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Ratgeber

Tipps bei Konflikten zur Hofübergabe

Schlüsselübergabe
© agrarfoto
von , am
01.03.2017

Das Thema Hofübergabe ist in vielen Familien ein heißes Eisen. Es treffen dabei meist unterschiedliche Interessen der Beteiligen aufeinander. Ein Berater gibt Tipps.

Die Klärung bis zur endgültigen Übernahme des Betriebes fordert alle Beteiligten heraus - oft lange Zeit vor oder auch nach einer Hofübergabe. Oftmals enden Diskussionen im Streit. Wenn die Fronten sich verhärten, wird ein konstruktives Gespräch immer schwieriger.

Wichtig ist bei dem Prozess, die unterschiedlichen Interessen der  Beteiligten klar zu formulieren – insbesondere wenn Schulden vorhanden sind. Sich dafür professionelle Unterstützung zu holen und beraten zu lassen, lohnt sich in vielen Fällen.

Häufige Fehler bei der Hofübergabe

  • Bedürfnisse, Ängste oder Unsicherheiten einzelner Beteiligten werden in der Familie übergangen
  • aus Angst vor Konflikten oder aus Resignation verstummt das gemeinsame Gespräch
  • der Austausch über Erfahrungen früherer Generationen beim Umgang mit bestimmten Problemen findet zu wenig statt
  • über die schlechte Situation wird nicht gesprochen, weil Änderungen zusätzliche Unsicherheiten auslösen
  • Überlegungen nach beruflichen Alternativen des Hofnachfolgers weichen dem Gefühl der Verpflichtung gegenüber den Eltern
  • die weichenden Erben verschweigen ihr Unbehagen und stellen falsche Erwartungen bei der Erbabfindung
  • oft wird der/die eingeheiratete Partner/in von den Übergebern zum "Sündenbock" gemacht, weil er/sie die Sprachlosigkeit durchbricht
  • fehlende Einsicht, dass die weitere Existenz nur durch Entschuldung bzw. Substanzverkäufe gesichert werden kann
  • die Übernehmer haben oft nicht die Kraft, klare und ausreichende Übergabebedingungen einzufordern
  • ungeklärte steuer-, vermögens- bzw. erbrechtliche Fragen

Die Interessen der Familienmitglieder formulieren

  • Wohnrecht der Altenteiler mit Einkommen und Versorgung nach der Betriebsübergabe
  • Vereinbarung zu der betrieblich notwendigen Mitarbeit der Altenteiler
  • Abfindung bzw. Pflichtteilsverzicht der weichenden Erben
  • Absprachen zwischen Übergebenden und Übernehmenden (einschließlich dem einheiratenden Partner des Übernehmers) zur Gestaltung der Wohnsituation
  • Absicherung der Übergeber und der weichenden Erben bezüglich Veräußerungen nach der Übergabe
  • Absicherung der Übernehmer bezüglich notwendiger Substanzverkäufe zur erfolgreichen Entwicklung des Betriebes

Mediator kann bei Konflikten helfen

Haben sich die Fronten verhärtet, steht nicht nur die Zukunft des Betriebs auf dem Spiel, die Situation belastet auch die menschlichen Beziehungen der Familienmitglieder. Ein Weg aus dem Teufelskreis kann Mediation sein. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der landwirtschaftlichen Familienberatungen vermittelt hierfür professionelle Berater, die als neutraler Dritte zwischen den Konfliktparteien vermitteln.

Die erfahrenen Mediatoren begleiten die Familienmitglieder durch den notwendigen Klärungsprozess. Wesentlich ist dabei, dass es nicht um die Klärung von "Schuldfragen", sondern um die Regelung der strittigen Punkte geht. Die Gesprächsführung ist gegenwarts- und zukunftsorientiert. Die Beteiligten sollen befähigt werden, ihre eigenen Interessen und Gefühle zu erkennen, diejenigen der Anderen zu verstehen und gemeinsam eine einvernehmliche Lösung zu finden.

Hier finden Sie Beratungsstellen in ihrer Region.

Mit Material von Josef Nassal/LFB
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