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500-Ställe-Initiative

Tönnies plant die Revolution im Schweinestall

Offenfrontstall für Schweine
am Mittwoch, 19.02.2020 - 09:30 (Jetzt kommentieren)

Clemens Tönnies schraubt am Billy-Regal der Schweinehaltung: Der Schlachtriese will 500 tierwohl-optimierte Musterställe bauen lassen.

Clemens Tönnies

Deutschlands größter Schweineschlachter, Clemens Tönnies, will die Schweinehaltung revolutionieren. Wie der Firmenchef in einem Interview mit der Lebensmittelzeitung ankündigte, will er 500 kostengünstige Standardställe bauen lassen.

Ein Unternehmenssprecher bestätigte gegenüber agrarheute, dass die Vorbereitungen für den Musterstall auf Hochtouren laufen. Ziel ist ein tierfreundlicher Offenfrontstall. Er soll die Anforderungen der Haltungsform zwei bis vier erfüllen. Aufgrund der hohen Stückzahl soll der Stall dennoch kostengünstig sein, quasi das "Billy-Regal" der Schweinehaltung.

Einführung in die Praxis noch in diesem Jahr

Neubau eines Schweinestalles

Nach Angaben des Sprechers werden im Auftrag von Tönnies gerade verschiedene Stallkonzepte geprüft und verglichen. Der ideale Stall soll im Frühjahr oder Sommer fertig entwickelt sein. Die Einführung in die Praxis soll noch in diesem Jahr starten. Angeblich gibt es bereits zahlreiche interessierte Landwirte.

Um das Stallbaukonzept nutzen zu dürfen, sollen sich die Mäster an einer Baugenossenschaft beteiligen müssen. Damit sei aber keine Lieferverpflichtung der Tiere an Tönnies verbunden, beteuerte der Unternehmenssprecher.

Kritiker fürchten vertikale Integration der Lieferkette

Im Berufsstand hat die Nachricht über die 500-Ställe-Initiative von Tönnies allerdings auch Besorgnis ausgelöst. Kritiker fürchten, der Marktführer strebe eine vertikale Integration der Lieferkette an. Am Ende wären die Schweinehalter abhängige Lohnmäster, die viel von ihrer unternehmerischen Freiheit einbüßen würden.

Diesen Eindruck bemühte sich der Firmensprecher zu zerstreuen. Das Modell der Genossenschaft sorge für Transparenz. Gebaut werde nicht von Tönnies, sondern den teilnehmenden Landwirten. Es gehe nicht um den Einstieg in eine Vertragslandwirtschaft, sondern darum, eine Haltungsform mit Zukunft in die Praxis einzuführen, heißt es in Rheda-Wiedenbrück.

In dem Interview kündigte Clemens Tönnies ferner an, ab 2022 auf Palmöl in der Fütterung komplett zu verzichten und bis zum Jahr 2030 auch auf Soja aus Südamerika.

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