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Milchmarkt und Höfesterben

Jeden Tag geben 6 Milchbauern auf – Das sind die Fakten

milchbauer.
am Freitag, 01.07.2022 - 10:43 (1 Kommentar)

Es gibt immer weniger Milchbauern. Trotz der hohen Milchpreise. Zu viele Faktoren zwingen die Milchbauern zur Aufgabe.

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Die Zahl der Milchbauern geht erneut stärker zurück als die Anzahl der Milchkühe. Die Folge: Immer weniger Betriebe halten immer mehr Kühe. Von allen deutschen Milchbauern haben von Mai 2021 bis Mai 2022 rund 2.152 Betriebe die Produktion eingestellt – jeden Tag also 6 Betriebe. Die Abnahmerate lag bei knapp 3,9 Prozent.

Das Resultat: Im Mai 2022 gab es in Deutschland nur noch 53.677 Milchbauern – so wenig wie nie zuvor. Das ist mit Sicherheit auch ein Ergebnis der explodierenden Produktionskosten. Vor sechs Jahren verdienten noch 75.000 Bauern mit Milch ihr Geld – immerhin 11.300 mehr als jetzt. Und vor 10 Jahren weist die Statistik 85.000 Milchbauern aus – Das heißt: In nur 10 Jahren haben rund 31.000 Höfe oder reichlich ein Drittel aller Milchbauern die Milchproduktion aufgegeben.

Die rekordhohen Milchpreise des Jahres 2022 konnten den üblichen Strukturwandel offenbar etwas abbremsen. Jedoch nicht völlig, denn die steil ansteigenden Kosten fressen einen Großteil der zusätzlichen Einnahmen wieder auf. Und nötige Investitionen in neue Bauten und Maschinen sind angesichts der explodierenden Baukosten und Zinsen ebenfalls nicht unbedingt angeraten.

Die Zahl der Milchkühe ging im Vergleich zum Vorjahr „nur“ um knapp 74.000 auf 3,82 Millionen zurück. Das ist ein zwar ebenfalls neuer Tiefstand – bedeutet jedoch nur eine Abnahmerate von 2,0 Prozent.

In Bayern geben am meisten Milchbauern auf

Überdurchschnittlich viele Milcherzeuger haben im letzten Jahr (also von Mai 2021 bis Mai 2022) in Bayern und in Niedersachsen das Handtuch geworfen, in den beiden mit Abstand größten deutschen Milcherzeugerländern. In Bayern stiegen 4,3 Prozent bzw. 1.104 der Betriebe aus der Milch aus – das sind mehr als die Hälfte aller deutschen Milchbauern, die überhaupt aufgegeben haben.

Übrig sind in Bayern jetzt noch 25.208 Milchviehbetriebe – das sind beinahe die Hälfte aller deutschen Milchbauern – die etwa 24 Prozent der Milch erzeugen. In Niedersachsen machten 284 Milcherzeuger nicht weiter – das waren ebenfalls 4,4 Prozent der dortigen Betriebe. Im zweitgrößten Milcherzeugerland verbleiben damit noch knapp 7.980 Milchviehhöfe – diese erzeugen aber ebenfalls etwa 23 Prozent der gesamten deutschen Milch.

Hintergrund ist: In Bayern sind die Betriebe deutlich kleiner als im Norden oder im Osten – bayerische Milchbauern halten im Schnitt 43 Kühe – in Niedersachsen stehen mit 100 mehr als doppelt so viele Tiere im Stall, in Schleswig- Holstein sind es 105 Kühe und in Mecklenburg-Vorpommern betreut ein Milchviehbetrieb im Schnitt 243 Kühe.

Aus dem nächsten Top-Milchland, Schleswig-Holstein, meldete man einen Abnahmerate bei den Milchbauern von nur 2,9 Prozent und in Nordrhein-Westfalen gaben 3,9 Prozent der Betriebe auf.

So wenig Milchkühe wie nie – aber steigende Leistung

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Nur begrenzten Einfluss hat das Ausscheiden von Milchbauern aus der Produktion auf die Zahl der Milchkühe gehabt. Der Grund: Während vor allem kleine Betriebe aufhören (müssen), investieren andere und bauen trotz der extrem schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen neue Ställe oder erweiterten ihre Bestände.

So ist die Anzahl der Milchkühe von Mai 2021 bis Mai 2022 gerade einmal um 74.000 Tausend oder 2,0 Prozent zurückgegangen. Dieser Rückgang ist wohl auch den weiter steigenden Milchleistungen geschuldet. Auch längerfristig gesehen ist die Anzahl der Milchkühe in Deutschland nur "moderat zurückgegangen". Zeitweise nahm die Zahl der Kühe sogar wieder zu (2012 bis 2014), trotz steigender Milchleistungen und eines stetigen Rückgangs der Milchbauern.

So ist die aktuelle Kuhzahl rund 453.000 Tiere kleiner als vor 6 Jahren als zwischenzeitlich 4,3 Millionen Kühe in den Ställen standen – und etwa 400.000 Tiere kleiner als vor 10 Jahren, als knapp 4,2 Millionen Kühe gehalten wurden.

Im Mai 2022 wurden in deutschen Ställen 3,82 Millionen Milchkühe gezählt. Das ist neuer Tiefstand.

Die meisten Kühe stehen in Bayern: Nämlich 1,08 Millionen bzw. 28 Prozent des Bestandes. In Niedersachsen wurden 801.000 Kühe gezählt  – das sind 20 Prozent aller Kühe. In Nordrhein-Westfalen – der Nummer drei der deutschen Milcherzeugerländer – halten die Bauern noch 381.574 Kühe.

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