Hochwasserschutz beitragen kann. Der Gehalt an organischem Kohlenstoff im Boden (Humusgehalt) und die Aggregatstabilität waren im Ökolandbau im Mittel 26 Prozent bzw. 15 Prozent höher. Bei der Infiltration wurde ein Unterschied von 137 Prozent festgestellt. Dadurch werden Oberflächenabfluss und Bodenabtrag vermindert.

Der sparsame Ressourcenverbrauch im Ökolandbau spiegelt sich auch in der Stickstoff- und Energieeffizienz wider. In beiden Bereichen erwies sich der ökologische Landbau als vorteilhafter. Im Pflanzenbau war die Stickstoffeffizienz im Mittel 12 Prozent und die Energieeffizienz 19 Prozent höher als im konventionellen Landbau.

Beim Tierwohl kein klares Bild

Schweine im Außenstall

Kein klares Bild zeigte sich den Ergebnissen der Studie beim Tierwohl. Bei 46 Prozent der Vergleichspaare wurden keine eindeutigen Unterschiede zwischen ökologischer und konventioneller Tierhaltung festgestellt.

Die ökologische Wirtschaftsweise wies bei 35 Prozent der Vergleichspaare Vorteile auf, die konventionelle bei 19 Prozent. Hinsichtlich Verhalten und Emotionen deuten sich Vorteile der ökologischen Tierhaltung an. Bei der Tiergesundheit sind keine grundlegenden Unterschiede festzustellen. Das Management scheint hier entscheidender zu sein als die Wirtschaftsweise.

Die vollständigen Ergebnisse der Studie wurden als Thünen Report Nr. 65 veröffentlicht und sind auf der Thünen-Webseite verfügbar.

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