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Ökolandbau

Umsteller müssen mit schwächeren Preisen rechnen

am Mittwoch, 23.01.2019 - 09:42 (Jetzt kommentieren)

Wer demnächst auf Ökolandbau umstellen will, sollte sich auf schwächere Preise für Umstellungsware einstellen. Es gibt aber Alternativen.

AF_Getr.-Hackstriegel

Wer demnächst auf Ökolandbau umstellen will, muss unter Umständen mit niedrigeren Preisen für die Umstellungsware rechnen. So erwartet beispielsweise Johannes Enzler, Landesanstalt für Landwirtschaft Bayern, dass das Angebot an Umstellungsware nach der Ernte 2019 zunehmen werde, wenn die Ernte normal ausfallen sollte. So stellten derzeit eine Reihe von Ackerbaubetrieben auf ökologischen Landbau um. Sie vergrößern das Angebot an Futtergetreide.

Gleichzeitig steige aber der Bedarf an Futtergetreide der tierhaltenden Ökobetriebe nicht mehr so stark wie in den vergangenen Jahren. So haben viele Molkereien derzeit einen Aufnahmestopp für Ökomilch. Damit können momentan kaum Milchviehhalter auf Ökolandbau umstellen.

Ohnehin dürfen Ökobauern nur ein Drittel Umstellungsware verfüttern. 70 Prozent müssen anerkanntes Ökofutter sein. Bei eigen erzeugter Umstellungsware dürfen im gleichen Betrieb 100 Prozent Umstellungsfutter eingesetzt werden.

Schwächere Preise für Umstellungsware möglich

Heilmann-Wilhelm-Naturland

Wilhelm Heilmann von der Marktgesellschaft der Naturland-Bauern AG geht davon aus, dass die Preise für Öko-Speisegetreide zur Ernte 2019 relativ stabil bleiben werden. „Die Abschläge für Umstellungsware, die nur zu Futterzwecken genutzt werden kann, könnten zur Ernte auf 40 bis 50 Euro/t ausweiten“, so Heilmann beim Seminar des Bayerischen Bauernverbandes „Chancen am Biomarkt“. Voraussetzung sei allerdings ein normaler Ernteverlauf.

In der vergangenen Ernte lagen die Abschläge deutlich niedriger. Futterweizen brachte als Umstellungsware 260 bis 270 Euro/t, Triticale lag mit 240 bis 250 Euro/t knapp darunter. Futtergerste konnte zum Beispiel mit 260 Euro bis 280 Euro/t vermarktet werden. Die Preise beziehen sich auf ganze LKW-Ladungen, ab Hof, netto.   

Eigene Getreidelagerung nötig

Hans-Bogner-QAL

Als wichtige Voraussetzung für Umstellungsinteressierte nannte Heilmann ein eigenes Getreidelager zu haben. Anders als im konventionellen Landbau sei die Vermarktung der kompletten Getreidemenge zum Erntezeitpunkt im ökologischen Landbau unüblich. „Daher ist es für Umstellungsbetrieb wichtig, das bisherige Getreidelager gründlich zu reinigen, um Rückstände zu vermeiden“, riet der Naturlandexperte den Seminarteilnehmern.

„Holzwände sind zudem komplett auszutauschen und zu entsorgen“, meint Hans Bogner, Geschäftsführer der Ökokontrollstelle QAL-GmbH. Meist beinhalten solche Wände noch Rückstände an Pflanzenschutzmitteln. Diese führen bei späteren Öko-Kontrollen erfahrungsgemäß zu Problemen und Nichtvermarktbarkeit der Getreidepartien als Ökoware.

Mehr auf Bodenfruchtbarkeit setzen

Bernhard Schwab-FZ Ökolandbau Bamberg

Berater Bernhard Schwab, vom Fachzentrum Ökolandbau Bamberg, empfiehlt Umstellungsbetrieben bei schwächeren Preisen für Umstellungsware in der zweijährigen Umstellungszeit den Fokus stärker auf die Bodenfruchtbarkeit zu legen. Beispielsweise können Landwirte zunächst mehr Leguminosen und Kleemischungen anbauen als Getreide. Das schaffe eine gute pflanzenbauliche Voraussetzungen für die Zeit nach der Umstellung.

„Alternativ können Betriebsleiter auch auf Braugerste setzen und diese konventionell vermarkten. Beispielsweise gab es im vergangenen Frühjahr gute Kontraktangebote für über 20 Euro/t“, so Schwab.  

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