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Trotz Coronakrise sollen Erntehelfer nach Deutschland einreisen dürfen

Hände, die Spargel stechen
am Donnerstag, 19.03.2020 - 10:43 (Jetzt kommentieren)

Saisonkräfte für die Landwirtschaft aus direkten Nachbarländern sollen trotz strengerer Grenzregelungen wegen der Coronakrise weiter nach Deutschland kommen können.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner

Mit einem entsprechenden Nachweis dürften Saisonkräfte aus berufsbedingten Gründen grenzüberschreitend reisen, teilte das Bundeslandwirtschaftsministerium gestern auf Anfrage mit. Dies sei durch Unterlagen wie Arbeitsverträge, Auftragsunterlagen und Grenzgängerkarten zu belegen.

Damit auch Saisonkräfte kommen können, die zunächst durch deutsche Nachbarländer hindurchreisen müssen, bemüht sich Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner um flexible Regelungen.

Auf der Homepage ihres Ministeriums heißt es allerdings auch: „Grundsätzlich liegt es in der Verantwortung jedes einzelnen Unternehmens, ob er eine ausreichende Anzahl an Arbeitskräften zur Verfügung hat.“ Das Ressort verweist auf die örtlichen Arbeitsagenturen, die bei Ausfällen von ausländischen Saisonarbeitskräften zur Arbeitsvermittlung eingeschaltet werden könnten.

Es fehlen fast 300.000 Mitarbeiter

zwei Saisonarbeitskräfte ernten Erdbeeren

Insgesamt kommen laut Deutschem Bauernverband (DBV) vor allem zwischen April und Oktober normalerweise rund 286.000 Helfer aus dem Ausland nach Deutschland.

Viele Landwirtschaftsbetriebe befürchten kurz vor der Spargel- und Erdbeersaison Engpässe bei Erntehelfern. Derzeit gelingt es oft nicht, sie aus Polen und anderen osteuropäischen Ländern nach Deutschland zu bekommen. Teils sorgen sich Saisonarbeiter auch darum, ob und wie sie angesichts der Corona-Lage wieder heimkehren könnten.

Entgeltgrenze soll angehoben werden

Sechs Verbände der Agrarwirtschaft haben sich deshalb in einem gemeinsamen Schreiben an Bundesarbeitsminister Hubertus Heil gewandt. Sie fordern, für eine Reihe von Regelungen kurzfristig Ausnahmen und Modifikationen zu schaffen.

Die Verbände fordern im Einzelnen:

  • eine Anpassung des Arbeitszeitgesetzes (Verlängerung der täglichen und wöchentlichen Höchstarbeitszeiten sowie Verkürzung der Ruhezeiten),
  • die Anhebung der Entgeltgrenze für eine geringfügig entlohnte Beschäftigung,
  • die Verlängerung der Beschäftigungshöchstdauer und Aussetzung der Prüfung der Berufsmäßigkeit,
  • eine Verbesserung der Hinzuverdienstmöglichkeiten beispielsweise für Arbeitslose, Asylbewerber, Bezieher von Kurzarbeitergeld oder einer vorzeitigen Altersrente,
  • einen erleichterten Zugang zum Arbeitsmarkt für Arbeitskräfte aus Drittstaaten sowie
  • eine Lockerung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes, um Zusammenarbeit zwischen Betrieben zu erleichtern.

Anreise ausländischer Arbeiter dringend sicherstellen

Das Schreiben wurde von den Präsidenten und Vorsitzenden des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV), des Gesamtverbandes der deutschen land- und forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände, des Zentralverbandes Gartenbau (ZVG), des Bundesausschuss Obst und Gemüse (BOG), der Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen Obst und Gemüse und des DBV unterzeichnet.

Die Verbände haben sich außerdem an den Bundesinnenminister Horst Seehofer und Bundesaußenminister Heiko Maas gewandt und dringend darum gebeten, die Anreise der ausländischen Saisonarbeitskräfte sicherzustellen. Agrarministerin Julia Klöckner wurden die gesamten Vorschläge von den Verbänden vorgetragen.

Österreicher greifen zur Selbsthilfe

In Österreich vermitteln die Landwirtschaftskammer und der Maschinenring Niederösterreich zwischen Betrieben und Arbeitskräften bereits online, um den Bedarf an Hilfskräften zu decken. Darauf hat der Verein Initiative Land schafft Leben hingewiesen.

Der Verein bietet interessierten Helfern notwendige Informationen für eine Hilfstätigkeit per E-Mail an. Laut Angaben von Land schafft Leben werden in Österreich Erntehelfer, Fleischer und Mitarbeitende in Packstationen dringend gesucht, um die Lebensmittelversorgung zu sichern. Bürger, die als Arbeitskräfte in landwirtschaftlichen Betrieben mithelfen wollen, können sich jederzeit unter post@landschafftleben.at beim Verein melden.

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