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Studie

Darum treiben die Direktzahlungen die Pachtpreise nur wenig

Hand mit Geld vor einem Feld
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Dr.Olaf Zinke, agrarheute
am
01.03.2019
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Über die Direktzahlungen wird gestritten. Sie sollen die Pachtpreise deutlich erhöhen. Das stimmt so nicht. Sagen zwei Studien.

Die Diskussion über die landwirtschaftlichen Direktzahlungen (DZ) ist in vollem Gange. Die Bundesregierung hält an ihnen vor allem wegen ihrer einkommensstabilisierenden Wirkung fest. Das bestätigte jetzt noch einmal der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium Michael Stübgen.

Gegner der landwirtschaftlichen Direktzahlungen, wie etwa der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und das Europäische Umweltbüro (EEB) sind der Meinung, dass die Prämien nicht bei den Landwirten ankommen. Sie gehen davon aus, dass diese über höhere Pachtpreise direkt an die Bodeneigentümer weitergegeben werden. Das sei nur dann nicht der Fall, wenn der Landwirt auch der Bodeneigentümer sei.

In Deutschland werden aber gut 60 Prozent der Flächen als Pachtland bewirtschaftet. Entsprechend groß wäre also der behauptete Effekt. Zwei Studien aus dem Thünen-Institut und aus dem IAMO-Institut in Halle kommen jedoch zu anderen Ergebnissen.

Effekt auf die Pachtpreise geringer als gedacht

pachtpreise

Die flächenbezogenen Direktzahlungen der ersten Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) stellen den größten Teil der öffentlichen Zahlungen an Landwirte dar. Im Jahr 2016 beliefen sich diese in Deutschland auf 4,84 Mrd. Euro. Pro Hektar wurden damit etwa 280 Euro gezahlt. Der Anteil der Direktzahlungen am gesamten Einkommen der landwirtschaftlichen Betriebe hat in den vergangenen fünf Wirtschaftsjahren etwa bei 37 Prozent gelegen.

Um die Diskussionsgrundlage für die GAP-Reform nach 2020 zu verbessern, hatte das Thünen-Institut die Wirkungen der Direktzahlungen in der Landwirtschaft untersucht. Im Ergebnis schätzten die Wissenschaftler den Effekt auf den landwirtschaftlichen Strukturwandel insgesamt als eher gering und wegen deren Komplexität zudem als nicht eindeutig ein.

Pächter bekommen 30 bis 60 Prozent

Ausgewertet haben die Thünen-Forscher um Bernhard Forstner verschiedene empirische Studien. In diesen wurde die Überwälzung der DZ auf Bodeneigentümer in Deutschland bzw. in bestimmten Regionen untersucht. Die Ergebnisse variieren je nach Betrachtungszeitraum, Region, Pachtanteil und Untersuchungsansatz erheblich. Sie bewegen zwischen einer Überwälzungsrate von 30 bis 60 Prozent.

Offenbar ist die Überwälzung das Ergebnis eines sehr dynamischen Prozesses. Nach den Erkenntnissen der Forscher profitieren von den entkoppelten DZ vor allem Betriebe mit einem hohen Eigenlandanteil, mit viel Fläche sowie einer relativ geringen Wertschöpfungsintensität je Hektar. Entsprechend dürften die großen Ackerbaubetriebe am stärksten von den Flächenprämien profitieren.

Kostendegression im Ackerbau bis 400 ha LF

Der Überwälzungseffekt hängt nach Einschätzung der Wissenschaftler sehr stark von der Wettbewerbssituation auf den regionalen Bodenmärkten ab. Mit zunehmender Dauer der entkoppelten Zahlungen dürften die Überwälzungseffekte beim Abschluss neuer Pachtverträge zunehmen, schätzen die Forscher.

Neben der Betrachtung von Überwälzungseffekten hat das Thünen-Institut auch untersucht, wie sich flächen- und betriebsbezogene Kosten und Gewinne entwickeln. Die gemessenen ökonomischen Effekte größerer Betriebe waren jedoch uneinheitlich. Zudem hingen die gesamtbetrieblichen Kosten je ha LF stark von der Betriebsform ab.

Gleichwohl zeigten sich Kostendegressionseffekte bis zu einer Größe von 400 ha LF im Ackerbau und von 300 ha LF bei Milchviehbetrieben. Danach lagen die Kosten je ha LF auf ähnlich hohem Niveau.

IAMO: Weniger als 50 Prozent an den Pächter

Zu ganz ähnlichen Ergebnissen wie das Thünen-Istitut kam Marten Graubner vom IAMO-Institut in Halle. Er ging zunächst davon aus, dass Direktzahlungen die Bodennachfrage erhöhen. Das würde dazu führen, dass die Pachtpreise von subventioniertem Land höher sind als ohne Subventionen. Wenn Landwirte nicht gleichzeitig Bodeneigentümer sind, wäre das Ziel einer Einkommensstützung damit also nicht oder nur bedingt erreicht.

Eine ganze Reihe empirischer Arbeiten die Graubner auswertete, zeigt jedoch, dass dem nicht so ist. Von 1 Euro flächengebundener Subventionszahlungen fließen zumeist deutlich weniger als 50 Cent an die Eigentümer ab. Für Deutschland kommt Graubner sogar nur auf Werte zwischen 6 und 40 Cent. Die Diskrepanz zwischen theoretischer Erwartung und wirklich gezahltem Pachtentgelt erklärt der IAMO-Wissenschaftler mit einem nur eingeschränkt funktionsfähigen Pachtmarkt.

Studie: Wirkungen von Direktzahlungen in der Landwirtschaft

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