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Ackerbau

Über 200 ha zur Existenzsicherung notwendig

Strohballen auf dem Feld
am
05.09.2019
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Ökonomische Zwänge stehen im Widerspruch zu Forderungen aus der Politik, dass Ackerbauern künftig noch mehr für den Insekten- und Naturschutz tun.

Tabelle Flächenbedarf

Um als Familienbetrieb im reinen Ackerbau nachhaltig das Existenzminimum zu sichern, müssen rund 131.000 Euro Gewinn gemacht werden. Dafür ist eine Fläche von 237 ha erforderlich, wenn man die durchschnittlichen Preis-/Kostenverhältnisse der letzten fünf Jahre und eine Eigenkapitalbildung von 100 €/ha unterstellt (siehe Tabelle).  Das hat Berater Andreas Lieke von der LBB Ländliche Betriebsgründungs- und Beratungsgesellschaft mbH, Göttingen, bei den DLG-Unternehmertagen vorgerechnet. Solche ökonomischen Zwänge stünden im Widerspruch zu Forderungen aus Öffentlichkeit und Politik, die Ackerbauern sollten künftig noch mehr für den Insekten- und Naturschutz tun. „Nicht alles, was gesellschaftlich wünschenswert ist, ist für einen Familienbetrieb auch zu leisten“, betonte Lieke in Magdeburg.  

Zentrale Aussagen von LBB-Berater Andreas Lieke:

  • Die Margen der Betriebe sind in den letzten Jahren spürbar gesunken.
  • Lediglich 25 % der Betriebe haben im Wirtschaftsjahr 2017/18 mehr als 20.000 € Eigenkapital bilden können.
  • Lieke hat eine steigende Verschuldung und sinkendes Eigenkapital ausgemacht
  • Die Zahl der Beschäftigten sinkt, während der Anteil der Fremdarbeitskräfte steigt
  • Der Berater beobachtet Defizite im ökologischen und sozialen Bereich; viele Betriebe orientierten sich am gesetzlichen Mindeststandard. 
  • Das Zinsniveau ist historisch niedrig; es geht Lieke zufolge aber noch niedriger
  • In der Landwirtschaft seien bisher trotz niedriger Erzeugerpreise bisher keine größeren Ausfälle zu beobachten, da Flächen zur Not zu hohen Preisen verkauft werden könnten.
  • Die Verschuldung der Betriebe steigt
  • Mehr als 40 % alle Wachstumsbetriebe seit 2017 nicht mehr wirklich kapitaldienstfähig.
  • Banken machen erste Erfahrungen mit Verwertungen in der Landwirtschaft
  • Die Finanzierung landwirtschaftlicher Investitionen fußt künftig nicht mehr auf Grundschulden, sondern auf der Kapitaldienstfähigkeit

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