Login

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Agrarstruktur

Trend zu Großbetrieben hält an

am Mittwoch, 22.01.2020 - 10:10 (2 Kommentare)

Die Politik macht sich für die kleinen Betriebe stark. Doch die Entwicklung läuft ganz anders, wie die Statistik zeigt. Vielen Betrieben sind Auflagen und Kostendruck zu groß.

Schweinemast

Der Wandel in der Landwirtschaft hin zu großen Betrieben zeigt sich am Beispiel der Betriebe mit Schweinehaltung besonders deutlich. Je größer die Betriebe sind, desto höher liegen ihre Überlebenschancen, so das Statistische Bundesamt (Destatis). Die Zahl der Betriebe in der Größenordnung zwischen 500 und 999 Schweinen nahm zwischen 2010 und 2019 um fast ein Drittel ab, solche mit Beständen zwischen 1.000 und 1.999 Tieren nur um acht Prozent.

Dagegen stieg die Zahl der Großbetriebe ab 2.000 Schweine. Ende 2010 lag ihre Zahl noch bei 2.000 Betrieben, Mitte 2019 bei 2.700. Dies entspricht einem Zuwachs von 35 Prozent. Die Zahl der größten Betriebe (ab 5.000 Schweine) erhöhte sich um 67 Prozent von 300 auf 500 Betriebe. Das sind aber nur 2 Prozent aller Schweinebetriebe.

Die Zahl der Betriebe mit Schweinehaltung in Deutschland ist von 2010 bis 2019 um mehr als ein Drittel (35 Prozent) von 33.400 auf rund 21.600 gesunken. Laut den Wiesbadener Statistikern ist dieser Rückgang vor dem Hintergrund einer generellen Abnahme der Gesamtzahl landwirtschaftlicher Betriebe in Deutschland überdurchschnittlich hoch. Diese ging zwischen 2010 und 2016, dem Jahr der letzten Agrarstrukturerhebung, von knapp 300.000 auf rund 275.000 Betriebe zurück. Das entspricht einem Minus von rund 8 Prozent. 

Der gesamte Schweinebestand ging von 2010 bis 2019 um 2 Prozent auf rund 26 Millionen Tiere zurück. Eine nahezu konstante Gesamtzahl der Schweine verteilt sich also auf immer weniger Betriebe.

Ähnliche Tendenz bei Rinderhaltern

Milchviehstall Sachsen

Ähnliche Tendenzen zeigen sich in der Rinderhaltung. Hier werden statt Betrieben allerdings die Haltungen erfasst. Ein Betrieb kann mehrere Haltungen haben. Zwischen 2010 und 2019 ist hier ebenfalls ein deutlicher Rückgang aller Haltungen zu beobachten um fast ein Viertel zu beobachten (-23 Prozent). Die Zahl der kleineren Haltungen bis 199 Tiere ging um 26 Prozent zurück, während die Zahl größerer Haltungen ab 200 Tiere um 14 Prozent stieg.

Auch vor diesem Hintergrund werden andere Einkommensquellen für Landwirtinnen und Landwirte immer wichtiger. Im Jahr 2005 erzielten bereits rund 159.000 Steuerpflichtige mit Einkünften aus Land- und Forstwirtschaft auch Erträge aus Gewerbebetrieben. Hierzu zählen unter anderem Windkraft- und Solarenergie-Anlagen. Der Gesamterlös von etwa 4,7 Milliarden Euro betrug damals durchschnittlich 29.600 Euro pro Steuerpflichtigen.

Zehn Jahre später hatten bereits knapp 283.000 Personen zusätzlich Einkünfte aus Gewerbebetrieben – eine Zunahme von rund 78 Prozent. Die aus gewerblicher Tätigkeit erzielten Gewinne steigerten sich um fast das Doppelte: Bei einem Gesamterlös von 9,1 Milliarden Euro im Jahr 2015 betrugen die Einkünfte aus Gewerbebetrieben durchschnittlich 32.200 Euro pro Steuerpflichtigen.

Das agrarheute Magazin
Aktuelles Heft März 2020
Schnupper-Angebot Alle Aboangebote

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...