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Landfraß

Mit Traktoren und Transparenten gegen Flächenfraß

Demo-Landfraß-Franken-Traktoren
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Josef Koch, agrarheute
am
18.05.2018

200 Bauern aus Franken haben diese Woche gegen Entwicklungspläne der Stadt Erlangen demonstriert. Sogar Stadträte der Grünen sind für die Versiegelung von 200 Hektar zugunsten eines Gewerbegebietes.

Die Stadt Erlangen plant, Landwirte wegen eines Gewerbegebietes zu enteignen. Diese Pläne der Stadt treiben die Bauern auf die Barrikaden. Gegen die städtebauliche Entwicklungsmaßnahme (SEM) für das Baugebiet Erlangen-West III mit fast 2 Mio. m² protestierten nach Angaben des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) rund 200 betroffene Bäuerinnen, Bauern und Grundeigentümer im Erlanger Zentrum mit rund 100 Traktoren und zahlreichen Transparenten.

„Mit der Entwicklungsmaßnahme würden den heimischen Landwirten rund 200 Hektar wertvolle Acker- und Wiesenflächen verloren gehen“, kritisiert Robert Ort, Kreisobmann in Erlangen-Höchstadt. „Das entspricht der Größe von sechs fränkischen Bauernhöfen.“

Nach Angaben des Bayerischen Landesamtes für Statistik wurden der Landwirtschaft zwischen 2011 bis 2015 allein in Mittelfranken 2.442 Hektar fruchtbarer Boden entzogen.

Grüne sind für das Gewerbegebiet

Warum ausgerechnet die Stadtratsfraktion GRÜNE/Grüne Liste in Erlangen sich für diese Baugebietsausweisung ausspricht, verstehen die Bäuerinnen und Bauern nicht. „Die Grünen betreiben einerseits ein Volksbegehren gegen Flächenfraß unter dem Motto „Betonflut eindämmen“, und in Erlangen wollen sie genau das Gegenteil beschließen“, kritisiert Kreisobmann Ort.

Die Bauernfamilien fordern stattdessen, dass der Entzug land- und forstwirtschaftlicher Nutzflächen für Infrastrukturprojekte minimiert wird. Ersatzflächen sollen auch für Landwirte bereitgestellt werden müssen, wie dies bereits für Waldflächen gesetzlich verankert ist.

Das Instrument der SEM lehnen die fränkischen Bauern strikt ab, da es für Grundeigentümer quasi wie eine Enteignung wirkt. Ferner soll der Innenentwicklung gegenüber der Außenentwicklung Vorrang eingeräumt werden. Aus Sicht der Bauern müssen dasn Leerstandsmanagement forciert und viel mehr Infrastrukturbrachen entsiegelt werden.

Lebensraum für Insekten ist verloren

„Doch nicht nur die Bauern leiden unter dem Entzug von landwirtschaftlichen Flächen, auch für viele Pflanzen, Insekten, Bienen und Wildtiere geht so wertvoller Lebensraum verloren“, sagt BBV-Kreisobmann Robert Ort. „Auf diesen Flächen können keine Lebensmittel mehr angebaut werden und auch als Lebensraum für viele Pflanzen, Insekten, Bienen und Wildtiere sind sie verloren“, meint Ort.

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