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Generationenwechsel

Studie: Prämien für Junglandwirte sind Verschwendung von Steuergeld

Junger Landwirt läuft zum Traktor
am Donnerstag, 03.09.2020 - 08:39 (Jetzt kommentieren)

Anstatt die Hofnachfolge durch Junglandwirteprämien zu fördern, müssen bessere Rahmenbedingungen in der Landwirtschaft geschaffen werden. Zu diesem Ergebnis kam eine Untersuchung des SURE-Farm-Projekts.

Die Autoren vom Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO) kritisieren in einem Policy Brief die europäischen Maßnahmen gegen den demografischen Wandel im Agrarsektor. Insbesondere für den Erhalt von Junglandwirteprämien müssten keine Konzepte, beispielsweise zur betrieblichen Entwicklung oder zur Nachhaltigkeit, vorgelegt werden, weshalb sie als „weitgehend wirkungslose Verschwendung von Steuermitteln angesehen werden können“. Die Prämie habe keinen wesentlichen Einfluss auf den Generationswechsel, den Strukturwandel und die wirtschaftliche Leistung eines Betriebs.

Konkret ergab die Studie, dass das Ziel der Junglandwirteprämie, junge Menschen zum Einstieg in die Landwirtschaft zu motivieren, weitgehend verfehlt werde. Je nach Region würden nach 20 Jahren selbst bei einer Verdoppelung der Prämie nur 0,24 Prozent bis 2,8 Prozent mehr Betriebe überleben als ohne zusätzliche Unterstützung. Insgesamt könne sich das regionale Wachstum sogar verringern, da die Förderung weniger effizienter landwirtschaftlicher Betriebe einen Nachteil für die effizienteren Betriebe darstelle, bei denen die Förderung in die eigene Entwicklung ausbliebe. Je nach regionaler Struktur könnten die Zugewinne geringer ausfallen als die Subventionen.

EU-Agrarpolitik ist nicht zukunftsweisend

Die Analyse SURE-Farm-Projekts kommt zu der Schlussfolgerung, dass sich die EU-Agrarpolitik zu sehr darauf konzentriere, die bestehenden Agrarstrukturen zu erhalten. Schon jetzt könnten die erheblichen Herausforderungen in der Landwirtschaft unter diesen Bedingungen nicht bewältigt werden. Da viele Landwirte technisch und ökonomisch nicht effizient genug arbeiteten, gerieten sie unter großen wirtschaftlichen und sozialen Druck.

Qualifizierte Arbeitskräfte als Schlüssel

Qualifizierte Arbeitskräfte sind laut den IAMO-Autoren ein wesentlicher Beitrag, um dem demografischen Wandel bei weiter steigendem Anpassungsdruck zu begegnen. Für die Gewinnung der Arbeitskräfte müssten günstige Rahmenbedingungen geschaffen werden. Außerdem sei seine gewisse Offenheit für die Ideen junger Neueinsteiger und für alternative landwirtschaftliche Geschäftsmodelle erforderlich. Eine Förderung von beispielsweise solidarischer oder genossenschaftlicher Landwirtschaft, neuen Produkten oder digitalen Produktionssystemen sei den Maßnahmen vorzuziehen, die sich auf traditionelle Modelle konzentrieren.

Doch nicht nur bei den Rahmenbedingungen, sondern auch bei der Aus- und Weiterbildung als Grundvoraussetzung für die Gewinnung qualifizierten Personals gebe es Verbesserungsbedarf. So sollten die Arbeitnehmer in der Landwirtschaft besser über Angebote der finanziellen Unterstützung während Aus- und Weiterbildungen informiert werden. Darüber hinaus sollten gut ausgebildete Fachkräfte über technisches Know-how und über die Fähigkeit verfügen, große und komplexe Betriebe zu leiten – nicht zuletzt gebe es bei landwirtschaftlichen Führungspositionen einen steigenden Bedarf.

Stabilität in ländlichen Gebieten und in der Politik

Die IAMO-Autoren heben die Attraktivität der ländlichen Räume als weiteren entscheidenden Faktor hervor, ohne den die Landwirtschaft keine qualifizierten Arbeitskräfte gewinnen könne. Insbesondere müssten Infrastruktur, der zuverlässige Zugang zum Internet, eine medizinische Versorgung, Freizeitaktivitäten, Schulen und Kindergärten vor Ort vorhanden sein.

Schließlich solle eine klare und konsistente Politik für Planungssicherheit und langfristige Orientierung – zum Beispiel beim Einsatz neuer Techniken – sorgen.

Junglandwirteprämie zu kurz gedacht

In ihrem Policy-Brief kritisieren die Autoren die Prämie für Junglandwirte, da diese lediglich das Alter als Voraussetzung berücksichtige: Bis sie 40 Jahre alt sind, können sich Landwirte für höchstens fünf Jahre den Betrag auszahlen lassen. Dieser richtet sich nach der Größe der bewirtschafteten Fläche. In einigen Mitgliedstaaten besteht jedoch eine Grenze für die berücksichtigte Fläche, in Deutschland sind dies 90 Hektar. Zudem habe der Europäische Rechnungshof die Prämie „als unwirksam kritisiert“.

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