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Studie warnt vor Nachhaltigkeitsrisiken für die Landwirtschaft

Junge Maispflanzen auf einem Feld
am Montag, 01.02.2021 - 14:59 (Jetzt kommentieren)

Die deutsche Landwirtschaft wird durch Nachhaltigkeitsrisiken in Milliardenhöhe bedroht. Davor warnt eine Untersuchung im Auftrag der GLS Bank.

Das Beratungsunternehmen Soil & More Impacts (SMI) analysierte für die GLS Bank die Nachhaltigkeitsrisiken für die deutsche Landwirtschaft. Das zentrale Ergebnis: Der Landwirtschaft entstehen aufgrund von Nachhaltigkeitsrisiken jährlich rund 3,7 Mrd Euro Kosten. Die genossenschaftliche Gemeinschaftsbank präsentierte die Studie heute während ihrer online-Bilanzpressekonferenz.

Fakt ist: Die Folgen eines nicht nachhaltigen Wirtschaftens werden für Unternehmen immer bedeutender. Für das Davoser Weltwirtschaftsforum (WEF) haben ökologische Risiken ökonomische an der Spitze der Gefährdungen abgelöst. Der Risikobericht 2020 des WEF nennt Klimaschutzversagen, Extremwetter und den Verlust der Biodiversität als drei der fünf größten Risiken.

Hohe Schäden durch nicht versicherte Extremwetterlagen

In ihrer Studie stellen die Berater von SMI fest, die Landwirtschaft sei der am engsten mit dem Naturkapital verknüpfte Sektor. Sie sei physischen Risiken, aber auch Anpassungsrisiken besonders stark ausgesetzt.

Der größte potenzielle Kostenfaktor sind nach Einschätzung der SMI-Analysten Ernteausfälle durch Extremwetterereignisse. So betrug der Durchschnitt der versicherten Ernteschäden zwischen 1990 und 2013 rund 511 Mio. Euro jährlich. Allerdings sind die meisten Flächen nur gegen Hagel versichert; gegen Trockenheit und Dürre sind es bisher nur 0,1 Prozent. Darum hinterließ das Dürrejahr 2018 in der Landwirtschaft der Studie zufolge nicht versicherte Schäden von 3 Mrd. Euro.

Teure Risikofaktoren

In die Milliarden geht nach Einschätzung der Autoren auch der Schaden durch das Risiko einer verringerten Bestäubungsleistung durch Bienen. Hierfür setzen die Analysten auf der Basis der Leihkosten für Bienenstöcke die Summe von 1,6 Mrd. Euro an.

Weitere teure Risikofaktoren sind unter anderem der zunehmende Schädlingsdruck, die Bodenerosion und die Bodendegradation.

Mit zusätzlichen Kosten rechnet die Studie ferner durch den Ausbau des Ökolandbaus, den Schutz von Moorböden sowie höherem Bewässerungsaufwand.

Die Landwirte stecken in einem Dilemma

Die Studie erhebt nicht den Anspruch, die Risikofaktoren vollständig zu erfassen. Die Autoren verweisen auch ausdrücklich auf die Unsicherheit der Berechnungen, die auf einigen Annahmen beruhen. Weitere Risiken seien zum Beispiel der Strukturwandel, niedrige Gewinne und das Fehlen von Hofnachfolgern, die Flächenversiegelung, steigende Bodenpreise und ungleiche Machtverhältnisse am Markt.

Die SMI-Berater sehen daher das Problem, dass landwirtschaftliche Betriebe zusätzliche Kosten und Investitionen, die zur Klimagassenkung führen, größtenteils selber tragen müssen, ohne dass Einsparungen auf Betriebsebene oder eine Einpreisung in die Erzeugerpreise dies ausglichen. Hinzu komme, dass es kaum politische Planungssicherheit gebe.

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